Intimrasur: Was ist los zwischen den Beinen?

Intimrasur: Was ist los zwischen den Beinen?

Ob kleines Dreieck, schmaler Strich oder Herz als Intimrasur: Vor allem Jüngere zeigen sich auch im Intimbereich perfekt gestylt. Warum bloß?

Intimrasur Bikinirasur

© Antje Kraschinski/Berlinonline

Intimrasur-Werbung in einem Berliner Schaufenster

Das schamlose Sommerthema begann im Juni 2009: «Kate Winslet musste ein Schamhaar-Toupet tragen», stand vielerorts. Die Oscar-Preisträgerin hatte gestanden, was bei den Dreharbeiten der Nacktszenen des Films «Der Vorleser» geschehen war - er spielt im 1950er-Jahre-Deutschland und sollte authentisch sein.

«Nach jahrelangem Waxing wächst es nun mal, wie alle Mädels wissen, nicht genauso nach wie früher. Sie erstellten mir sogar ein Haarteil ­ weil sie befürchteten, dass mir nicht genug Haare wachsen würden», sagte die Schauspielerin. Dass Hollywood-Stars eigentlich ganz glatt sein wollen, war soweit nicht neu. In Amerika wird außerdem eh mehr rasiert.

Imtimrasur als erfundener Trend von Rasiererherstellern?

Doch ungefähr zur gleichen Zeit erreichte viele Redaktionen eine Pressemitteilung, nach der die Intimrasur 2009 auch in Deutschland «weiter auf dem Vormarsch» ist. Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) habe ergeben, dass sich von allen befragten Frauen knapp 50 Prozent die Bikini-Zone rasierten. «Ob kleines Dreieck, schmaler Strich, exakte Raute oder eine extravagante Form wie Herz, Pfeil, Zacken oder Blitz.» 28 Prozent davon bevorzugen es demnach sogar ganz glatt. Von den Männern stehen immerhin 31 Prozent genau darauf. Wichtig zu wissen: Auftraggeber der Studie war der wohl nicht ganz uninteressierte Rasiererhersteller Wilkinson.

Intimrasur populär wegen Pornos?

Was aber ist zwischen den Beinen wirklich los beziehungsweise weg? Wie groß ist der Einfluss der Porno-Portale im Internet? Oder die Werbung der Enthaarungsstudios und der Läden mit Laserapparaten? Und- man wagt es kaum zu fragen: Gilt Erwachsenen jetzt vorpubertäres Aussehen als sexy? Fragen, die nicht endgültig zu klären sind.

Intimrasur: Welche Frisuren gibt es?

Hollywood-Style = komplett nackt im Schritt
Brazilian Cut = ein schmaler Streifen bleibt
Bikini Cut = die Ränder vom Schamdreieck verschwinden

Intimrasur bei Männern beliebt

Längst gehen auch Männer gegen Genital-Gekräusel vor. Seit Fußballer wie David Beckham oder Cristiano Ronaldo offensichtlich ihre Brust rasieren, Achselhaare stutzen und werweißwas tun, machen das auch andere Kerle, die das früher vielleicht als Schwulen-Ding abgetan hätten. In den Männer-Duschen von Fitnessstudios zum Beispiel sieht man viele Komplettrasierte - mancher sagt: eitle «Delfine».

Starke Präsenz von Nacktheit in den Medien
Trend Intimrasur
© dpa

Das Modehaus Gucci warb mit dieser Anzeige bei den Mailänder Modeschauen für die Saison Herbst-Winter 2003/04. Die Intimrasur zeigt das G für Gucci.

Nach Angaben des Medizinpsychologen Prof. Dr. Elmar Brähler von der Universität Leipzig gibt es einen grundsätzlichen Trend im Schambereich: «Knapper werdende Badekleidung sowie die starke Präsenz von Nacktheit in den Medien tragen dazu bei, dass sich für diese Bereiche ästhetische Normen herausbilden.» Daher gebe es jetzt sogar rund um Vulva und Penis einen «Gestaltungsimperativ». Doch der Gegentrend komme bestimmt: «Über kurz oder lang wird wieder üppig wachsendes Haar als schick gelten.» Übrigens: Teile der Homo-Szene, die auch bei der Haarlosigkeit Vorreiter waren, sind bereits so weit.

Sozialer Druck zur Intimrasur

Der Leipziger Forscher Brähler kann indes mit unterschiedlichen Zahlen aufwarten. Im November 2009 hieß es in einer Untersuchung, 88 Prozent der Frauen und 67 Prozent der Männer rasierten sich die Intim-Zone. Dieses Ergebnis geistert seitdem durch die Medien - nicht immer mit der Angabe, dass lediglich 219 Studentinnen und 95 Studenten befragt wurden - Durchschnittsalter 23. Das macht deutlich, dass es gerade bei Jüngeren und in bestimmten Sozialgruppen einen Druck zur Haarlosigkeit gibt.

Vor allem Jüngere mögen Intimrasuren

Eine Umfrage hat Brähler im Mai und Juni 2010 machen lassen - repräsentativ mit 2512 Deutschen zwischen 14 und 94. Vor allem Jüngere bekennen sich zur Körperenthaarung: 66,7 Prozent der 14- bis 17-jährigen Frauen, um die 80 Prozent der 18- bis 30-jährigen. Bei den Männern zwischen 18 und 30 Jahren mag es demnach nur ein Drittel enthaart, bei den 14- bis 17-jährigen sind es knapp 20 Prozent. Bei den 31- bis 60-jährigen Frauen stutzen indes 67,3 Prozent regelmäßig Körperhaare, bei den Männern 20,2 (ohne Barthaare). Als Hauptgründe geben die Befragten das eigene Schönheitsideal und Hygiene an.

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 11. Dezember 2018 09:33 Uhr

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