Tampon: 60 Jahre Wattepfropfen

Tampon: 60 Jahre Wattepfropfen

Erfunden haben ihn die Amerikaner, perfektioniert die Deutschen: Der Tampon löst hierzulande seit 60 Jahren ein uraltes Problem.

Tampon

© dpa

Im März 1950 wurden auch in Deutschland die ersten Tampons verkauft.

Als der US-amerikanische Arzt Earle Cleveland Haas 1931 das Patent für den ersten Tampon beantragte, war der längliche Pfropf aus gepresster Watte die lang ersehnte Lösung für ein Jahrtausende altes Problem. Bis dahin hatten Frauen im gebärfähigen Alter mit vielem experimentiert: Schafswolle, Blätter, Gräser oder Stoffreste sollten das Blut der monatlichen Regelblutung aufsaugen, damit es die Kleidung nicht mit kaum wieder zu entfernenden Flecken ruiniert.

1950 kam der Wattepfropfen auch auf den deutschen Markt

Bis der praktische Wattepfropfen auch nach Deutschland kam, dauerte es noch einmal fast 20 Jahre: Vor 60 Jahren, im März 1950, wurden dann auch endlich in Deutschland die ersten Tampons verkauft. Die Zehner-Packung gab es damals für 95 Pfennige.

Für den deutschen Markt mitentwickelt hat ihn die heute 88-jährige Frauenärztin Judith Esser Mittag. Damals arbeitete sie als Gynäkologin in einer Wuppertaler Klinik. «Mein Chef kam auf mich zu und sagte, da sind zwei Herren, die wollen den Tampon auf den deutschen Markt bringen. Aber sie haben noch viele Fragen: Wie groß? Wie dick? Wie lang? Wie viel muss er saugen können?»

Idee aus einer amerikanischen Zeitung abgeguckt

Die «zwei Herren» waren der Ingenieur Carl Hahn und der Jurist Heinz Mittag. Bei einem Spaziergang an der Düsseldorfer Rheinpromenade hatten sie eine amerikanische Illustrierte gefunden - und darin eine Werbeanzeige für Tampons. Spontan beschlossen sie, mit den Tampon nach Deutschland zu bringen. «Aber die Beiden hatten natürlich erstmal wenig Ahnung», erzählt Esser Mittag. «Das war für die ein Blindflug.»

Die damals 28-Jährige hingegen war nicht nur Frauenärztin, sondern auch Leistungsschwimmerin. Sie hatte genaue Vorstellungen davon, wie der Tampon aussehen sollte. «Mein Trainer hatte überhaupt kein Verständnis dafür, wenn ich während meiner Menstruation ausgesetzt habe. Also hat mir eine Kollegin gezeigt, wie man Watte rollt.»
Arbeiten am Laptop
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Erste deutsche Tampon-Fabrik entstand in in Wuppertal

Ein Wuppertaler Ingenieur mit Erfahrung in der Zigarettenproduktion half bei der Entwicklung mit. «Denn da wird auch gewickelt, es gibt also gewisse Parallelen, auch wenn die Watte widerspenstiger ist», erklärt Esser Mittag. Der deutsche Tampon ist schließlich eine verbesserte Version des US-Patents. Wenig später entsteht in Wuppertal die erste deutsche Tampon-Fabrik. Die Marke heißt «o.b.» - Abkürzung für «ohne Binde».

Heute ist die Tampon-Fabrik in Wuppertal die größte der Welt: Mehr als zwei Milliarden Tampons pro Jahr werden, nach Angaben des deutschen Marktführers Johnson & Johnson, zu dem die Marke o.b. seit 1974 gehört, in Wuppertal hergestellt und in rund 30 Länder exportiert. Am Anfang aber sei der Verkauf «ausgesprochen zäh» gewesen, erinnert sich die Frauenärztin Esser Mittag.

Peinliche Momente in der Drogerie

«Das war ein dermaßen verschwiegenes Thema damals. Die Leute fanden einfach nicht die Worte.» Das habe in manchen Fällen dazu geführt, dass Frauen vor den Drogerie-Märkten warteten, bis keine anderen Menschen mehr darin waren, bevor sie hineingingen und nach Tampons fragten. «Ein erniedrigender Zustand.»

Esser Mittag ist froh, dass die Zeiten sich geändert haben. «Der Tampon hat die Frauen unabhängiger gemacht und sie in die Lage versetzt, jederzeit an die Öffentlichkeit zu treten. Dieses perfekte kleine Ding, das immer genau das tut, was es soll, war eine wichtige Voraussetzung dafür, das Frauen sich emanzipieren konnten.» Und auch für Männer kann das «kleine Ding» nützlich sein: Pfadfinder und Soldaten benutzen den Tampon zum Feuermachen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 13. September 2010 11:51 Uhr

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