Prozesskostenhilfe: So wird die Rechtsberatung bezahlbar

Prozesskostenhilfe: So wird die Rechtsberatung bezahlbar

Der Gang zu einem Anwalt wird künftig teurer. Wer rechtlichen Rat sucht, kann unter bestimmten Bedingungen Prozesskostenhilfe beantragen.

Justizia erhöht die Preise

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Gerichte, Anwälte, Notare, Gutachter bekommen künftig mehr Geld.

Wer die Hilfe eines Anwalts braucht, zahlt bald mehr. Der Bundesrat das etwas sperrig klingende Kostenrechtsmodernisierungsgesetz durchgewunken. Für die Anwälte sind die im vorgesehenen neuen Preise «eine längst überfällige Erhöhung», sagt Christina Hofmann von der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK). Sie verweist darauf, dass die letzte lineare Gebührenerhöhung fast 20 Jahre zurückliegt.

Gerichtsgebühren steigen um bis zu 18 Prozent

Parallel steigen die Gerichtsgebühren. «Mit Augenmaß» wie es beim Bundesjustizministerium heißt. Genaue Zahlen nennt das Haus nicht, Schätzungen zufolge könnte das Plus aber bei 18 Prozent liegen. Die Rechtsschutzversicherungen haben ihre Mehrausgaben schon einmal kalkuliert: 375 Millionen Euro pro Jahr.

Prozesskostenhilfe für Bedürftige

Wer knapp bei Kasse ist und trotzdem Justitias Dienste nutzen will, hat verschiedene Optionen. Zum einen sind erstinstanzliche Verfahren bei den zum Beispiel für Hartz IV zuständigen Sozialgerichten frei; ein Anwalt ist überflüssig. Zum anderen gibt es die gesetzlich geregelten Beratungs- und Prozesskostenhilfe. In beiden Fällen zahlt der Staat den juristischen Beistand. Voraussetzung ist, dass der Bürger nicht selbst für seine Anwaltskosten aufkommen kann, wie ein Sprecher des Frankfurter Amtsgerichts erläutert.

Beratungshilfe: Formulare git es bei Anwälten oder Gerichten

Formulare für die Beratungshilfe stehen im Internet oder sind bei Anwälten und Amtsgerichten erhältlich. Generell prüfen dem Gerichtssprecher zufolge Rechtspfleger anhand der Einkommensverhältnisse den Anspruch auf die Sozialleistung. Das Gericht gebe entweder selbst Tipps oder stelle einen Berechtigungsschein aus, mit dem der Rechtsuchende zum Anwalt geht. Der rechnet mit der Staatskasse ab. Von seinem Mandanten darf der Jurist einmalig 15 Euro verlangen.

Rechtsberatung auch bei Verbraucher- und Schuldnerberatern

Künftig dürfte es schwieriger werden, einen Schein zu bekommen- Rechtsuchende werden wohl öfter als bislang erst zu Verbraucher- und Schuldnerberatung oder Ämtern geschickt. Auf diese Weise wollten Bund und Länder die aufgrund der neuen Anwaltshonorare steigenden Ausgaben der Justiz bremsen, meint Rene Brosius-Linke, Referent im hessischen Justizministerium. Die Beratungsstellen dürfen genau wie Gewerkschaften und Mieterverbände Rechtsberatung machen.

Prozesskostenhilfe: Freibeträge werden angerechnet

Wenn Dinge gerichtlich zu klären sind, erhalten finanziell schlecht gestellte Verbraucher auf Antrag Prozesskostenhilfe (PKH). Sie wird nach einem komplizierten Schlüssel errechnet, bei dem verschiedene Freibeträge eine Rolle spielen. Für Hartz-IV-Empfänger etwa gilt ein Freibetrag von 110 Prozent des Regelsatzes. Derzeit entspricht das einem Betrag von 442 Euro. Darüber hinaus gibt es weitere Freibeträge, etwa für Kinder. Künftig werden auch die höhen Kosten von Schwerbehinderten und Alleinerziehenden berücksichtigt.

Prozesskostenhilfe kann in Raten zurückgezahlt werden

Bei der PKH kann der Rechtsuchende im Nachhinein zur Kasse gebeten werden. «Je nach dem zahlt er das Geld für Gericht und Anwalt in Raten zurück», erläutert Christina Hofmann. Der Gesamtbetrag kann über maximal vier Jahre abgestottert werden. Danach wird der Rest meist erlassen.

Prozesskostenhilfe: Erfolgsaussichten der Klage werden geprüft

An die PKH sind noch andere Bedingungen geknüpft: Geld fließt nur, wenn weder eine Rechtsschutzversicherung einspringt noch die Familie zur Unterstützung verpflichtet ist. Zusätzlich prüfen die Gerichte vorab die Erfolgsaussichten eines Prozesses. Gewinnen sie den Eindruck, die angestrebte Klage sei Unsinn, wird die PKH verweigert. Ein anderer Haken: Die PKH deckt nur die Ausgaben für das Gericht und den eigenen Anwalt. Nach einem verlorenen Prozess bleiben Rechtsuchende auf den Kosten für den Anwalt des Gegners sitzen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 18. Juli 2013 12:34 Uhr