Indexfonds: Kriterien zur Wahl passender ETFs

Indexfonds: Kriterien zur Wahl passender ETFs

Börsengehandelte Indexfonds - kurz ETF - erfreuen sich bei Anlegern wachsender Beliebtheit. Was ist bei der Zusammenstellung eines ETF-Portfolios zu beachten?

Den Überblick bei EFTs behalten

© dpa

MSCI World, Euro Stoxx 600, Dax, S&P 500, Nikkei: Das Angebot an Börsenindizes ist mittlerweile groß. Für Anleger ist das gut und schlecht zugleich. Gut ist es, weil Indizes Grundlage sind für ein einfaches, transparentes und kostengünstiges Finanzprodukt: börsengehandelte Indexfonds. Schlecht ist es, weil auch das Angebot an ETF inzwischen fast zu groß geworden ist. Allein in Deutschland sind nach Angaben der Stiftung Warentest rund 1400 ETF an der Börse notiert. Wie soll sich ein Privatanleger da bloß zurechtfinden?

Anleger müssen sich mit der Thematik beschäftigen

ETFs können schon ab kleinen Sparraten von 25 Euro pro Monat bespart werden und bieten solide Renditen bei überschaubarem Risiko. Dennoch ist die Geldanlage in Indexfonds kein risikoloser Selbstläufer. Es gilt, ein auf die eigene Risikobereitschaft zugeschnittenes Portfolio zusammen zu stellen.

«Sie müssen sich selber die Frage stellen: Was will ich für einen ETF haben?», sagt Prof. Ingrid Grössl, Vorständin und Forschungsdirektorin des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Das setzt voraus, dass sich Anleger mit dem Index beschäftigen, den der ETF abbildet - und ein paar Fragen klären.

1. Kriterium: Zusammensetzung des Indexfonds

«Je breiter der Index ist, desto geringer ist das Risiko, dass einzelne Werte für größere Rückgänge sorgen können», erklärt Prof. Grössl. Daher seien ein Index und die entsprechenden ETFs mit 50 Werten riskanter als ein Index mit 500 Werten.

Große Aktienstreuung verringert das Risiko

Doch nicht nur die Zahl der Titel sollte groß sein. Der Index sollte auch mehrere Länder und Branchen umfassen. Hier wird der MSCI World oft als Maßstab genommen. Er umfasst Aktien von etwa 1600 Unternehmen aus mehreren Ländern. Noch breiter ist der MSCI All Country World, der auch Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern enthält.

Individuelles ETF-Portfolio breit aufstellen

«Ein ETF-Portfolio kann man im Prinzip aufbauen wie ein Haus», rät Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. «Das Fundament bilden die wirklich breiten, weltweit streuenden Fonds, und darauf aufbauend können Sie bis nach oben ins Dach immer spezieller werden.» So könnte die Basisanlage mit ETFs auf den MSCI World oder MSCI All Country World mit Schwellenländerindizes wie den MSCI Emerging Markets ergänzt werden. Als weitere Zugabe könnten noch einzelne Länder, Branchen oder auch Strategien wie Dividenden-ETF beigemischt werden.

2. Kriterium: Kosten des ETF

Grundsätzlich sind Indexfonds weit günstiger als gemanagte Produkte. Das liegt daran, dass Anleger direkt entscheiden und kaufen, ohne Gebühren an einen Fondsmanager bezahlen zu müssen. Dennoch kosten Indexfonds etwas.

ETF-Kosten können variieren

Die Kosten für Indexfonds werden üblicherweise in TER (Total Expense Ratio) angegeben. Dabei handelt es sich um einen jährlichen Prozentsatz, den der Indexfond Anleger kostet. «Auch hier gibt es durchaus Unterschiede», sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Die Spanne liegt bei 0,1 bis 0,5 Prozent. Das ist zwar nicht viel, macht über längere Zeiträume aber einen Unterschied.

Wertpapierdepot beim Handel mit ETFs notwendig

Zum Kauf eines ETF brauchen Anleger zudem ein Wertpapierdepot. Meist sind Online-Depots günstiger. IShares, Xtrackers oder Lyxor: Bei welchem Anbieter der ETF dann am Ende gekauft wird, ist aus Sicht von Kurz egal. «Für die großen Indizes gibt es mehrere Anbieter.»

3. Kriterium: Aufbau des Fonds

«Die meisten Indexfonds halten auch tatsächlich die Aktien, die in dem jeweiligen Index enthalten sind», erklärt Kurz. Dieses Prinzip nennen Experten physische Nachbildung. Eine andere Variante ist, die Wertentwicklung des Index über andere Finanzgeschäfte - sogenannte Derivate - nachzubilden. Das nennt sich synthetischen Nachbildung. Aus Sicht des Anlegerschützers sind solche Geschäfte fragwürdig.

Synthetische Indexfonds halten keine Aktien

Wichtig in jedem Fall: «Sie müssen sich mit ihrer Risikobereitschaft auseinandersetzen», rät Prof. Grössl. Wer in schlechten Zeiten an das Geld heran muss, muss auch Verluste dann realisieren. «Ihr Anlagehorizont sollte deshalb mindestens zehn Jahre betragen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 26. Juni 2019 13:56 Uhr