«Fridays for Future» fordert Kohlekraftwerke abzuschalten

«Fridays for Future» fordert Kohlekraftwerke abzuschalten

Deutschlands «Fridays für Future»-Schüler lassen nicht locker. Sie wollen so lange auf die Straße statt in die Schule gehen, bis die Politik mehr für Klimarettung tut. Jetzt hat die Bewegung eine Agenda.

  • Forderungen von Fridays For Future vorgestellt© dpa
    Die Klima-Aktivisten Svenja Kannt (l-r), Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen bei einer Pressekonferenz im Sauriersaal des Museums für Naturkunde die konkreten Forderungen der deutschen Bewegung von Fridays For Future vor.
  • Forderungen von Fridays For Future vorgestellt© dpa
    Die Klima-Aktivisten Svenja Kannt (l-r), Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen zusammen mit Moderator Tom Patzelt und dem Generaldirektor des Naturkundemuseums, Johanes Vogel, bei einer Pressekonferenz im Sauriersaal des Museums für Naturkunde die konkreten Forderungen der deutschen Bewegung von Fridays For Future vor.
  • Forderungen von Fridays For Future vorgestellt© dpa
    Die Klima-Aktivisten Svenja Kannt (r-l), Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen zusammen mit Moderator Tom Patzelt und dem Generaldirektor des Naturkundemuseums, Johanes Vogel, bei einer Pressekonferenz im Sauriersaal des Museums für Naturkunde die konkreten Forderungen der deutschen Bewegung von Fridays For Future vor.
  • Forderungen von Fridays For Future vorgestellt© dpa
    Die Klima-Aktivisten Svenja Kannt (l-r), Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen.
Der Ort war bewusst gewählt: Im Berliner Naturkundemuseum künden riesige Skelette längst ausgestorbener Saurier davon, was Klimawandel und Umweltveränderungen anrichten können. Vor dieser Kulisse präsentierten Schüler der «Fridays for Future»-Bewegung für mehr Klimaschutz am Montag einen Katalog konkreter Forderungen an die Politik. Bevor hier nichts in Rollen kommt, so die Botschaft, gehe der «Schulstreik» mit bundesweiten Demonstrationen jeden Freitag weiter.

Bündnis fordert ein Viertel der Kohlekraftwerke noch in diesem Jahr abzuschalten

Das sei aufgrund der Überproduktion an «dreckigem Strom» hierzulande machbar. Zudem müsse der Kohleausstieg in Deutschland bis 2030 und nicht wie von der Kohlekommission vorgeschlagen erst 2038 realisiert werden. Der Ausstieg aus der Kohle als wichtige Quelle für das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) spiele eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz, sagte Sebastian Grieme, einer der Sprecher der Bewegung.

Auch eine CO2-Steuer auf klimaschädliche Treibhausgase unter den Forderungen

Er forderte zudem eine CO2-Steuer auf klimaschädliche Treibhausgase. «Der Preis für den Ausstoß muss schnell genauso hoch sein wie die Kosten, die der heutigen und zukünftigen Generationen entstehen», sagte Grieme und verwies auf Berechnungen des Umweltbundesamtes. Demnach verursacht die Emission einer Tonne CO2 Schäden von rund 180 Euro. Umgerechnet auf den Ausstoß Deutschlands 2016 entspreche dies Gesamtkosten von rund 164 Milliarden Euro, hatte das Amt Ende vergangenen Jahres mitgeteilt.

«Fridays for Future»: Seit Monaten gehen Schüler jeden Freitag auf die Straße

Sie fordern mehr Einsatz der Politik für den Klimaschutz. Auch Wissenschaftler schlossen sich dem Anliegen an. Ihren Ursprung haben die Aktionen in Schweden, wo die Schülerin Greta Thunberg als Erste regelmäßig vor dem Parlament demonstrierte. Inzwischen ist daraus eine globale Bewegung geworden. Thunberg sprach Ende März vor gut 20 000 Schülern bei einer «Fridays for Future»-Demonstration in Berlin.

Schüler wollen das nächste «Artensterben» verhindern

Bisher verwies das deutsche Schüler-Bündnis immer darauf, dass das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad, das im Klimaabkommen von Paris als wünschenswert beschlossen wurde, nicht gerissen werden dürfe. Andernfalls drohten unabsehbare Folgen für die Menschheit und - wie bei den Sauriern - das nächste «Artensterben».

Die formulierten Ziele sollen den Druck auf Politiker erhöhen

So müsse Deutschland bis 2035 seine Energieversorgung vollständig auf Erneuerbare umstellen, fordern die Schüler. Bis 2035 soll zudem beim Ausstoß von Treibhausgasen die «Nettonull» erreicht sein - das Land also nicht mehr CO2 produzieren, als etwa durch die Natur oder Speichersysteme kompensiert werden kann.

«Nur Dialog reicht uns nicht»

«Die vergangenen Monate haben gezeigt, wir haben gesellschaftlichen Einfluss», sagte Schülersprecher Linus Steinmetz. «Die Erwachsenen haben das größte Problem unserer und kommender Generationen verursacht und machen nun keine Anstalten, dieses Problem zu lösen.» Der Schülerstreik höre erst auf, wenn konkrete Taten der Politiker folgten. «Nur Dialog reicht uns nicht», betonte Grieme.

Experten halten Forderungen für umsetzbar

Nach Einschätzung von Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und Mitglied der «Scientists for Future», sind die Forderungen der Schüler «alle berechtigt» und umsetzbar. «Deutschland als eines der reichsten Länder muss seine Hausaufgaben machen und hat hier eine Vorbildfunktion.»
Greta Thunberg
© dpa

Fotos: «Fridays For Future» mit Greta Thunberg

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler nahmen am 29. März 2019 an der Klimademonstration «Fridays For Future» teil. Höhepunkt war eine Rede der Initiatorin Greta Thunberg vor dem Brandenburger Tor. mehr

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: 8. April 2019