Schönheit geht vor Alter

Schönheit geht vor Alter

Der Beautywahn erfasst nun auch die älteren Frauen. Allerdings gelten für sie andere Regeln.

Renate Lüdmann

© dpa

Renate Lüdmann steht in ihrem «Beauty Vierzig Plus»-Studio.

Auf den ersten Blick wirkt der kleine Schönheitssalon in Hamburg-Eimsbüttel wie jeder andere. Doch beim genauen Hinsehen fällt die reife Kundschaft auf.

Gleich hinter der großen Glasfront sitzt eine elegante Frau um die 80, ein Stuhl weiter hat ein grauhaariger Rentner Platz genommen. «Männer sind hier aber eher die Ausnahme», sagt Chefin Renate Lüdmann, während sie der dritten Kundin, einer 74-jährigen Dame reichlich Haarlack in die frischtoupierte Frisur sprüht.

Ältere Menschen müssen sich nicht verstecken

Mit ihrem Laden «Beauty 40 plus» spricht die Hamburgerin vor allem ein älteres Publikum an. «Da muss viel getan werden. Sie glauben gar nicht, wie verunsichert viele reifere Frauen sind.» Wichtig sei ihr, die natürliche Schönheit zu betonen. «Ich will meine Kundinnen nicht überschminken sondern ihre Vorzüge hervorheben.» So wird in dem Friseursalon neben Kosmetikbehandlung auf Wunsch auch eine Typ- und Kleiderberatung angeboten.
Die attraktive blonde Geschäftsführerin wirkt selbst wie ihre beste Kundin: «Ich bin 68 Jahre, und habe kein Problem damit», betont sie. «Viele in meiner Generation trauen sich ja gar nicht mehr ihr Alter zu verraten.» Dabei seien ältere Menschen heutzutage viel vitaler und aktiver als früher. Die Gesellschaft könne nur schwer nachvollziehen, «dass wir genauso viel Lust am Leben, an der Liebe oder an Schönheit haben».

«Silver-Ager» als neue Zielgruppe

Doch auch Industrie, Kultur und Medien haben die Zielgruppe der «Silver-Ager» bereits erkannt. Brigitte Woman bedient seit mehreren Jahren die Interessen älterer Frauen, Nivea und Dove brachten vor einiger Zeit ein Schönheits-Edition für reifere Menschen auf den Markt und im vergangenen Jahr rückte der Kinofilm «Wolke 9» das Tabuthema Sexualität im Alter in die Öffentlichkeit.

«Ja, es habe sich einiges getan», sagt Lüdmann. Das sei aber noch nicht ausreichend. Deshalb wolle sie dazu beitragen, dem Jugendwahn etwas entgegenzutreten.

Erfahrungen in New York und Los Angeles

Erfahrung im Schönheits-Business hat sie genug. Im Salon ihrer älteren Schwester, der bekannten Hamburger Friseurin Marlies Möller, startete sie in den 1960er Jahren ihre Karriere. «Marlies ist mein größtes Vorbild.» 1977 folgte ein eigener Laden in Winterhude. Später produzierte sie Styling-Konzepte für Frauenzeitschriften und lebte mehr als zehn Jahre in New York und Los Angeles.
Mit ihrem jetzigen Salon für Frauen jenseits der 40, den sie kurz vor ihrem 60. Geburtstag eröffnete, hat sich Lüdmann einen Traum erfüllt. Und an ihre Rente denkt die Mutter einer erwachsenen Tochter noch lange nicht: «Ich weiß nicht, wann ich aufhöre», sagt sie lachend. «Wahrscheinlich mache ich das, bis ich umfalle.»

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Frisurentrends Herbst/Winter 2009

  • A la Hollywood© dpa
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  • Strähnen erwünscht© dpa
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  • Luftig und locker fallen© dpa
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  • Welcher Schmuck passt zu mir?© Susan-Hauke/ www.pixelio.de
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  • 1. Tipp: Weniger ist oftmals mehr© Irina Fischer - Fotolia.com
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  • 2. Tipp: Vorsicht bei verschiedenen Edelmetallen© khamp/ www.pixelio.de
    2. Tipp: Vorsicht bei verschiedenen Edelmetallen

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 10. November 2009 16:19 Uhr