Zu hohe Dosis: Apotheken stoppen Verkauf von Magenmittel

Zu hohe Dosis: Apotheken stoppen Verkauf von Magenmittel

Der Wirkstoff wurde jährlich bis zu 5,7 Millionen Mal verordnet, dann entschied die EU-Kommission, die Grenzwerte zu senken. Jetzt nehmen deutsche Apotheken Magentropfen mit Metoclopramid aus dem Sortiment.

Kunden in der Apotheke

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Magentropfen mit Metoclopramid werden erst wieder verkauft, wenn es Nachfolgepräparate mit einer geringeren Wirkstoffmenge gibt. Foto: Oliver Killig

Deutsche Apotheken verkaufen in der nächsten Zeit keine Magentropfen mit dem Wirkstoff Metoclopramid (MCP) mehr. Bis es Nachfolgepräparate mit einer kleineren Wirkstoffmenge gebe, müssten Ärzte und Patienten auf andere Medikamente ausweichen, teilte der Branchendienst Apotheke adhoc mit. Der Wirkstoff MCP, der Übelkeit und Brechreiz verhindern soll, wurde nach Angaben des Dienstes jährlich bis zu 5,7 Millionen Mal verordnet.

Verbot aller Metoclopramid-Tropfen-Präparate

Grund ist ein Widerruf der Zulassung für die bislang übliche Dosierung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Ab sofort darf das Arzneimittel nur noch mit einem Wirkstoffgehalt von unter 1 mg/ml herausgegeben werden. Der Grund sind schwere Nebenwirkungen auf das Nervensystem.

Alle bislang in Deutschland erhältlichen Metoclopramid-Tropfen weisen Konzentrationen zwischen 4 und 5 mg/ml auf. Damit sind sämtliche Tropfen-Präparate vom Rückruf betroffen. Für Kinder unter einem Jahr ist MCP jetzt verboten. Bei den übrigen MCP- Darreichungsformen, zum Beispiel Tabletten, verschärft das BfArM die Warnhinweise und schränkt die Anwendungsgebiete ein. Bisher häufige Anwendungsgebiete umfassen die Refluxkrankheit, Verdauungsstörungen und Reizmagen. Patienten, die bislang Metoclopramid einnehmen, sollten sich von ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Mehr Risiken als Nutzen bei hoher Dosis

Der Widerruf für die Zulassungen vom Bundesinstitut geht auf die Europäische Kommission zurück. Sie hatte Ende Dezember entschieden, die Grenzwerte für den Wirkstoff zu senken, teilte die Behörde mit. Die Kommission war zu dem Ergebnis gekommen, dass es bei hoher Dosierung und langer Behandlung mit diesen Magentropfen mehr Risiken als Nutzen gebe.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 17. April 2014 17:37 Uhr

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