U-Untersuchungen: Was sich ab September 2016 ändert

U-Untersuchungen: Was sich ab September 2016 ändert

Auch Babys und Kinder sollten regelmäßig zur Vorsorge. Bei den sogenannten U-Untersuchungen gibt es künftig einige Änderungen. Ein Überblick.

Neugeborener Junge

© dpa

Bei den Vorsorgeterminen für Kinder gibt es einige Neuerungen: Die bisher angebotenen U-Untersuchungen werden erweitert.

Bei den sogenannten U-Untersuchungen prüfen Kinder- und Jugendärzte die geistige und motorische Entwicklung der Kinder. Die bisher angebotenen Vorsorgeuntersuchungen werden nun erweitert. Am 1. September 2016 tritt die neu gefasste Kinder-Richtlinie in Kraft.

Umsetzung kann ein halbes Jahr dauern

Bis diese Änderungen aber auch in der Praxis angewendet werden, kann es bis zu einem halben Jahr dauern, erläutert Hermann Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). An der Zahl der vorgesehenen Untersuchungen ändert sich dabei nichts. Ein Überblick über die Neuerungen:

Gelbes Heft jetzt mit Teilnehmerkarte

Es enthält künftig eine Teilnehmerkarte über die U-Untersuchungen. «Jede Vorsorge wird bestätigt», sagt Kahl. Genaue Informationen über die Entwicklung des Kindes oder bisherige Erkrankungen seien aber nicht enthalten, so dass die Teilnehmerkarte zur Vorlage bei Behörden, Kindergärten oder Schulen genutzt werden kann. Bis zur U6 bekommen Eltern von ihrem Kinder- und Jugendarzt ein neues gelbes Heft, ab der U7 werden Seiten eingelegt, erklärt Kahl. Eltern müssen nun aber nicht extra zum Arzt, um das neue Heft abzuholen: «Sie können einfach den nächsten Termin abwarten», sagt Kahl.

Mukoviszidose-Screening für Neugeborene

Neugeborene werden künftig in einem Screening auf Mukoviszidose untersucht. Dabei produziert der Körper zähen Schleim, das beeinträchtigt unter anderem Atmung und Verdauung.

Augen werden genauer untersucht

«Von Anfang an werden die Augen genauer untersucht», sagt Kahl. So sollen bei den U-Untersuchungen Krankheiten wie grauer Star, eine Trübung der Augenlinse, oder auch ein Retinoblastom, ein bösartiger Tumor der Netzhaut, besser erkannt werden.

Entwicklung: Laufen und Sprechen auf dem Prüfstand

«Die Entwicklungsneurologischen Untersuchungen werden verbessert», sagt Kahl. Er gibt ein Beispiel: Kinder sollten spätestens mit 18 Monaten laufen. «Auf die, die in diesem Alter noch nicht laufen, müssen wir aufpassen.» Gleiches gelte für Kinder, die mit zwei Jahren weniger als zehn Worte sprechen können.

Verhalten der Eltern nun Teil der U-Untersuchung

Ärzte sollen künftig bei den U-Untersuchungen auch ein Auge auf die Interaktion zwischen Eltern und Kind haben. Wenn das Verhalten der Eltern nicht situations- oder altersgerecht, schroff oder distanziert erscheint, können Ärzte Gespräche und Hilfe anbieten, erläutert Kahl.

Ärzte bieten zusätzliche Beratungen an

Kinder- und Jugendärzte bieten künftig je nach Alter des Kindes Beratung zu verschiedenen Themen wie Stillen, Ernährung oder auch Impfen an.

Vorsorgeuntersuchungen für Kinder von U1 bis J2

Die erste U-Untersuchung (U1) erfolgt direkt nach der Geburt, die zweite (U2) zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag. Im ersten Lebensjahr stehen noch vier weitere Untersuchungen an, danach jedes Jahr eine weitere bis zum sechsten Lebensjahr. Die letzte (J1) ist zwischen dem 13. und dem 15. Lebensjahr vorgesehen. Die Kosten für diese Zusatzuntersuchungen werden von den meisten Kassen erstattet. Daneben gibt es die neueren Vorsorgeuntersuchungen U7a, U10, U11 und J2, bei denen die Kosten nicht von jeder Kasse übernommen werden.

U-Untersuchungen sind keine Pflicht

Die U-Untersuchungen sind keine gesetzliche Pflicht. «Einige Bundesländer fordern Eltern jedoch dazu auf», sagt Kahl. Werden die nicht wahrgenommen, schreibt das zuständige Gesundheitsamt oder eine andere Behörde die Eltern an. «Das kann Kontrollen zu Hause nach sich ziehen.»

U-Untersuchungen dienen der Vorsorge

Selbst gegenüber Medizinern skeptische Eltern lassen ihre Kinder im Rahmen der U-Untersuchungen durchchecken, da sie der reinen Vorsorge dienen, sagt Kahl. «Sie kommen, um sicherzugehen, dass sich ihr Kind so entwickelt, wie es soll.»

Quelle: dpa/Berlin.de

| Aktualisierung: Mittwoch, 31. August 2016 14:16 Uhr