Corona-Schutz: Wann kommt die nächste Impfstoff-Generation?

Corona-Schutz: Wann kommt die nächste Impfstoff-Generation?

Während viele Menschen in Deutschland noch auf ihreCorona-Impfung warten, arbeiten Hersteller schon an dernächsten Impfstoff-Generation. Erste solche Präparate könnten nachAngaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) imErfolgsfall noch in diesem Jahr zugelassen werden.

Coronavirus - Impfung

© dpa

Während viele Menschen in Deutschland noch um einen Termin für eine Corona-Impfung kämpfen, arbeiten Hersteller schon an der nächsten Impfstoff-Generation.

Dabei werden einem vfa-Sprecher zufolge vor allem drei Strategienverfolgt: Erstens geht es um eine stärkere Immunisierung, indem dieImmunabwehr etwa durch Antikörper noch mehr aktiviert wird. Imzweiten Fall wird an der Immunisierung gegen das sogenannteSpikeprotein, das an der Außenhülle des Coronavirus sitzt, oder gegenmehrere solche Spikeproteine gearbeitet. Und schließlich wird an derImmunisierung auch gegen andere Sars-CoV-2-Bestandteile geforscht wieetwa das sogenannte Nukleokapsid. Dieser zentrale Teil des Virusbesteht aus Proteinhülle (Kapsid) und viraler Nukleinsäure.
Die Gründe für derartige Forschung sind sehr unterschiedlich. Zumeinen gelten die bisherigen Impfstoffe zwar als wirksam gegen dieursprüngliche Variante des Virus. Doch schon bei manchen Mutantenlässt die Wirkung nach. Und da sich das Virus weiter verändern wird,will man vorbereitet sein. Zum anderen ist nach wie vor unklar, obund in welchem Zeitabstand Auffrischimpfungen - sogenannte Booster -notwendig sein werden.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist bisher auch nichtbekannt, ob solche Booster besser mit einem anderen Impfstofftyperfolgen sollten als mit dem zuerst gespritzten Präparat. DieBeantwortung dieser Frage hänge von Faktoren ab wie der Dauer desImpfschutzes nach der ersten Impfserie oder der Wirkweise desImpfstoffs, heißt es beim RKI. Der Vorsitzende der StändigenImpfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hatte jüngst den Zeitungender Funke Mediengruppe gesagt, dass wohl alle Geimpften imnächsten Jahr ihren Impfschutz auffrischen lassen müssten.
Wirksamkeit der Impfstoffe fortlaufend getestet
Hersteller wie Biontech/Pfizer oder Johnson & Johnson testenfortlaufend die Wirksamkeit ihrer Produkte bei Mutanten und auch dieDauer des Impfschutzes. Nach ersten Ergebnissen wirken die Impfstoffenach einem halben Jahr noch einwandfrei. Moderna untersucht dreiverschiedene Booster-Impfungen, die Ende des Jahres auf den Marktkommen könnten, wie Europachef Dan Staner dem «Handelsblatt» sagte.Von Curevac, dessen erster Impfstoff noch nicht zugelassen ist, gabes trotz Nachfrage keine Informationen zu weitergehenden Forschungen.
Ferner arbeiten Biontech und Pfizer beispielsweise daran, dass ihrImpfstoff auch für 12- bis 15-Jährige und jüngere Kinder eingesetztwerden kann. Seit Ende März lassen die Unternehmen ebenso dieVerabreichung einer einzelnen Auffrischungsimpfung fünf bis siebenMonate nach Erhalt der zweiten Biontech-Dosis untersuchen. Dabei wirdauch ein modifizierter Impfstoff getestet, der an das Spikeproteinder aus Südafrika bekannten Variante B.1.351 angepasst wurde.Angelaufen ist zudem eine Schwangerenstudie.
Der Biontech-Vorstandsvorsitzende Ugur Sahin hatte bei einerVeranstaltung des Science Media Centers gesagt, er wolle auch Studiendurchführen bei Menschen, deren Immunabwehr unterdrückt ist. Das kannzum Beispiel infolge einer Erkrankung wie Aids passieren oder wennman Medikamente nehmen muss, um die körpereigenen Reaktionen zuhemmen - etwa im Rahmen einer Krebstherapie.
Anders als bei den mRNA-Impfstoffen wie von Biontech/Pfizer muss dasVakzin von Johnson & Johnson wegen einer anderen Art der Anwendungbislang nur einmal gespritzt werden. Es würden aber auch Wirksamkeitund Sicherheit von zwei Dosen untersucht, erklärte eine Sprecherinder Janssen-Cilag GmbH, die zu Johnson & Johnson gehört. «Wirerwarten im Sommer 2021 erste Daten aus dieser Studie.»
Entwicklung von Impfstoffen der zweiten Generation
Darüber hinaus erprobe das Unternehmen, ob andere am Schutz gegenSars-CoV-2 beteiligte Immunfunktionen, wie die sogenanntenT-Zell-Immunantworten, auch gegen neuen Varianten wirksam sind.«Parallel dazu beschäftigen wir uns bereits mit der Entwicklung einesImpfstoffs der zweiten Generation und werden unsere Erkenntnisse ausunserem aktuellen Covid-19-Programm nutzen, um diese Bemühungen zubeschleunigen», teilte die Sprecherin mit.
Doch nicht nur die Hersteller selbst befassen sich mit solchenForschungen. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen hat eineganze Reihe an Projekten aufgelistet, die im Moment an Impfstoffender zweiten Generation arbeiten. Dazu zählt die Entwicklung einerSchluckimpfung mit gentechnisch veränderten, lebendenTyphus-Impfbakterien, die zwei verschiedene Proteine von Sars-CoV-2tragen. An dem Vorhaben ist die Universität Würzburg beteiligt.
Inwiefern das alles nötig ist, kann man derzeit schwer abschätzen.Prognosen sind wegen vieler nicht zu beantwortender Fragen kaummöglich. Die Leiterin der Sektion Infektiologie am Zentrum für InnereMedizin des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf, Marylyn Addo, hatte beimScience Media Center gesagt, bei eingedämmtem Infektionsgeschehengebe es auch weniger Mutationen. «Dann müssen wir uns diesem Themader neuen Mutationen vielleicht gar nicht so dramatisch stellen.»
Und wenn das doch notwendig wird? Das für die Impfstoffzulassungzuständige Paul-Ehrlich-Institut hat keinen Einfluss auf dieEntwicklungen, verweist aber zumindest auf Aussagen der Herstellerder mRNA-Impfstoffe. Die gingen davon aus, innerhalb von sechsMonaten Anpassungen vornehmen zu können. Innerhalb weiterer sechsMonate wollten sie dann Millionen Impfstoffdosen produzieren können.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 26. Mai 2021 11:30 Uhr