Prämenstruelle Dysphorie: Extreme Form von PMS

Prämenstruelle Dysphorie: Extreme Form von PMS

Depressiv, aggressiv, aufgebläht und extrem müde vor der Periode? Dann kann PMDD dahinter stecken. Viele Frauen betrifft diese schwerwiegende Form des prämenstruellen Syndroms nicht. Wer sie hat, leidet dafür umso mehr.

Traurig guckende Frau

© dpa

Ausnahmezustand vor der Regel: Ob eine Frau unter PMMD leidet, hat viel mit Veranlagung zu tun.

PMDD ist die Abkürzung für "Premenstrual Dysphoric Disorder", auf deutsch: Prämenstruelle Dysphorie oder Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS). Dabei handelt es sich um eine Form des Prämenstruellen Syndroms (PMS), die je nach Schätzung zwischen zwei und fünf Prozent aller menstruierenden Frauen betrifft. Der Leidensdruck ist enorm. Während PMS nur wenige Tage vor dem Eintritt der Periode auftritt, halten die Symptome von PMDD bis zu zwei Wochen an - und fallen zum Teil extrem aus. Das Wichtigste zu Ursachen, Symptomen und Behandlung von PMDD.

Hormonschwankungen als Ursache von PMDD

Frauen, die unter PMDD leiden, reagieren besonders sensibel auf hormonelle Schwankungen. Die Symptome treten immer in der lutealen Phase des Zyklus auf - also zwischen Eisprung und Einsetzen der Monatsblutung. In dieser Phase ist die Konzentration der Hormone Östrogen und Progesteron besonders hoch. Für das zyklisch auftretenden Leiden gibt es also eine biologische Ursache. Es tritt vom ersten Einsetzen der Periode bis zur Menopause auf. Begünstigt wird die Anfälligkeit für PMDD durch genetische Faktoren und Umweltfaktoren. Äußere Einflüsse wie Stress können die Symptome verschlimmern.

Prämenstruelle Dysphorie: Symptome

PMDD hat Einfluss auf das Gefühlsleben und Verhalten der Betroffenen, aber auch körperliche Symptome treten auf. Damit die Diagnose gestellt werden kann, müssen - zumindest laut DSM-5 - in der Woche vor dem Einsetzen der Periode mindestens fünf von elf Symptome vorliegen und kurz danach wieder verschwinden. Dabei muss mindestens eines der Symptome 1 bis 4 vorliegen. Das DSM ist ein Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen, der in den USA als Klassifikationssystem herangezogen wird.

Symptome laut DSM-5

  1. Starke Stimmungsschwankungen
  2. Reizbarkeit oder Wut
  3. Depressivität und Hoffnungslosigkeit
  4. Ängstlichkeit und Anspannung
  5. Fehlendes Interesse an üblichen Aktivitäten
  6. Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren
  7. Lethargie und Energielosigkeit
  8. Appetitveränderungen
  9. Schlafstörungen
  10. Gefühl von Überforderung oder Kontrollverlust
  11. Körperliche Symptome (z.B. schmerzempfindliche oder geschwollene Brüste, Gewichtszunahme, Aufgeblähtheit, Gelenk- oder Muskelschmerzen)
Die genannten Symptome müssen bei den meisten Zyklen der letzten zwölf Monate aufgetreten sein. Andere Definitionen beziehen sich nur auf die zyklische Natur der Symptome und den Fakt, dass diese nach der Menstruation und vor dem Eisprung fehlen. Relevant für die Diagnose ist bei allen Klassifikationssystemen, dass die Symptome der prädmenstruellen Dysphorie den Alltag merklich einschränken müssen.

Behandlung von PMDD

PMDD zählt zu den depressiven Störungen und kann entsprechend mit Antidepressiva behandelt werden, die den Serotoninspiegel im Gehirn regulieren. Selektive Serotoninaufnahmehemmer (SSRI) sind hier das Mittel der Wahl. Anders als bei anderen depressiven Störungen werden die Medikamente jedoch nicht dauerhaft eingenommen, sondern nur, wenn Symptome auftreten. Eine andere medikamentöse Behandlungsmöglichkeit ist die Unterdrückung des Eisprungs durch hormonelle Verhütungsmittel.
Wegen der möglichen Nebenwirkungen sollten die Einnahme der Medikamente und die Schwere der Symptome unbedingt gegeneinander abgewogen werden. Ein anderer Weg, PMDD zu behandeln, kann eine kognitive Verhaltenstherapie sein. Dort lernen Betroffene, die Symptome früh zu erkennen und mit den Folgen besser umzugehen. Letzter Schritt ist die Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter. Verschont bleiben Frauen während einer Schwangerschaft. Da währenddessen die Ovulation ausbleibt, sind Betroffene in dieser Zeit symptomfrei. Nach der Geburt setzt mit der Menstruation aber auch die prämenstruelle Dysphorie wieder ein.

Erkrankungen, die oft zusammen mit PMDD auftreten

Frauen mit PMDD haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Angststörungen, Depression, saisonale Depression und bipolare Störung kommen bei Frauen mit PMMD ebenfalls häufiger vor als im Bevölkerungsschnitt. Die Symptome sind zum Teil sehr ähnlich oder gleichen sich sogar. Ob nur PMDD oder auch eine weitere Erkrankung vorliegt, sollte immer abgeklärt werden. Um PMMD sicher zu diagnostizieren, werden Betroffene daher oft gebeten, ihre Symptome in einer Art Tagebuch zu dokumentieren. Gynäkologen sind hier die richtigen ersten Ansprechpartner. Auch Neurologen und Psychologen sind Spezialisten für die Behandlung.

Quelle: BerlinOnline

| Aktualisierung: Donnerstag, 19. September 2019 13:03 Uhr