Organspende-Reform: Krankenkassen informieren Mitglieder

Organspende-Reform: Krankenkassen informieren Mitglieder

Zum 1. November 2012 tritt die Reform zu Organspenden in Kraft. Wie die einzelnen Krankenkassen ihre Mitglieder darüber informieren wollen.

Organspendeausweis mit TK-Logo

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Organspendeausweis mit dem Logo der Techniker Krankenkasse: Die Spendebereitschaft der Deutschen ist merklich zurückgegangen. Foto: Kay Nietfeld

Ausgerechnet zum Start der Organspendereform machen bröckelnde Spenderzahlen Ärzten und Politik Sorgen. Im Oktober gab es deutschlandweit nur rund 60 statt wie üblich 100 Organspenden pro Monat. Der Grund dürfte die Verunsicherung durch Tricksereien bei der Organvergabe sein. Ab Donnerstag (1. November 2012) bekommen Millionen Versicherte per Post Informationen zur Spende und Spendeausweise.
«In allen Regionen haben wir einen Rückgang bei den Organspendern außer in Baden-Württemberg», sagte die Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Birgit Blome, in Berlin. Bereits in den ersten drei Quartalen sei die Spenderzahl von 900 im Vorjahreszeitraum auf 829 gesunken. Nur im Südwesten stieg sie leicht von 87 auf 95.

Laut Günter Kirste, medizinischer Vorstand der DSO, hätten Angehörige von Verstorbenen angegeben, wegen der Skandale das Vertrauen in das System verloren zu haben. In Kliniken in Göttingen, Regensburg und München soll es Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

TK verschickt Organspendeausweise

Ab dem Start der Organspendereform haben die Krankenkassen bis Ende Oktober 2013 ein Jahr Zeit, Infos und Ausweise an ihre Versicherten ab 16 Jahre zu schicken. Die Techniker Krankenkasse (TK) will ihre 6,9 Millionen Versicherten bis Ende November damit versorgt haben. Ziel sei es zunächst, die Versicherten zu informieren, sagte TK-Chef Jens Baas. Die Versicherten könnten die Ausweise in Scheckkartenformat auch unausgefüllt lassen oder einer Organentnahme nach dem Tod widersprechen. Alle zwei Jahre muss künftig erneut informiert werden.
Die TK beginnt mit dem Versand an ihre Versicherten in Hamburg und Berlin. Die meisten anderen Kassen warten noch ab. Aus Kassenkreisen hieß es, die Entscheidung bei den meisten Versicherungen, die Briefe erst später zu verschicken, rühre von der Hoffnung her, das Thema werde bis dahin wieder positiver gesehen.

Barmer GEK startet große Kampagne Anfang 2013

Die größte Kasse, die Barmer GEK, fügt in Versichertenschreiben Flyer zur Vorabaufklärung und Motivation bei. «Anfang des kommenden Jahres findet die Kampagne ihren Höhepunkt, wenn die Versicherten vollumfängliche Informationen samt Organspendeausweisen per Post erhalten», sagte ein Sprecher. Bei der DAK-Gesundheit hieß es: «Wir werden erst im nächsten Jahr damit starten.» Angepeilt seien die ersten Monate 2013.

AOK informiert im Internet

Die AOK informiere seit April ihre Versicherten zum Thema im Internet, sagte ein Sprecher. Mit dem Start des Gesetzes beginne die AOK in einigen Regionen mit der schriftlichen Information. «Der Schwerpunkt der Versendung der Informationsmaterialien wird im kommenden Jahr sein.»
Die 111 Betriebskrankenkassen entscheiden jeweils selbst über den Zeitpunkt des Versandes, wie eine Verbandssprecherin sagte. Der BKK-Bundesverband habe ein Muster-Anschreiben erarbeitet. Die Siemens-Betriebskrankenkasse teilte mit, die Versicherten noch nicht mit Ausweisen zu versorgen.

Ziel ist einen Steigerung der Spendebereitschaft

Ziel der im Bundestag über die Fraktionsgrenzen hinweg beschlossenen Entscheidungslösung und der Kampagne ist eine Steigerung der Spendebereitschaft. Der nun umgesetzten Reform waren jahrelange Debatten vorausgegangen. Jetzt sollen alle Versicherten informiert und um eine Entscheidung gebeten werden. Bisher musste man sich aktiv um das Thema kümmern und gegenüber den Angehörigen oder per Ausweis seine Spendebereitschaft bekunden, wenn man nach dem Tod als Organspender infrage kommen wollte.
Von den 12.000 Menschen, die in ganz Deutschland auf eine Spende warten, sterben jeden Tag 3. TK-Chef Baas räumte ein, die nun verschickten Briefe allein könnten die Probleme nicht deutlich abmildern. Wieviele Menschen einen Ausweis ausfüllen, werde auch nicht ermittelt. Es komme auf die ebenfalls beschlossene Neuerung an, dass sich in den einzelnen Kliniken jemand darum kümmert und Spenden vorbereitet.
Überraschend dürfte für viele Empfänger des Kassen-Materials sein, dass sie sich auch über Patientenverfügungen Gedanken machen sollen. Baas erläuterte: «Wenn ich ausschließe, dass ich Apparatemedizin bekomme, schließe ich damit auch die Organspende aus.» Denn ist der Hirntod eingetreten, müssen Betroffene an Apparate angeschlossen werden, damit die Organe bis zur Entnahme funktionsfähig bleiben.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 1. November 2012 13:49 Uhr