Medikamente: Viele rezeptfreie Arzneimittel sind ungeeignet

Medikamente: Viele rezeptfreie Arzneimittel sind ungeeignet

Viele Patienten greifen bei einer Erkältung oder Schmerzen ohne Rücksprache mit dem Arzt zu Medikamenten. Tester halten viele der Mittel für problematisch.

Rezeptfreie Medikamente im Test

© dpa

Rezeptfreie Mittel halten oft nicht, was sie versprechen.

Fast jedes dritte von rund 2000 überprüften rezeptfreien Medikamenten ist laut Stiftung Warentest wenig geeignet. Darunter fallen bekannte Mittel gegen Erkältung, Schnupfen, Halsentzündung, Verstopfung, Durchfall oder Insektenstiche.

Medikamente: Kombipräparate schneiden im Test schlecht ab

Oft schneiden die Kombinationen verschiedener Wirkstoffe schlecht ab, etwa von Schmerzmitteln und anregenden Mitteln in Erkältungsmedikamenten. In anderen Fällen bemängeln die Tester hohen Alkoholgehalt etwa bei einem Erkältungsmittel für die Nacht oder ungeeignete Zusammenstellungen bei Tabletten gegen Halsinfektionen. Die 2000 rezeptfreien Medikamente sind Teil einer umfassenderen Datenbank von Stiftung Warentest mit Arzneimitteln.

Selbstmedikation: 600 Millionen Arzneimittel jedes Jahr verkauft

Laut der Apothekerschaft werden jedes Jahr mehr als 600 Millionen rezeptfreie Arzneimittel in Apotheken abgegeben. Etwa jede dritte Packung aus der Apotheke werde im Rahmen der Selbstmedikation gekauft. Im Versandhandel kommt noch einmal eine kleinere Menge dazu. Der Umsatz beläuft sich laut einer Studie auf mehr als sechs Milliarden Euro.

Rezeptfreie Medikamente: Risiken werden unterschätzt

Viele Patienten sehen einer anderen Erhebung zufolge kaum Risiken rezeptfreier Mittel und nehmen zudem auch noch vom Arzt verschriebene Medikamente parallel. Gerade das Zusammenwirken der Mittel birgt Experten zufolge aber zusätzliche Risiken.

Viele neue Medikamente sind nicht besser als die alten

Unterdessen wurde eine Auswertung bekannt, nach der viele neue Medikamente gegen schwere Krankheiten nicht besser sind als die alten- einige sogar schlechter. Das sind Ergebnisse des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln, über die die «Welt» berichtete. In den vergangenen zwei Jahren habe das Institut 48 neue Medikamente auf ihren Zusatznutzen hin geprüft- mehr als die Hälfte der Mittel (26) seien dabei durchgefallen. Bewertet wurden neue Arzneimittel gegen Krebs, Diabetes, Epilepsie, Multiple Sklerose und andere schwere Krankheiten.

Neue Mediakmente im Test

In drei Fällen wurde innerhalb einer Patientengruppe sogar ein geringerer Nutzen festgestellt- das heißt, der neue Wirkstoff hatte dort mehr Nachteile als Vorteile im Vergleich zu den bisher verfügbaren Therapien. «Für 22 Medikamente haben wir feststellen können, dass sie wirklich besser sind als herkömmliche Mittel», sagte IQWiG-Chef Jürgen Windeler der Zeitung. Drei davon waren demnach sogar erheblich besser, elf immerhin noch beträchtlich.

Medikamente: Hersteller müssen Zusatznutzen nachweisen

Seit einer Arzneimittelreform 2011 müssen Hersteller für Mittel mit neuen Wirkstoffen bei Markteinführung Nachweise über den Zusatznutzen vorlegen. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken entscheidet dann auf Basis der Expertise des unabhängigen IQWiG, ob und welchen Zusatznutzen ein neues Präparat tatsächlich hat und unter welchen Voraussetzungen es verordnet werden darf. Für Mittel ohne Mehrwert wird ein Festbetrag festgesetzt. Für Arzneimittel mit Zusatznutzen handeln Kassen und Hersteller einen Preis aus- nur was mehr bringt, soll auch mehr kosten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 19. September 2013 10:46 Uhr