Bundesamt warnt vor Wurst der Firma Wilke

Bundesamt warnt vor Wurst der Firma Wilke

Nach zwei Todesfällen in Südhessen hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eindringlich vor Wurstwaren der Firma Wilke gewarnt. Sie können mit lebensgefährlichen Bakterien belastet sein.

Keime in Wurst

© dpa

Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren musste der Hersteller die Produktion stoppen. foodwatch kritisiert das Krisenmanagement von Behörden und Firma.

Grund für die Warnung sei, dass es einen «möglichen Zusammenhang von Produkten der Firma Wilke mit einem lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch» gibt, teilte das Bundesamt über das Portal www.lebensmittelwarnung.de mit. Die betroffene Produktion der Firma hat das Identitätskennzeichen «DE EV 203 EG». Die Wurstwaren seien auch in loser Form via Wursttheken verkauft worden, hieß es. Die Warnung wurde für 15 Bundesländer ausgesprochen, nur für Mecklenburg-Vorpommern besteht demnach derzeit keine Warnung.

Listerien in Wilke-Wurstprodukten nachgewiesen

Betroffen seien alle Produkte des in Twistetal-Berndorf im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg ansässigen Fleisch- und Wurstherstellers Wilke. In mehreren Fällen seien in Wurstprodukten Listerien nachgewiesen worden. Listerien sind Bakterien, die zu Durchfall und Fieber führen können. Für Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem können sie lebensgefährlich sein.

Wilke: Diese Marken sind betroffen

Neben allen Eigenmarken der Firma Wilke mit dem Identitätskennzeichen DE EV 203 EG sind auch die folgenden Marken und Handelsnamen mti dem genannten Kennzeichen betroffen:
  • Haus am Eichfeld
  • Metro Chef
  • Service Bund „Servisa“
  • CASA
  • Pickosta
  • Sander Gourmet
  • Rohloff Manufaktur
  • Schnittpunkt
  • Korbach
  • ARO
  • Findt
  • Domino
Zwei Todesfälle in Südhessen stünden nach Angaben eines Sprechers des Landkreises Waldeck-Frankenberg laut Gutachten mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,6 Prozent im Zusammenhang mit Wilke-Produkten. Es gebe zudem 37 weitere Krankheitsfälle, die möglicherweise mit den Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Die Behörden haben inzwischen die Produktion des Wurstherstellers in Nordhessen vorläufig geschlossen.

Kritik wegen mangelhafter Kommunikation

Die Verbraucherorganisation foodwatch wirft den Behörden und dem nordhessischen Wurstproduzenten «schwere Versäumnisse» vor. Es sei inakzeptabel, dass noch immer keinerlei Angaben zu den Verkaufsstellen der zurückgerufenen Produkte gemacht worden seien, erklärte die Organisation. Auch gebe es bislang keine Liste der betroffenen Produkte. In Waren der nordhessischen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH waren wiederholt Listerien-Keime nachgewiesen worden.
Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Kassel wegenfahrlässiger Tötung. Es gebe einen Anfangsverdacht, sagte eineSprecherin. Dieser richte sich aber noch nicht gegen eine konkretePerson.

Herkunft der Produkte schwer nachvollziehbar

«Die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten die Herkunft der Produkte nicht sicher nachvollziehen», kritisierte foodwatch. So habe Wilke offenbar auch für Handelsmarken produziert. Daher reiche es nicht, ausschließlich Wilke als Hersteller der zurückgerufenen Produkte sowie das Identitätskennzeichen der Waren zu benennen.
Behörden hatten zuvor erklärt, eine solche Rückruf-Liste sei nicht nötig, da alle Produkte von Wilke als solche deklariert seien. Waren unter anderen Markennamen seien nicht bekannt. Das Unternehmen selbst hatte in einer Mitteilung vom Mittwoch (2. Oktober 2019) alle Waren mit der Kennzeichnung «DE EV 203 EG» zurückgerufen. Es erklärte aber auch, dass Produkte in loser Form an Fleischtheken und Küchen in Krankenhäusern und Kantinen geliefert wurden. Laut Behörden wurden Wilke-Produkte über alle Bundesländer verteilt und auch weltweit ausgeliefert.

Neue Hinweise auf die Keimquelle

In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben. Man sei «aufgrund der Daten des Robert Koch-Instituts zu dem Schluss gekommen, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Verzehr von Wurstprodukten besteht», sagte Hartmut Wecker, Sprecher des Kreises Waldeck-Frankenberg. Der Kreis hatte den Betrieb am Dienstag geschlossen. Laut Wecker habe man schnell reagiert: «Da ist nicht lange abgewartet worden.»
Die Behörden erhofften sich am Freitag neue Hinweise auf die Keimquelle. Man warte auf den Bericht der Arbeitsgruppe, die den betroffenen Betrieb untersucht habe, sagte Wecker. In Wilke-Produkten waren mehrfach Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Personen mit schwachem Immunsystem lebensgefährlich sein. Es gibt 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Diese Zahl habe sich auch nach einem Aufruf der Verbraucherorganisation foodwatch an mögliche weitere Betroffene nicht erhöht, hieß es vom Kreis.

Ikea stoppt Verkauf von Wilke-Aufschnitt

Auch der Möbelkonzern Ikea ist mit Produkten des nordhessischen Wurstherstellers Wilke beliefert worden. Über einen Großhändler habe Ikea Deutschland Wurst-Aufschnitt für Kunden- und Mitarbeiterrestaurants von diesem Hersteller erhalten, sagte eine Sprecherin des Möbelkonzerns am Montag. Sie bestätigte damit entsprechende Angaben der Verbraucherorganisation foodwatch.
Ikea war am Mittwoch durch den Großhändler über die Schließung von Wilke informiert worden und habe «den Verkauf aller Produkte des Herstellers umgehend gestoppt», sagte die Sprecherin. Nicht betroffen sei das übrige Fleisch- und Wurstwaren-Sortiment aus Restaurant, Schwedenshop und Bistro. Mittlerweile gebe es einen neuen Lieferanten für Aufschnitt.
Äpfel im Supermarkt
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Quelle: dpa/Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

| Aktualisierung: Dienstag, 8. Oktober 2019 11:13 Uhr