Grippeschutzimpfung: Mythen und Fakten

Grippeschutzimpfung: Mythen und Fakten

Nicht alle Aussagen, die zur Grippeschutzimpfung kursieren, sind auch wahr. Experten erklären, was stimmt - und was völlig an den Haaren herbeigezogen ist.

Grippeschutz kann sinnvoll sein

© dpa

Ob die Grippeschutzimpfung sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie sehr man Viren im Alltag ausgesetzt ist.

Wenn im Herbst die jährliche Grippeschutzimpfung ansteht, sollten ältere und chronisch kranke Menschen sie unbedingt wahrnehmen. Aber wie sieht es mit gesunden Erwachsenen und Kindern aus? Mythen und Fakten rund um die Impfung gegen Influenza im Überblick:

Alle Menschen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Das stimmt nicht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI)empfiehlt die Impfung vor allem Menschen mit besonderen Risiken - zum Beispiel im Alter ab 60 Jahren. Auch Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen, Bewohner von Pflegeheimen, Ärzte und Pflegekräfte gehören dazu.

Ältere Menschen brauchen die Grippeschutzimpfung

Das wird zumindest empfohlen. Da ihr Immunsystem häufig nicht mehr so stark ist, kann eine Grippeinfektion für ältere Menschen sehr gefährlich werden. Gleichzeitig ist die Immunantwort auf den Impfstoff bei Betroffenen nicht mehr so gut. Aus diesem Grund steht für Menschen ab 65 Jahren auch ein Impfstoff mit Wirkverstärker zur Verfügung.

Die Nebenwirkungen überwiegen den Nutzen

Die Impfung wird nicht jedem ausdrücklich empfohlen, weil der Körper von gesunden Kindern und Erwachsen in der Regel mit einer Grippeinfektion fertig wird. Das RKI betont aber auch: Gesunden Menschen unter 60 Jahren wird nicht von der Impfung abgeraten. Jeder entscheidet selbst, ob er sich schützen möchte oder nicht. Der Hausarzt Hans Michael Mühlenfeld aus Bremen empfiehlt, das eigene Risiko in den Blick zu nehmen: Wer jeden Tag zwei Mal mit der Tram oder mit dem Bus fährt, ist mehr Viren ausgesetzt, als jemand, der das Fahrrad nimmt. Außerdem kann man sich selbst fragen, wie anfällig man ist. Hat jemand öfter Infekte, kann eine Impfung sinnvoll sein. «Ich würde mich selbst im Zweifel immer für die Impfung entscheiden, da ihr Nutzen mögliche Nebenwirkungen überwiegt», sagt Mühlenfeld.

Alle Kita- und Schulkinder müssen geimpft werden

Die STIKO empfiehlt die Impfung nur chronisch kranken Kindern und eventuell deren Geschwistern. Hermann Josef Kahl, Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, findet das bedauerlich: «Wir würden es jedenfalls begrüßen, wenn alle geimpft würden.» Gerade da, wo viele Kinder zusammenkommen, haben Viren leichtes Spiel.

Der Impfstoff kann eine Grippe auslösen

Eigentlich nicht. In der Regel enthält der Impfstoff nur abgetötete Grippe-Erreger. Lediglich für Kinder gibt es einen Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird. Da dieser sich nicht als effektiver herausgestellt hat als der Totimpfstoff, wird er seit dieser Saison jedoch nicht mehr vorrangig empfohlen. Auch bei einem Totimpfstoff reagiert aber das Immunsystem - das ist ja Sinn der Sache. Daher kann die Einstichstelle vorübergehend etwas wehtun, rot werden oder anschwellen, wie das RKI erklärt. Es kann auch sein, dass man hinterher müde ist, Fieber bekommt, fröstelt oder schwitzt. Das geht aber normalerweise nach kurzer Zeit vorbei.

Die Grippeschutzimpfung macht krank

Natürlich kann es vorkommen, dass jemand in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung krank wird. Dafür muss aber nicht die Impfung an sich die Ursache sein. Hausarzt Mühlenfeld vermutet eher, dass sich die Menschen in seinem Wartezimmer bei Erkrankten anstecken, wenn sie zum Impfen kommen. Zudem lassen sich die meisten im Herbst impfen - wenn die ersten Erkältungserreger umgehen.

Wer geimpft ist, kann sich nicht erkälten

Das stimmt nicht. Auch wer gegen Grippe geimpft ist, kann sich noch erkälten. Denn die Grippe-Schutz-Impfung schützt - wie der Name sagt - vor Grippeviren. Wie gut die Impfung gegen Grippeviren schützt, hängt davon ab, welche Virusstämme kursieren. Zu 100 Prozent voraussagen lässt sich das nicht. Entsprechend ist der Impfstoff in manchen Jahren besser und in anderen weniger gut auf die kursierenden Virusstämme abgestimmt. In der Regel schützt er laut RKI vor gut der Hälfte der Influenza-Erkrankungen. Zudem verlaufen sie bei Geimpften, die es trotzdem trifft, milder - also mit weniger Komplikationen.

Der Impfschutz aus dem letzten Jahr reicht noch aus

Leider nein. Viren verändern sich. Die Entwickler der Impfstoffe versuchen, dem so gut es geht Rechnung zu tragen. Deshalb ist es sinnvoll, sich jedes Jahr mit dem aktuellen Impfstoff impfen zu lassen. Der Impfschutz lässt zudem mit der Zeit nach.

Die Impfung muss zu Beginn der Grippesaison erfolgen

Die Grippesaison geht zwar meist im Januar los. Der Körper braucht aber ungefähr zwei Wochen, bis er sich nach der Impfung richtig gegen die Viren gewappnet hat. Das RKI empfiehlt deshalb die Impfung im Oktober oder November. Man kann sich aber auch später noch impfen lassen.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 6. Oktober 2017 11:41 Uhr