Online-Lernvideos auf YouTube: Mutmacher in der Krise?

Online-Lernvideos auf YouTube: Mutmacher in der Krise?

Xenia Schütz aus Biesdorf möchte ihren Schülern in der Corona-Krise Mut machen - und setzt dabei auf kleine Clips bei YouTube. Star ihres Kanals «Bärchen TV» auf der Videoplattform ist das Plüschtier «Bärchen».

  • Bärchen TV (1)© dpa
    Xenia Schütz, Lehrerin aus Berlin-Biesdorf, setzt dem Plüschtier Bärchen aus ihrem Youtube-Kanal "Bärchen TV" eine Maske auf.
  • Bärchen TV (2)© dpa
    Mit dem Smartphone nimmt Xenia Schütz, Lehrerin aus Biesdorf, ein Video für ihren Youtube-Kanal "Bärchen TV" auf.
  • Bärchen TV (3)© dpa
    Xenia Schütz, Lehrerin aus Berlin-Biesdorf, nimmt ein Video für ihren Youtube-Kanal "Bärchen TV" auf.
  • Bärchen und Schäfchen sitzem am Set© dpa
    Die zwei Plüschtiere Bärchen und Schäfchen des Youtube-Kanals "Bärchen TV" sitzen am Set.
Der Bär mit der blau-weiß gestreiften Hose hat immer eine gute Idee parat und erzählt den Kindern von den Dingen, die ihn jeden Tag beschäftigen. Es sind Ferien, aber verreisen geht nicht - «Bärchen» hat sich eine Insel gebaut, mit eigener Höhle und einem Boot. Oder er macht ein Tischtennisturnier. «Es geht darum, gut durch die Krise zu kommen», sagt Lehrerin Schütz, die ihre Schüler derzeit im Corona-Lockdown nur noch am Bildschirm sieht. Und das gehe am besten mit Lachen.

«Bärchen»-Videos erhalten Kontakt zwischen Kindern und Lehrerin

In Berlin sind die Schulen seit Mitte Dezember geschlossen. Xenia Schütz versucht trotzdem für ihre Erst- und Zweitklässler da zu sein. Und die «Bärchen»-Videos, die sie auf YouTube veröffentlicht, sind ein Mittel dazu. Sie unterrichtet an der Grundschule am Fuchsberg seit 20 Jahren Lebenskunde. Zu jedem der sehr kurzen Clips stellt sie eine Frage, die mit den Themen aus ihrem Fach zu tun haben. Die Schüler können ihre Antwort malen und ein Foto davon schicken oder sie als Sprachnachricht aufnehmen. Der Bär ist schon lange Teil von Xenia Schütz' Unterricht. Vor Corona konnten die Kinder ihn mit nach Hause nehmen. Nun gibt es «Bärchen» digital. Und das kommt sehr gut an - bei Kindern, Eltern und auch Kollegen, berichtet Schütz.

Lernen mit YouTube auch nach Corona?

YouTube-Videos als Lernformat: Könnte das auch für die Zeit nach Corona Schule machen? Geht es nach Kai Schmidt, heißt die Antwort ganz klar: Ja! Unter dem Namen «Lehrerschmidt» erklärt er seit 2015 Rechnen auf YouTube. Seine Videos wurden fast 100 Millionen Mal angeklickt - im ersten Corona-Lockdown 2020 verdoppelten sich die täglichen Aufrufe, sagt er. Auch bekam er viele Anfragen von Lehrern und Verbänden, in denen er nach Rat gefragt wurde. Der Pädagoge aus Uelzen in Niedersachsen mit einer nach eigenen Worten großen Anhängerschaft in Berlin sieht mehrere Vorteile in den Videos: Zum einen könnten sich die Schüler ihre Lehrer aussuchen, zum anderen seien die Videos anders als Nachhilfe-Unterricht kostenlos.

Kostenlose Angebote unterliegen keiner Qualitätsprüfung

Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sieht in den Videos eine gute Auflockerung für den Unterricht. Er gibt aber zu bedenken, dass kostenlose Angebote keiner Qualitätsprüfung unterliegen. Die mangelnde Prüfung der Inhalte ist auch für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der Hauptkritikpunkt. Ein großes Thema unter Lehrern seien die Clips aber trotzdem. Nach Angaben des VBE würden Lehrer gerne öfter digitale Medien benutzen. Das hätten eigene Umfragen gezeigt. Ein Pluspunkt werde in der besseren individuellen Förderung gesehen. Beckmann hofft, dass die Digitalisierung an den Schulen weiter vorangetrieben wird.
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© dpa

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: 12. Februar 2021