Baby-Blues: Wann ist es eine postnatale Depression?

Baby-Blues: Wann ist es eine postnatale Depression?

Ein Stimmungstief nach der Geburt trifft viele Mütter. Meist geht der Baby-Blues bald vorbei. Was tun, wenn die Depression bleibt?

Depression nach der Geburt

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Die Geburt ihres Kindes empfinden die meisten Frauen als großes Glück. Trotzdem entwickeln nicht wenige von ihnen eine Depression.

Experten gehen davon aus, dass jede zweite frisch gebackene Mutter davon betroffen ist: Nachdem das Baby gesund geboren ist, setzt bei vielen Müttern statt der erwarteten überschwänglichen Freude ein Wechselbad der Gefühle ein. Manche sind schnell gereizt, können sich nicht konzentrieren oder brechen ständig in Tränen aus. Andere Mütter finden nur schwer Bezug zu ihrem Baby, sind traurig, haben Angst oder schlechte Laune. Dieses Stimmungstief nennt man auch Baby-Blues. Oftmals beginnt diese vorübergehende Phase am dritten bis vierten Tag nach der Geburt und hält etwa zwei Wochen an. Ändert sich der Gemütszustand danach nicht, kann dies auch eine postnatale Depression sein.

Baby-Blues ist normal

Gerade nach der Geburt ist es wichtig, sich im Haushalt und bei der Baby-Pflege vom Partner, der Familie und von Freunden unterstützen zu lassen. Um die mangelnde Nachtruhe auszugleichen, sollte man in der so gewonnenen Zeit schlafen, lesen, einen Spaziergang oder Entspannungsübungen machen. Oft ist es hilfreich, sich einer nahestehenden Person anzuvertrauen und über seine Sorgen zu sprechen. Man sollte sich bewusst machen, dass das Stimmungstief eine ganz normale Reaktion auf eine völlig neue Lebenssituation und die hormonelle Umstellung nach der Geburt ist. Auch Gespräche mit anderen Müttern – zum Beispiel in Stillgruppen – helfen dabei zu erkennen, dass es auch anderen so ergeht oder ergangen ist.

Depression wird oft nicht erkannt

Sollte sich der Gemütszustand nach etwa zwei Wochen nicht verbessern, ist der Rat eines Arztes gefragt. Denn manchmal kann auch eine behandlungsbedürftige Wochenbettdepression (postpartale Depression) vorliegen. Kennzeichen sind zum Beispiel Traurigkeit, gemischte Gefühle dem Kind gegenüber, Herzbeschwerden sowie Ängste und Panikattacken. Eine Depression nach einer Geburt - die sogenannte postnatale Depression - wird oft nicht erkannt. Grund: «Eine Mutter wird alles daran setzen, dass sie für ihr Kind funktioniert. Und dann heißt es: 'Geht doch!'».

Ängste ruhig eingestehen

«Ganz viele Betroffene, auch die Angehörigen, manchmal selbst die Ärzte sagen: Das ist doch normal, dass man erschöpft ist, wenn man nachts nicht schlafen kann. Natürlich ist das normal, aber nur bis zu einem gewissen Grad», erläutert Oberärztin Susanne Simen vom Klinikum Nürnberg. Schwierig sei auch, dass sich die Betroffenen ihre Probleme oft nicht eingestehen wollten oder sich schämten, weil sie trotz des Neugeborenen nicht glücklich sind.

Depression nicht mit Baby-Blues verwechseln

Postnatale Depressionen unterscheiden sich der Fachfrau zufolge deutlich vom sogenannten Baby-Blues. «Der Baby-Blues hält nur ein paar Tage an, davon sind etwa 40 Prozent der Frauen betroffen.» Postnatale Depressionen hingegen träten bei 10 bis 15 Prozent der Frauen auf, bis zu vier Prozent aller jungen Mütter erkrankten an einer schweren Episode.

Postnatale Depression: Die Symptome

Ein wesentliches Kennzeichen einer Depression sei das Nichts-fühlen-Können oder zumindest keine Freude mehr fühlen zu können, schilderte die Oberärztin. «Damit eng verwoben ist, keine Energie zu haben: Energie zum Fühlen, Energie zum Denken, Energie zum Essen, Energie, um überhaupt irgendetwas zu tun.» Zu diesen üblichen Symptomen einer Depression kommen bei jungen Müttern starke Hormonschwankungen; auch eine ungewohnte Reizbarkeit kann auftreten. «Typische Symptome sind auch das Früherwachen, die Mutter sitzt dann voller Panik und Zukunftsängste um fünf oder sechs Uhr hellwach in ihrem Bett», zählt Simen auf.

Depression nach der Geburt trifft auch Väter

Nicht nur Mütter, sondern auch Väter können nach der Geburt an einer Depression erkranken. Grundlose Schuldgefühle, Ängstlichkeit, Unruhe sowie Antriebslosigkeit sind erste Anzeichen für eine Depression. Halten die Verstimmungen an, sollten sich Männer Hilfe bei einem Psychiater suchen, rät Anette Kersting von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. Die genauen Ursachen für Depressionen bei Vätern sind noch ungeklärt. Experten nehmen jedoch an, dass der aufwühlende Eindruck der Geburt, ein gestiegenes Verantwortungsgefühl und hohe Erwartungen an sich selbst die Erkrankung auslösen können. Gehäuft treten die psychischen Beschwerden bei Männern etwa drei bis sechs Monate nach der Geburt auf.
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Quelle: dpa/ Techniker Krankenkasse

| Aktualisierung: Donnerstag, 13. Dezember 2018 12:35 Uhr

Depression: Ursachen, Symptome, Therapien