Medikamenten-Mix macht Patienten krank

Medikamenten-Mix macht Patienten krank

Manche Menschen werden erst durch die vielen verschriebenen Medikamente krank. Andere sterben sogar, weil Tabletten verwechselt wurden.

Tabletten

© dpa

Patienten sollten Ärzte immer deutlich- und wenn nötig auch wiederholt- darüber informieren, welche Medikamnete sie bereits einnehmen.

Wenn Ärzte nicht gut zusammenarbeiten, droht Patienten mit mehreren Erkrankungen Gefahr von Medikamenten-Wechselwirkungen. Manche, vor allem ältere Patienten, erhielten bis zu 20 Wirkstoffe gleichzeitig, so der Mediziner Prof. Jürgen Schölmerich. Oft würden sie von mehreren Ärzten gegen verschiedene Krankheiten verschrieben. Wie die Medikamente miteinander wirken und im Körper abgebaut werden, «das kann kein Arzt mehr alles auswendig wissen».

Viele Ältere krank durch Medikamenten-Wechselwirkungen

Dazu verwies der Experte auf eine neue Studie von der Notaufnahme der Universitätsklinik Toulouse in Frankreich. Danach war bei gut acht Prozent der Patienten über 65 Jahren der Medikamenten-Mix die Ursache für die Beschwerden.
Der Mediziner Prof. Gerhard Walter Sybrecht macht zudem auf eine europäische Studie aufmerksam, wonach auch Verwechslungen von Medikamenten für Patienten gefährlich werden kann. Laut der Studie kommt es auf Intensivstationen pro 100 Patiententagen zu 75 solcher «Ereignisse». Knapp ein Prozent der untersuchten Patienten erlitt einen bleibenden Schaden oder starb als Folge eines Medikationsirrtums.

Informationsaustausch zwischen Ärzten muss verbessert werden

Schölmerich mahnte einen intensiven Informationsaustausch zwischen Internisten, Pharmakologen und Ärzten anderer Fachrichtungen an, um unerwünschte oder sogar tödliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Die behandelnden Ärzte sollen ein- bis zwei Mal pro Woche bei jedem Patienten die Liste ihrer Arzneimittel durchgehen und prüfen, ob sie sich miteinander vertragen und überhaupt noch alle nötig sind. Außerdem gebe es inzwischen Computerprogramme, die über mögliche Wechselwirkungen informierten.
Inzwischen liegt eine Empfehlung der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) für die einheitliche Gestaltung von Spritzenetiketten vor, die Verwechslungen vorbeugen kann. Demnach sollen Medikamente bestimmter Wirkungsgruppen wie Hypnotika bestimmte Kennfarben erhalten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 20. Juli 2012 14:55 Uhr