Morbus Bechterew: Frühe Behandlung schützt vor Langzeitschäden

Morbus Bechterew: Frühe Behandlung schützt vor Langzeitschäden

Die entzündlich-rheumatische Erkrankung Morbus Bechterew ist nicht heilbar. Wird sie früh genug erkannt, lassen sich bleibende Schäden an Wirbelsäule und Gelenken jedoch oft verhindern.

Morbus Bechterew

© dpa

Chronische Schmerzen und ein zunehmend steifer Rücken: Morbus-Bechterew-Patienten können mit einem speziellen Training ihre Beschwerden lindern.

Morbus Bechterew beginnt schleichend. Von den ersten Anzeichen bis zur Diagnose haben die Patienten oft einen langen Weg hinter sich – nicht selten vergehen Jahre. Dabei ist die Früherkennung bei dieser Erkrankung besonders wichtig. Denn nur eine rechtzeitige Behandlung verhindert langfristige Schäden an Wirbelsäule und an den Gelenken.

Was ist Morbus Bechterew?

Die entzündlich-rheumatische Krankheit Morbus Bechterew ist nach dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew (1857 bis 1927) benannt und hat noch viele andere Namen. Doch auch unter ihrem geläufigsten Synonym ankylosierende Spondylitis (AS) ist sie in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Und das, obwohl sie ebenso häufig vorkommt wie die rheumatoide Arthritis, also Rheuma. Auch Morbus Bechterew ist eine chronische entzündliche Erkrankung der Gelenke. Sie betrifft allerdings vorwiegend die Wirbelsäule. Die wiederholt auftretenden Entzündungen führen zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule mit abnehmender Beweglichkeit bis hin zur Versteifung.

Welche Symptome weisen auf Morbus Bechterew hin?

Es gibt keine eindeutigen Symptome, die auf die Erkrankung hindeuten, charakteristisch jedoch sind oftmals Rückenschmerzen in der unteren Wirbelsäule, die in Po und Oberschenkel ausstrahlen. Der Schmerz nimmt langsam - oft über Wochen und Monate - zu. Innerhalb weniger Monate tritt der Schmerz anhaltend und meist beidseitig auf. Oft ist er nachts am stärksten. Ruhe bekommt den Patienten nicht gut, in der Bewegung lässt der Schmerz eher nach.

Was sind die Ursachen für Morbus Bechterew?

Mediziner vermuten, dass eine genetische Veranlagung sowie Umwelteinflüsse die krankhafte Immunreaktionen in Gang setzen. Bei 95 Prozent der Patienten findet sich ein genetisches Gewebemerkmal, das für die Erkrankung verantwortlich gemacht wird. Dieses kommt jedoch auch bei Nichtbetroffenen vor.

Wie verbreitet ist die Erkrankung?

Nahm man bis vor einigen Jahren noch an, dass Männer drei- bis fünfmal häufiger betroffen sind, zeigen neuere Untersuchungen jedoch etwa eine Gleichverteilung bei beiden Geschlechtern. Moderne Untersuchungsmethoden ermöglichen mittlerweile auch frühere Diagnosen. Inzwischen geht man davon aus, dass hierzulande jeder hundertste Mensch an Morbus Bechterew leidet. Die Krankheit beginnt häufig im jungen Erwachsenenalter, meistens zwischen dem 16. und 35. Lebensjahr, in seltenen Fällen auch danach.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Weil die Krankheit bislang nicht heilbar ist, geht es bei der Therapie vor allem darum, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten. Dies geschieht vor allem durch regelmäßige Krankengymnastik, die der Verknöcherung und der Verformung der Wirbelsäule vorbeugen kann. Gegen die Entzündungen ist der Einsatz nichtsteroidaler Antirheumatika möglich. Dabei handelt es sich um Rheumamedikamente, die kein Cortison enthalten. Auch eine Wärme-Kälte-Therapie verschafft Linderung. Warme Bäder und Wärmflaschen verbessern die Durchblutung und damit die Steifheit, die Behandlung mit Kälte mit Gelpackungen oder in der Kältekammer wirkt schmerzlindernd.

Hilft eine Operation bei Morbus Bechterew?

Ist die Erkrankung sehr weit fortgeschritten, kann die versteifte Wirbelsäule operativ begradigt werden. Dazu wird die Wirbelsäule in einer sehr aufwendigen OP an mehreren Stellen gebrochen und mit Metallplatten in einer aufrechteren Stellung fixiert. Die Beweglichkeit wird durch die Operation allerdings nicht verbessert. Operiert wird zum Beispiel, wenn die Wirbelsäule so stark verkrümmt ist, dass der Blickkontakt zu anderen Menschen nicht mehr möglich ist. Starke Schmerzen sowie die Beeinträchtigung und Schädigung innerer Organe oder der Knie- und Hüftgelenke durch Morbus Bechterew sind weitere Gründe für eine Operation.

Quelle: Thorsten Dargatz/Berlin.de

| Aktualisierung: Dienstag, 26. April 2016 16:21 Uhr