Private Krankenversicherung: Welche Vor- und Nachteile hat sie?

Private Krankenversicherung: Welche Vor- und Nachteile hat sie?

Privatpatienten werden in Arztpraxen häufig bevorzugt behandelt. Doch was bedeutet es eigentlich, privat versichert zu sein? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Gesetzlich oder privat versichert?

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Gesetzlich oder privat versichert?

Die Private Krankenversicherung (PKV) bangt um ihre Zukunft: SPD, Grüne und Linke halten sie für überholt und wollen sie durch eine Bürgerversicherung ersetzen, in die alle solidarisch einzahlen. Selbst in der Union gibt es Stimmen, die über einen Systemwechsel öffentlich nachdenken. Die FDP will mehr Wettbewerb und freien Zugang zur Privatkasse für alle.
Die Gesetzliche und die Private Krankenversicherung sind zwei völlig unterschiedliche Systeme, die seit Jahrzehnten nebeneinander her bestehen und wenig gemeinsam haben. Hier die wichtigsten Fakten:

Wieviele Privatversicherte gibt es?

Insgesamt haben in Deutschland knapp 9 Millionen Menschen eine private Krankenvollversicherung.

Wie wird man Mitglied in der Privaten Krankenversicherung?

Die PKV nimmt nicht jeden. Voraussetzung ist ein vergleichsweise hohes Einkommen von derzeit mindestens 52.200 Euro brutto im Jahr (nur Beamte sind von dieser Einkommensgrenze ausgenommen). Doch selbst Gutverdiener können nicht automatisch Privatversicherte werden: Wer zu viele Vorerkrankungen hat und damit als «schlechtes Risiko» gilt, kann entweder abgelehnt werden oder wird nur mit hohen Risikozuschlägen versichert.

Sind Familienangehörige in der PKV mitversichert?

Nein. Die Beiträge werden als eine Art Kopfpauschale individuell festgesetzt. Junge Gutverdiener werden oft mit niedrigen Prämien gelockt. Sie steigen mit zunehmendem Alter, häufig auch sprunghaft.

Werden Privatversicherte bevorzugt behandelt?

Grundsätzlich schon, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt. Privatpatienten werden in Arztpraxen nicht selten vorgezogen, weil die Mediziner bei ihnen höhere Honorare als bei Kassenpatienten abrechnen können. Kritiker sprechen von einer Zwei-Klassen-Medizin.

Was ist der Unterschied zur Gesetzlichen Krankenversicherung?

Die GKV versichert jeden, und zwar unabhängig von Gesundheitszustand und Einkommen. Insgesamt sind das etwa 70 Millionen Bürger, davon rund 20 Millionen kostenfrei mitversicherte Familienangehörige.

Wie sind die Beiträge in der GKV?

Die Beiträge bemessen sich am Einkommen. Bis zur Einkommensgrenze von jährlich 52.200 Euro müssen gesetzlich Versicherte 8,2 Prozent vom Brutto an die Krankenkassen abführen, der Arbeitgeber 7,3 Prozent. Ein niedriges Einkommen führt also zu einer niedrigen Prämie, ein höheres Einkommen zu einem höheren Beitrag. Der Beitragssatz ist politisch festgelegt und wird von allen Kassen einheitlich erhoben. Die Leistungen sind für alle GKV-Versicherten grundsätzlich gleich.

Was wird an der Privaten Krankenversicherung kritisiert?

Weil sie nur Beamte und gesunde Gutverdiener versichern, sehen sich die Privatkassen dem Vorwurf der «Rosinenpickerei» ausgesetzt: Leidtragende sei- so die Kritiker- die solidarisch finanzierte GKV. Mit der von SPD, Linken und Grünen angepeilten Bürgerversicherung soll der Abwanderung guter GKV-Beitragszahler ein Riegel vorgeschoben werden.

Welche Probleme gibt es sonst noch?

Wer einmal in die PKV übergewechselt ist, kommt nur schwer in die GKV zurück. Möglich ist dies nur, wenn man arbeitslos wird oder einen Job mit einem Einkommen unter der Pflichtversicherungsgrenze annimmt. Eine Rückkehr in eine gesetzliche Kasse ist grundsätzlich nur bis zum Alter von 55 Jahren möglich.
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Welche Folgen hätte eine Öffnung der PKV?

Weil die gesetzlichen Kassen auf Wettbewerbsgleichheit pochen, käme eine Öffnung einem Systembruch gleich: Die Privatkassen müssten auf die Risikoprüfung bei Neuzugängen verzichten. Die Folge ist absehbar: hohe pauschale Risikozuschläge, die viele nicht bezahlen können.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 12. September 2013 09:27 Uhr

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