Impfungen: Was passiert im Körper, welche werden bezahlt?

Impfungen: Was passiert im Körper, welche werden bezahlt?

Impfen ist der effektivste Schutz gegen eine Reihe gefährlicher Krankheiten. Wie es funktioniert und welche Impfungen von den Krankenkassen bezahlt werden.

Impfpass

© dpa

Im Impfpass werden die einzelnen Impfungen eingetragen. So wissen Patient und Arzt, wie lange eine Impfung her ist.

Hätte der englische Arzt Edward Jenner nicht Ende des 18. Jahrhunderts mit Überzeugung zu seinen Entdeckungen gestanden und sie auch ausprobiert, wäre die Menschheit heutzutage möglicherweise deutlich kleiner, vielleicht auch schon ausgestorben. Jenner hatte beobachtet, dass Melkerinnen, die sich an kuhpockenkrankem Vieh infiziert hatten, nicht mehr an Pocken erkrankten. Im Jahr 1796 impfte er einen gesunden Jungen mit Kuhpocken. Danach war dieser gegen Pocken geschützt.

"Impfen" schon vor 2000 Jahren bekannt

Diese Entdeckung war zwar nicht neu - schon vor 2000 Jahren sollen Chinesen und Inder Körpersekrete von Infizierten eingenommen haben, um sich vor Erkrankungen zu schützen - traf aber in Europa zu dieser Zeit auf ein großes Interesse bei Medizinern. Denn bis ins 19. Jahrhundert hinein konnten Ärzte nur wenig tun, wenn verheerende Epidemien wie beispielweise die Pocken um sich griffen und Hunderttausenden das Leben kosteten.

Nationale Impfprogramme seit dem 19. Jahrhundert

Zwar hatte man schon früh beobachtet, dass Überlebende einer Pocken- Infektion danach immun gegen die Erkrankung waren. Aber erst die in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten medizinischen Entdeckungen von Wissenschaftlern wie Robert Koch, Paul Ehrlich und Louis Pasteur legten den Grundstein für die Entwicklung von Impfstoffen. Mit ihnen konnten ganze Bevölkerungen geschützt werden, die durch die damals neuen nationalen Impfprogramme immunisiert wurden.

Heutzutage ist Impfen der effektivste Schutz gegen eine ganze Reihe gefährlicher Krankheiten. Dabei unterscheidet man zwischen aktiver Impfung und passiver Immunisierung.

Aktive Impfung

Diese Form der Impfung wird Vakzination genannt. Dabei werden dem Menschen abgeschwächte oder abgetötete Erreger der Krankheit oder Teile davon in den Muskel gespritzt. Dies regt den Körper an, schützende Antikörper gegen die entsprechende Krankheit zu bilden. Wird das Immunsystem erneut mit dem Erreger konfrontiert, kann es sich erfolgreich wehren. Diese sogenannte aktive Immunisierung erfordert meist mehrere Injektionen und schützt den Patienten in der Regel viele Jahre.

Passive Immunisierung

Wenn der Patient sich wahrscheinlich oder sicher angesteckt hat, hilft die sogenannte passive Immunisierung. Dabei wird ein Impfserumserum gespritzt, das die spezifischen Antikörper (Immunglobuline) gegen den betreffenden Krankheitserreger oder dessen Toxin bereits in hoher Konzentration enthält. Dieses bewirkt, dass die Krankheit beim Patienten weniger schwach verläuft oder überhaupt nicht ausbricht. Im Gegensatz zur aktiven Immunisierung hält der Schutz meist nur einige Wochen.

Nebenwirkungen von Impfungen selten

Schwere Impfnebenwirkungen sind selten. Mediziner und Wissenschaftler verweisen darauf, dass jährlich Millionen Menschen geimpft werden und die bisherigen Stoffe besonders intensiv getestet sind. Im Vergleich zu den Gefahren, die Krankheiten wie Kinderlähmung, Masern oder Wundstarrkrampf mit sich bringen, gelten die Risiken als eher gering.

Welche Impfungen die Krankenkassen bezahlen

Bestimmte Impfungen müssen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Die Auswahl orientiert sich an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission der Bundesregierung, die zum Robert Koch-Institut gehört. Die Empfehlungen gelten jeweils für bestimmte Alters- und Personengruppen. Derzeit umfasst der sogenannte Impfkalender den Schutz vor:

Diphtherie (durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit)
Keuchhusten (Pertussis)
Wundstarrkrampf (Tetanus)
Haemophilus influenza Typ B (bakterielle Infektion, die zur Hirnhautentzündung führen kann)
Hepatitis B (Viruserkrankung, die die Leber angreift)
humanen Papillomaviren (können Gebärmutterhalskrebs verursachen)
Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Pneumokokken (Auslöser von Hirnhaut- und Lungenentzündung)
Meningokokken (können Hirnhautentzündung auslösen)
Masern
Mumps
Röteln
Windpocken (Varizellen)
Rotaviren
für Senioren: Grippe (Influenza)
Die privaten Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Impfungen zu bezahlen, tun dies dem Verband der privaten Krankenversicherung zufolge in der Regel aber auch.

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Quelle: kra/dpa/wikipedia

| Aktualisierung: Dienstag, 2. Mai 2017 09:44 Uhr