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Geschwister: Was ist der beste Altersabstand?

Die Kinder sollen zusammen spielen können. Andererseits: Zwei Kleinkinder auf einmal sind sehr anstrengend. Was ist also der beste Zeitpunkt für ein weiteres Kind?
Altersabstand bei Geschwistern
Ein Herz und eine Seele: Eine Garantie, dass das Verhältnis zwischen beiden Kindern so wird, haben Eltern nicht. © dpa

Zwei Wickelkinder, zwei Tragekinder, keine der beiden Töchter schlief durch, und beide verlangten nach Aufmerksamkeit: Henriette Thomas erinnert sich noch gut an die Anstrengungen nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Zwischen den Geburtstagen der Mädchen lagen 22 Monate, heute sind sie zwölf und zehn Jahre alt. «Ich würde es wieder so machen», sagt die Hebamme. «Denn ich war bei der ersten Geburt bereits 36 Jahre alt und wollte nicht so lange warten mit dem zweiten Kind.»

Altersabstand beträgt durchschnittlich drei bis vier Jahre

Wann ist der ideale Zeitpunkt für das zweite Kind? Diese Frage stellen sich wohl viele Eltern. Laut Statistischem Bundesamt betrug der Abstand im Jahr 2014 zwischen dem Nachwuchs durchschnittlich zwischen drei und vier Jahren. Zweitgeborene Kinder kamen im Schnitt 3,3 Jahre nach dem ersten Kind zur Welt. Bei dem dritten Kind war der Abstand noch größer: Er lag im Schnitt bei 3,9 Jahren nach der Geburt des zweiten Kindes. Bei 43,8 Prozent der zweiten Geburten und 35,6 Prozent der dritten Geburten jedoch lagen zum vorangegangenen Kind weniger als drei Jahre, so wie bei Henriette Thomas.

Nach der Geburt des zweiten Kindes Helfer suchen

«Ich rate den Familien beim zweiten Kind, besonders in den ersten sechs Wochen nach der Geburt, viele kleine Helferlein zu besorgen», sagt Thomas vom Deutschen Hebammenverband in Karlsruhe. Denn es gebe alle Hände voll zu tun, ob es nun darum geht, Essen zu kochen, zu waschen, das erste Kind zu betreuen oder andere Dinge.

Ein Jahr Mindestabstand zwischen den Schwangerschaften

Im Allgemeinen würden in der Fachliteratur etwa 12 bis 18 Monate Mindestabstand von der Geburt eines Kindes bis zum Beginn der nächsten Schwangerschaft empfohlen, sagt Stefan Skonietzki, Landesvorsitzender Berlin des Berufsverbandes der Frauenärzte. So habe der Körper der Frau genug Zeit, sich wieder zu erholen. «Der Beckenboden muss sich wieder kräftigen und insbesondere auch die Nährstoffspeicher für Kalzium, Vitamin D und Eisen müssen sich wieder aufbauen.»

Kürzere Abstände erhöhen das Risiko einer Frühgeburt

Laut Skonietzki gibt es Hinweise aus Studien, dass bei zu kurzem Abstand die Frühgeburtenrate erhöht und das Kindsgewicht verringert sein könne. Zu diesem Ergebnis kam etwa eine Untersuchung, die 67 Studien auswertete und 2006 im US-Journal «Journal of the American Medical Association» erschien. Die Autoren legten Eltern nahe, bei der Familienplanung ein Intervall zwischen 18 und 59 Monaten zwischen zwei Schwangerschaften anzustreben.

Altersabstand: Viele Eltern wollen schnell ein zweites Kind

Doch manche Eltern wollen schnell ein zweites Kind- sei es aus beruflichen Gründen, wegen des Alters der Mutter oder weil sie noch mehr Nachwuchs haben möchten. Dann empfiehlt Hebamme Thomas den Müttern, mindestens 6 bis 9 Monate zu warten zwischen Geburt und nächster Schwangerschaft. «Dann haben sich die Hormone in der Regel wieder umgestellt, und das Gewebe ist wieder fester. Nach einem Kaiserschnitt gilt als Faustregel, mindestens ein Jahr zu warten, denn es handelt sich schließlich um eine Operation.»

Optimaler Altersabstand aus psychologischer Sicht: Drei Jahre

Aus Sicht von Entwicklungspsychologen sind drei Jahre ein optimaler Abstand zwischen zwei Geschwistern. «Die enge Verbindung des ersten Kindes mit den Eltern, vor allem der Mutter, lässt in der Regel nach dem dritten Geburtstag nach. Oft tanzen die Kinder dann schon auf eigenen Hochzeiten, gehen beispielsweise in eine Kindertagesstätte und können ihre Bedürfnisse für kurze Zeit zurückstellen», sagt Prof. Hartmut Kasten, Geschwisterforscher von der Universität München, inzwischen im Ruhestand.

Kleiner Altersabstand hat unterschiedliche Folgen

Es gelte: Je enger der Abstand zwischen zwei Geschwistern, desto größer sei die Chance, dass sie ein Herz und eine Seele werden. Aber auch die Rivalität sei dann oft größer als bei Geschwistern, die vier Jahre und mehr Abstand zwischen sich hätten. «Es kann dann zu Hassimpulsen kommen, so dass man dem anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnt.» Das gelte vor allem bei gleichgeschlechtlichen Kindern.

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Quelle: dpa
Aktualisierung: 15. Januar 2016

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