Radioaktivität: Warum sie für Menschen so gefährlich ist

Radioaktivität: Warum sie für Menschen so gefährlich ist

Nach den Atom-Unfällen in Japan droht für Deutschland bislang keine Gefahr. Was man dennoch wissen sollte.

Radioaktivität

© dpa

Zeichen für Radioaktivität

Japan ist tausende Kilometer von Deutschland entfernt und bislang besteht hierzulande keine unmittelbare Gefahr durch beispielsweise radioaktiven Fallout. Durch die Explosion in dem japanischen Atomkraftwerk werden aber bereits radioaktive Substanzen freigesetzt, die für den Menschen gefährlich sind.

Radioaktivität zerstört Körperzellen und verändert das Erbgut

Radioaktive Strahlen sind von einer gewissen Stärke an gesundheitsschädlich, bei hohen Dosen führen sie zwangsläufig zum Tod. Denn Radioaktivität kann Körperzellen zerstören. Bereits niedrig dosierte Strahlen können das Erbgut verändern und damit langfristig Krebs auslösen. Besonders Leukämie, Schilddrüsen-, Lungen- und Brustkrebs sind mögliche Spätfolgen.

Was ist die Strahlenkrankheit?

Die Auswirkungen einer Bestrahlung von großen Teilen oder des ganzen Körpers wird als Strahlenkrankheit bezeichnet. Die Intensität der Bestrahlung wird in der Regel in Gray (Gy) gemessen, wobei die Einheit Gray das Maß der vom Gewebe absorbierten Strahlungsdosis angibt.

Wie viel Radioaktivität ist zu viel?

Ab der kritischen Dosis von einem Gy reagiert der Körper relativ schnell etwa mit Übelkeit, Fieber und Durchfall. Das Knochenmark wird angegriffen, es kann zu Blutungen und Infektionen kommen. Eine Belastung von mehr als fünf Gy greift außerdem den Verdauungstrakt an, bei optimaler Behandlung kann der Betroffene sich aber unter Umständen erholen. Bei einer Ganzkörperbestrahlung mit mehr als sechs Gray sind die Überlebenschancen selbst bei optimaler Behandlung gering. Fast keine Überlebenschancen gibt es bei mehr als 15 Gy.

Durch den Atomunfall wurden radioaktives Cäsium 137 und Jod 131 freigesetzt.

Was ist radioaktives Cäsium 137?

Natürliches Cäsium 133 ist ein goldglänzendes, sehr weiches Metall und kommt in winzigen Spuren in den Gesteinen der Erdkruste vor. Sein radioaktiver Verwandter, das gefährliche Cäsium 137, entsteht bei der Kernspaltung und kann über die Abluft oder das Abwasser aus Atomanlagen in die Umwelt gelangen.
Es wird direkt oder über die Wurzeln von den grünen Teilen der Pflanzen aufgenommen. Über diesen Umweg kommt es auch in Milch, Fleisch und Fisch. Pilze waren nach der Katastrophe von Tschernobyl besonders belastet. Hohe Konzentrationen von Cäsium 137 können Muskelgewebe und Nieren des Menschen schädigen. Es verteilt sich gleichmäßig im Körper, so dass seine Strahlung den ganzen Organismus trifft. Cäsium 137 zerfällt mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren - das ist die Zeitspanne, die vergeht, bis die Hälfte der Radioaktivität abgebaut ist.

Was ist radioaktives Jod 131?

Natürliches Jod ist sehr wichtig für den menschlichen Organismus. Vor allem Meerestiere und Fische enthalten viel Jod. Die Schilddrüse ist das Organ, das das natürliche Jod verarbeitet.
Bei der Kernspaltung im Atomreaktor oder bei der Kernwaffenexplosion entsteht das radioaktive Jod-Isotop 131. Dieser Stoff reichert sich, wenn er in die Umwelt gelangt und vom Menschen aufgenommen wird, in der Schilddrüse an. Es handelt sich um eine sehr flüchtige Substanz, die rasch über weite Entfernungen in der Luft transportiert werden kann. So war in den ersten Wochen nach Tschernobyl Jod 131 die Hauptbelastungsquelle von Lebensmitteln. Es wird hauptsächlich mit Frischmilch aufgenommen.

Was tun, wenn eine radioaktive Wolke kommt?

- Werden radioaktive Substanzen durch Wind und Wetter über weite Strecken transportiert, sollten sich die Menschen möglichst in geschlossenen Räumen, am besten mit massivem Mauerwerk, aufhalten.
- Kinder sollten auf keinen Fall draußen spielen.
- Es ist wichtig, sich nach jedem Aufenthalt im Freien gründlich zu waschen und die Kleidung zu wechseln.
- Auf Lebensmittel wie Gartenfrüchte, die verseucht sein könnten, sollte man verzichten.

Was tun, wenn radioaktive Verseuchung droht?

- Generell raten Experten dazu, ein verseuchtes Gebiet möglichst schnell zu verlassen.
- Bewohner sollten Atemmasken oder andere Filtermasken tragen, um die Aufnahme von Radioaktivität durch den Körper zu verhindern.
- Schutzkleidung kann helfen, wie etwa wasserdichte Regenkleidung. Sie kann die Strahlen zwar nicht abhalten - das könnte nur ein spezielles Material mit Blei - aber sie verhindert, dass sich verseuchte Partikel auf der Haut absetzen.
- Rechtzeitig eingenommene Kaliumiodid-Tabletten (Jodtabletten) verhindern, dass sich über die Atmung eingenommenes radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert.

Mehr Informationen von den Behörden:

Quelle: kra/dpa

| Aktualisierung: Freitag, 20. Juli 2012 14:54 Uhr

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