Strom vom Dach

Strom vom Dach

Scheint die Sonne über Berlin, werden Photonen in den Photovoltaikanlagen auf Berliner Dächern und Flächen flugs in Elektronen umgewandelt. Das klappt auch, wenn ein Wölkchen oder mehr den Himmel trübt.

Solaranlage auf dem Dach

© dpa

Auf immer mehr Berliner Dächern werden mit dicken Bolzen Solarzellen angeschraubt. Die Photovoltaikanlagen machen aus Sonne Strom, der direkt vor Ort verbraucht oder ins Netz eingespeist wird. Klar, dass davon die Hersteller und Installationsfirmen profitieren. Große Vorteile von dem Strom vom Dach haben aber auch viele Mieter - und die Umwelt.

So wird aus Sonne Strom

Um zu verstehen, wie eine Photovoltaikanlage funktioniert, braucht man keinen Doktortitel. Das Prinzip ist einfach: Lichtenergie wird mittels Solarzellen in elektrische Energie umgewandelt. Treffen die Photonen aus dem Sonnenlicht auf die Solarzelle, werden in der Siliziumscheibe negativ geladene Elektronen freigesetzt. Gleichzeitig enthält das Solarpanel Bor oder Phosphor, die wiederum positiv geladene Protonen abgeben.
So entstehen in der Zelle Minuspol und Pluspol, genauso wie bei einer handelsüblichen Batterie. Die Spannung zwischen beiden Polen ermöglicht den Fluss von Gleichstrom, der im Wechselrichter schließlich in Wechselstrom umgewandelt wird - also den Strom, der auch bei uns aus der Steckdose kommt und das leergesurfte Handy wieder auflädt.

Die größte Photovoltaikanlage in Berlin

Das Rennen um die größte Photovoltaikanlage gewinnt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks in Mariendorf erzeugen 7756 Solarmodule klimaneutralen Strom für 2000 Berliner Haushalte. Betrieben wird die Anlage von der Gasag, die Bekämpfung des Unkrauts zwischen den Modulen übernehmen flauschige Schafe.
Auf dem Euref-Campus in Schöneberg versorgen die Photovoltaikanlagen auf den Dächern zum Teil die Gebäude und Klimaanlagen mit Strom, aber auch die Ladesäulen für Elektroautos. Und auch auf den Dächern von Ministerien, Schulen, Wohnhäusern, Supermärkten und Carports funkelt inzwischen fast rekordverdächtig viel Silizium. So kann jeder ein kleines bisschen mitmischen bei der großen Energiewende.

Solarstrom wird günstiger

Solarstrom ist längst nicht mehr so teuer wie viele denken. Der fallende Preis für Solarenergie hängt vor allem an den Produktionskosten für die Solarmodule und an deren Wirkungsgrad. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) vom März 2018 liegen die Stromentstehungskosten - je nach Anlagentyp und Strahlung - bei nur noch 3,71 bis 11,54 Cent pro Kilowattstunde.
Die Modulkosten liegen derzeit bei 40 bis 55 Cent pro Watt. Zum Vergleich: In den 70er Jahren lagen die Kosten für Sonnenkollektoren inflationsbereinigt noch bei rund 85 Euro. Unter allen Kraftwerkstypen ist die Photovoltaik damit im Mittel die kostengünstigste Technologie in Deutschland. Das ISE wagt auch eine Prognose: Ab 2030 werden die Stromentstehungskosten für PV-Anlagen unter 2,4 Cent für Freiflächenanlagen fallen. In den sonnenreichen Wüstenstaaten des Nahen Ostens werden diese Werte bereits heute erreicht.

Strom vom Dach wird Normalität

Dass der Preisverfall bei Sonnenenergie nicht vollumfänglich an die Verbraucher weitergegeben werden kann, dafür sorgen Gesetze, Umlagen, Netzbetreiber, Stromanbieter und Investoren. Das gilt übrigens auch für alle anderen regenerativen Energien. Und doch hat sich viel getan: Strom vom Dach ist inzwischen weit verbreitet und bezahlbar geworden.
Solarmodul am Hauptbahnhof
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Quelle: BerlinOnline/Gasag/Euref AG/ISE

| Aktualisierung: 29. Juni 2018