Depressionen: Wie man sie erkennt und behandelt

Depressionen: Wie man sie erkennt und behandelt

Weder Erfolg noch Liebe bewahren vor Depressionen. Aber man kann sie heilen.

Mann

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Warum es ihnen schlecht geht, können von Depressionen Betroffene oft nicht mal selbst so genau sagen.

Schlapp, verweichlicht, willensschwach: Wer an einer Depression leidet - und das sind aktuell vier Millionen Menschen in Deutschland - muss nach wie vor damit rechnen, dass ihm Ablehnung, Unverständnis und auch Angst entgegen schlägt. Längst ist die Depression eine Volkskrankheit, doch eine, über die man lieber nicht spricht. Depressionen werden oft unterschätzt und irgendwo zwischen Schnupfen und Einbildung angesiedelt. In Wirklichkeit aber handelt es sich um eine lebensgefährliche Krankheit.

Hauptursache für Selbstmorde in Deutschland

Tatsächlich sind Depressionen die Hauptursache für Selbstmorde in Deutschland. Viele Menschen können ihre Symptome nicht einordnen. Dabei ist eine frühzeitige Intervention wichtig. Dann bringt die Kombination aus Psychotherapie und Medikamentengabe gute Heilungschancen.

Symptome: Depressionen überschatten alles andere

Eine Depression überschattet alle Gefühle: Häufig fühlen sich Betroffene antriebsschwach, traurig und verlieren ihre Interessen. Daneben treten Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sowie Schuldgefühle, ständiges Grübeln und Konzentrationsschwäche auf.

Depression: Ein grauer, farbloser Schleier

Jede Bewegung kostet unheimliche Überwindung, Körper und Herz sind taub, Emotionen gibt es nicht mehr– nur noch ein grauer, farbloser Schleier, der über jedem Tag liegt. Norbert Sobiejewski kennt diesen Zustand seit 50 Jahren. Im Alter von 13 Jahren fing es an, mit 16 ertränkte er den Schmerz mit Alkohol. Erst als er 40 war, diagnostizierte ein Arzt die Depression. Wie sich die Krankheit anfühlt, ist schwer zu erklären.

Auch körperliche Symptome können auftreten

Depression ist das Gefühl der absoluten Sinnlosigkeit und die Überzeugung, dass sich dieser Zustand niemals bessern wird. Gefühle, die das Leben lebenswert machen, sind wie betäubt. Deswegen interessieren sich Depressive auch kaum noch für etwas. Manche sind außerdem nervös, ängstlich und angespannt. Zusätzlich sind körperliche Schmerzen möglich- ohne physische Ursache. Bis zu 70 Prozent der Patienten mit Depression gehen nur wegen körperlicher Symptome zum Hausarzt, schätzt Prof. Ulrich Hegerl von der Universität Leipzig, Vorsitzender der Deutschen Depressionshilfe.

Symptome der Depression werden oft übersehen

Deswegen ist es wichtig, bei der Suche nach Hilfe mit dem Arzt auch über Gefühle zu reden und den Verdacht auf eine Depression anzusprechen. Sobiejewskis Arzt hat die Depression nicht sofort erkannt. Sie ist anfangs leicht zu übersehen. Wenn die Depression stark ist oder wenn sich Selbsttötungsgedanken aufdrängen, hilft erst nur eine stationäre Behandlung. Bei leichteren Formen der Depression sind Psychotherapie und eventuell Medikamente Mittel der Wahl.

Behandlung mit Psychopharmaka oder Psychotherapien

Depressionen werden in der Regel mit Medikamenten (Psychopharmaka) und Psychotherapien behandelt. Bei den Psychopharmaka handelt es sich um sogenannte Antidepressiva, die es in unterschiedlichen Stärken und mit verschiedenen Wirkmechanismen gibt. Die Auswahl der Behandlungsmethoden richtet sich nach dem Schweregrad der Depression, der Krankheitsgeschichte des Patienten und seiner Verträglichkeit von Medikamenten.

Behandlung: Antidepressiva und Therapie

Die Medikamente behandeln die körperliche Seite der Depression: Sie wirken auf Botenstoffe im Gehirn, die neben äußeren Umständen ebenfalls für Depressionen verantwortlich sind. Abhängig machten Antidepressiva nicht, betont Hegerl. Die Therapie behandelt die psychosoziale Seite der Krankheit. Sie hilft, Konflikte zu lösen, die Kommunikation mit anderen zu verbessern, Stress zu bewältigen. Der Patient lernt, mit der Depression umzugehen, den Beginn neuer Depressionsschübe zu erkennen und entsprechend entgegenzuwirken.

Depression: Hilfe gibt es auch für Angehörige

Droht keine akute Gefahr für den Patienten, ist die Behandlung ambulant möglich. «Prinzipiell wissen wir, dass es depressiven Menschen gut tut, eher in ihrem System mit Arbeit, Beziehung und Hobbys zu bleiben», sagt Nico Niedermeier, niedergelassener Psychotherapeut in München. Häufig wissen Angehörige nicht, wie sie mit dem Kranken umgehen sollen, verstehen die Depression nicht. Deswegen rät Niedermeier ihnen: «Holen Sie sich selbst Hilfe.» Im Internet oder in Selbsthilfegruppen können sich Angehörige austauschen, sich die eigene Last von der Seele reden.

Selbsthilfe für Depressive

Selbsthilfegruppen gibt es natürlich auch für die Betroffenen. Viele Menschen haben Angst vor dem Stigma einer psychischen Erkrankung. Umso wichtiger ist es, Menschen kennenzulernen, die das Problem kennen und verstehen. Norbert Sobiejewski hat selbst in Lüneburg zwei Selbsthilfegruppen gegründet. Der 64-Jährige weiß, wie es ist, mit der Krankheit zu leben. Eine Gesprächstherapie hat ihm geholfen, damit umzugehen. Doch noch immer hat er Suizidgedanken. Er sagt aber: «Heute kann ich mir Hilfe holen, wenn ich in ein Loch falle.» Und mit Hilfe von Therapeuten und anderen Betroffenen findet er aus dem Loch auch wieder heraus.
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Quelle: kra/dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 2. März 2021 08:24 Uhr

Depression: Ursachen, Symptome, Therapien