Elterngeld sinkt durch neue Berechnungsmethode

Elterngeld sinkt durch neue Berechnungsmethode

Die Länder wollten, dass das Verfahren zur Berechnung des Elterngeldes nicht mehr so bürokratisch abläuft. Für die Eltern hat der Bürokratieabbau aber einen entscheidenden Nachteil.

Elterngeld

© dpa

Durch eine seit Anfang des Jahres gültige neue Berechnung des Elterngeldes erhalten viele Mütter oder Väter weniger Geld, als sie früher bekommen hätten.

Viele Väter und Mütter bekommen seit Anfang des Jahres wegen einer neuen Berechnungsmethode weniger Elterngeld als zuvor. Im ungünstigsten Fall liegen die Zahlungen für ein Kind, das in diesem Jahr geboren wurde, gut 40 Euro im Monat niedriger als für ein 2012 geborenes Kind, berichtet die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf Berechnungen des Berliner Steuerrechtsexperten Frank Hechtner.

Länder wollen weniger Bürokratie

Die neue Rechenmethode ist laut Bundesfamilienministerium Ergebnis einer Gesetzesinitiative der Bundesländer zur Entbürokratisierung des Elterngeldvollzugs. «Die Änderungen setzen den ausdrücklichen und einstimmigen Wunsch der Bundesländer nach Verwaltungsvereinfachungen um», sagte eine Sprecherin. Diesem Wunsch der Länder habe das Bundesfamilienministerium trotz Skepsis mit einer Gesetzesänderung entsprochen.

Weniger Geld durch neue Rechenmethode

Nach Berechnungen des Steuerexperten bekommt zum Beispiel eine verheiratete Mutter oder ein verheirateter Vater mit einem Einkommen von monatlich 4100 Euro brutto nach der neuen Methode gut 40 Euro weniger. Doch auch für Eltern, die nur die Hälfte verdienen, ist der Ausfall nicht unbeträchtlich: Bei einem Einkommen von 2000 Euro brutto falle das Elterngeld monatlich um 10,18 Euro niedriger aus als bei der bisher gültigen Kalkulation.

Online-Elterngeldrechner ist nicht aktuell

Hechtner verweist auch darauf, dass der Internet-Elterngeldrechner des Ministeriums die gesetzlichen Änderungen noch nicht berücksichtigt. So werde bei einem monatlichen Bruttolohn von 4200 Euro immer noch ein Elterngeld von 1770,29 Euro vorhergesagt. Tatsächlich bekämen die Eltern eines 2013 geborenen Kindes aber nur 1748,35 Euro.

Krankenkassenbeiträge werden nicht berücksichtigt

Seit der Gesetzesänderung werde unter anderem die Obergrenze für die Beiträge zur Krankenversicherung nicht berücksichtigt, erläuterte Hechtner. Damit würden Gutverdienern höhere Beitragszahlungen unterstellt, als sie real geleistet hätten. Dies drücke das Nettogehalt und sorge so für ein niedrigeres Elterngeld. Zum anderen erfasse die neue Berechnung zwischenzeitliche Steuersenkungen nicht.

Elterngeldrechner ist nicht verbindlich

Nach Aussage des Ministeriums stellt der Elterngeldrechner lediglich eine Planungshilfe dar, die Aufschluss über die etwaige Größenordnung des zu erwartenden Geldes geben soll. «Der Elterngeldrechner wird laufend aktualisiert, um so exakt wie möglich zu sein.» Das Ergebnis des Online-Rechners könne jedoch die amtliche Berechnung nicht ersetzen. «Eine verbindliche Berechnung der persönlichen Elterngeldansprüche kann nur über die zuständige Elterngeldstelle geklärt werden», sagte die Sprecherin.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 27. Februar 2013 09:33 Uhr