Massenpanik: Warum der Mensch zum Tier wird

Massenpanik: Warum der Mensch zum Tier wird

Die schrecklichen Ereignisse bei der Loveparade in Duisburg zeigen, wie weit Menschen gehen können, wenn sie um ihr Überleben kämpfen.

  • Duisburg Loveparade© dpa
    Tausende Raver drängten in und vor dem Tunnel in Duisburg zum Gelände der Loveparade.
  • Duisburg Loveparade© dpa
    Schon am Bahnhof, wo Tausende Raver mit dem Zug ankamen, drängten sich die Menschen.
  • Duisburg: Massenpanik bei der Loveparade© dpa
    Als die Massenpanik ausbrach, versuchten viele Menschen der Enge in dem Tunnel seitwärts zu entkommen.
  • Massenpanik in Duisburg© Youtube Screenshot/Berlinonline
    Screenshot aus einem Youtube-Video, das während der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg (24.07.2010) gedreht wurde.
  • Massenpanik in Duisburg© Youtube Screenshot/ Berlinonline
    Screenshot aus einem Youtube-Video, das während der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg (24.07.2010) gedreht wurde.
  • Verletzter nach der Loveparade in Duisburg© dpa
    Sanitäter im Einsatz: Ein Verletzter nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg hält seinen Tropf.(24.07.2010).
  • Loveparade: Tote bei Massenpanik
    Sanitäter begleiten eine Verletzte aus dem Tunnel.
  • Duisburg Opfer nach Loveparade© dpa
    Mit Tüchern bedeckte Tote liegen nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg vor dem Tunnel.
  • Duisburg: Trauer nach der Loveparade© dpa
    Menschen stellen am Unglücksort in Duisburg Kerzen für die Opfer auf.
  • Duisburg: Trauer nach Unglück bei Loveparade© dpa
    Ein Kreuz mit einer Gedenktafel aus Eis taut in Duisburg an der Unglücksstelle der Loveparade auf.
  • Duisburg: Trauer nach Unglück bei Loveparade© dpa
    Kerzen, Rosen und ein Schild für die Opfer stehen im Tunnel auf dem Gelände der Loveparade.
  • Twitter.com zur Loveparade in Duisburg© Screenshot Berlinonline
    Zahlreiche Augenzeugen berichten im Internet, was sie gesehen haben, z. B. bei Twitter.com.
Tausende von Menschen, dicht gedrängt in einem Tunnel. Von beiden Seiten drängen weitere Menschen dazu, es gibt kein Vor und kein Zurück mehr. Seitlich ausweichen geht nicht, erste Panikreaktionen werden laut, Schreie, Atemnot.

Ausgelöst von einzelnen Menschen, die in der Menge plötzlich Angstgefühle haben oder Panikattacken erleben, breitet sich einen Massenpanik aus.

Überleben wird wichtiger als Rücksicht

Wer in dem aggressiven Gedränge zu Boden fällt, kommt womöglich nicht mehr hoch und wird von den anderen tot getrampelt. So geschehen am 24. Juli 2010 in Duisburg, wo Hunderttausende vom und zum Veranstaltungsort einer Loveparade drängten.

"Bei einer Massenpanik reagiert der Organismus reagiert völlig unkontrolliert", sagt der Psychologe Steffen Fliegel. Bei Massenpaniken schaltet sich die soziale Kompetenz des Menschen ab - "aus Angst ist das eigene Überleben wichtiger, als die Rücksicht auf andere."

Kettenreaktion, Herdenverhalten

Die schnellen Fluchtbewegungen der panischen Menschen lösen dann in der Enge und der Menge ein Herdenverhalten aus. «Es entsteht eine lawinenartige Kettenreaktion», sagte Fliegel.

In solch einer Massenbewegung sei die «Ratio», also das verantwortliche Denken, außer Kraft gesetzt. «Es gibt kein Überlegen mehr, was in dem Moment sinnvoll oder besser wäre», sagte der Experte von der Gesellschaft für klinische Psychologie und Beratung in Münster.

Danach: Reden, Reden, Reden

Mit Blick auf das Verarbeiten des Erlebten riet Fliegel: «Da hilft nur: Reden, Reden, Reden und das eigene soziale Netz nutzen.» Der Psychologe empfahl Betroffenen, die traumatischen Erlebnisse in dem engen Tunnel des Loveparade-Geländes möglichst nicht zu verdrängen, sondern sich den schlimmen Erinnerungen zu stellen. «Sonst geraten sie womöglich in einen Teufelskreis, vermeiden künftig andere enge Situationen wie voll besetzte Züge oder Kaufhäuser.»

Hielten Alpträume oder Panikzustände länger als zwei, drei Monate an, sollte therapeutische Hilfe erwogen werden.

Quelle: kra/BerlinOnline/dpa

| Aktualisierung: Montag, 13. September 2010 11:53 Uhr

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