Harter Wettbewerb um Friseure macht den Haarschnitt teurer

Harter Wettbewerb um Friseure macht den Haarschnitt teurer

Um noch neue Mitarbeiter zu finden, müssen Friseursalons höhere Löhne bieten - und das wirkt sich auf die Preise aus. Dass Frauen immer mehr bezahlen als Männer, muss aber nicht sein, sagt der Branchenverband.

Friseurin

© dpa

Höhere Löhne für Friseure machen den Haarschnitt teurer. Im Friseurhandwerk gebe es - wie in vielen anderen Handwerksberufen - einen großen Wettbewerb um Mitarbeiter, sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Friseurhandwerks, der Deutschen Presse-Agentur. «Da müssen wir einfach auch mehr zahlen, mehr bieten.» Die höheren Lohnkosten müssten die Salonbetreiber auf die Preise umschlagen. Viele Salons zahlten längst mehr als den Mindestlohn, sagte Müller.

Weiterer Lohnanstieg erwartet

Und das dürfte so weitergehen: «Wir glauben, dass die Löhne mittelfristig einfach noch steigen werden im Friseurhandwerk», denn der Wettbewerb um gute Köpfe im Handwerk nehme zu. Immer mehr junge Menschen entschieden sich für akademische Berufe, was dazu führe, dass «Mitarbeiter in Handwerksberufen knapp werden, und Verknappung bedeutet immer ein Ansteigen der Preise».

Harter Wettbewerb in Berlin

Den Friseurmarkt mit einer der größten Preisspannen in Deutschland habe Berlin: In der Hauptstadt gebe es extrem günstige Friseure, aber auch Top-Salons, «die fast, aber wirklich nur fast, an die Preislevels kommen, die man in Paris oder vor allen Dingen in London für eine Friseurdienstleistung zahlt», sagte Müller. Ein Grund dafür sei, dass es in Berlin ungewöhnlich viele Friseure gebe. «Und das bedeutet, dass es ein extrem harter Wettbewerb ist, der eben zum einen über Dienstleistungsqualität ausgetragen wird.»

Warnung vor niedrigpreisigen Friseuren

Das führe auf der einen Seite zu regelrechten Wellnesssalons und auf der anderen Seite zu sogenannten Systemfriseuren, «die ähnlich wie ein systemgastronomisches Unternehmen eben standardisierte Menüs anbieten». Vorsicht sei im extrem preisaggressiven Bereich geboten. Müller warnt, dass ungewöhnlich niedrige Preise häufig nur durch Lohndumping oder Schwarzarbeit zustande kommen könnten.

Preissteigerung um 6,6 Prozent seit 2015

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sind die Preise fürs Haareschneiden von 2015 bis 2018 um 6,6 Prozent gestiegen. Bei Friseurdienstleistungen für Frauen lag der Anstieg demnach sogar bei 7 Prozent, Preise für Männer verzeichneten ein Plus von 5,9 Prozent. Die jüngsten Zahlen zum Durchschnittspreis eines Nasshaarschnitts stammen nach Angaben des Zentralverbands aus dem Jahr 2017: Frauen mussten im Durchschnitt 27,20 Euro bezahlen, Männer 21,20 Euro. Der Zentralverband bezieht diese Zahlen aus der jährlichen Erfolgs-Vergleichs-Analyse (EVA) im Auftrag des Kosmetikkonzerns Wella. Für die Erhebung melden rund 550 Salons regelmäßig unter anderem ihre Preise und die Ausgaben ihrer Kunden.

Für Herrenschnitt niedrigere Preise

Warum diese Unterschiede? Männer gingen häufiger zum Friseur, zahlten also insgesamt nicht zwingend weniger als Frauen, sagte Müller. Außerdem: «Ein Damenhaarschnitt - auch wenn das viele nicht glauben wollen - ist einfach aufwendiger, wird anders geschnitten.» Sei eine Frau nicht bereit, mehr als ein Mann zu bezahlen, weil sie ohnehin einen Kurzhaarschnitt trage, sollte sie im Eingangsgespräch sagen, dass sie einen Herrenhaarschnitt möchte, riet der Experte. Dann weise der Friseur sie zwar in der Regel darauf hin, dass der Ansatz möglicherweise anders aussehe und die Haare anders fielen. Stimme die Frau aber zu, dass es ein klassischer Herrenhaarschnitt sein dürfe, zahle sie auch nur den Herrenpreis.
Friseure in Berlin
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 18. April 2019 08:56 Uhr