Gehirntraining bringt nichts, schlafen schon

Gehirntraining bringt nichts, schlafen schon

Es ist ein Millionengeschäft, doch das vielgepriesene Gehirnjogging bringt nichts. Ein Nickerchen ist da viel effektiver.

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Es gibt Magazine dafür, Spiele und teure Technik-Gadgets: Gehirnjogging ist in und verspricht, die alternden grauen Zellen bis zum letzten Tag in Schwung zu halten.

Nun haben britische Wissenschaftler herausgefunden, dass die Rätsel-, Rechen- und Nachdenkspielchen gar schlauer machen. Zwar kann man Erfolge beim Gehirntraining verzeichnen, aber sie lassen sich nicht auf Bereiche und Aufgaben übertragen, für die nicht trainiert wurde.

BBC-Studie mit über 11.000 Teilnehmern

Das geht aus einer gemeinsamen Studie des Medical Research Councils der Universität Cambridge und des Senders BBC hervor, die im Fachmagazin «Nature» veröffentlicht wurde. (Fachartikelnummer: DOI 10.1038/nature09042)

An der britischen Online-Studie nahmen rund 11.500 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 60 Jahren teil. Sie mussten sechs Wochen lang Übungen am Computer auf der Wissenschaftsseite der BBC machen. Dabei trainierten sie unter anderem logisches Denken, ihr Gedächtnis, räumliches Sehvermögen und ihre Konzentrationsfähigkeit.

Erfolge nur bei denselben Aufgaben

Die Gehirnfunktion wurde vor und nach dem Training bewertet. Es kam heraus, dass sich die Erfolge bei dem Gehirntraining nicht auf andere mentale Bereiche übertragen ließen.

Die Testpersonen konnten zwar ihre Leistung bei den speziellen Spielen verbessern. Aber das lag vor allem an der Übung - in Aufgaben, die sie nicht trainierten hatten, wurden sie nicht besser. Das galt auch für Spiele, die dem ursprünglichen ähnlich waren.
Adrian Owen, vom Medical Research Council for Cognition and Brain Sciences in Cambridge und Co-Autor der Studie, sagte: «Gehirntraining und das Streben, die Gehirnfunktion mit Computertests zu verbessern, ist eine Multimillionen-Industrie. Aber bisher gibt es keine stabilen Beweise, dass es wirklich funktioniert.»

Bei Kindern verbessert Mittagsschlaf die Lernleistung

Der deutsche Psychologe Jan Born rät dagegen, Schlaf gezielt zur Gedächtnisförderung zu nutzen. Der Lübecker Psychologe und diesjährige Leibniz-Preisträger Born plädiert für eine viel preiswertere Art der Hirnleistungssteigerung: Kindertagesstätten sollten Schlaf gezielt einsetzen, um das Gedächtnis von Kindern zu verbessern, schlägt Born aufgrund seiner Studien zum Tiefschlaf vor.
«Wenn die Kinder nach dem Lernen regelmäßig Mittagsschlaf halten, wird sich dadurch ihre Lernleistung längerfristig deutlich verbessern», sagte der diesjährige Leibniz- Preisträger in einem Interview mit dem Magazin «Zeit Wissen» (April/Mai 2010).

Born erforscht an der Universität Lübeck den Zusammenhang zwischen Schlaf und Gedächtnis und zeigte, dass durch intensive Tiefschlafphasen Gedächtnisinhalte besser in den Langzeitspeicher des Gehirns übertragen werden.

Quelle: kra/dpa

| Aktualisierung: Montag, 13. September 2010 11:43 Uhr

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