Zwei Karten, ein Telefon: Was können Dual-SIM-Handys?

Zwei Karten, ein Telefon: Was können Dual-SIM-Handys?

Ein Smartphone aber zwei Telefonnummern - diese Möglichkeit bieten Dual-SIM-Handys. Für wen lohnt sich der Kauf, worauf ist zu achten und was sind die technischen Besonderheiten?

Mehr Flexibilität

© dpa

Mehr Flexibilität: Dual-SIM-Handys haben im Gegensatz zu anderen Mobiltelefonen Platz für zwei SIM-Karten. Foto: Franziska Koark

Aus zwei mach eins. So funktionieren Dual-SIM-Telefone. Zwei SIM-Karten können in ein Gerät gelegt werden. Michael Peuckert vom Fachmagazin «Connect» erklärt die Vor- und Nachteile:

Wozu zwei SIM-Karten benutzen?

Zwei Rufnummern, aber nur ein Telefon in der Tasche: Wer sonst immer mehrere Mobiltelefone für Arbeit und Privatleben mitführt, kann sich mit Dual-SIM-Handys den Alltag erleichtern. Solche Mobiltelefone haben zwei Slots für SIM-Karten, der Besitzer ist immer unter beiden Nummern zu erreichen. Urlauber können damit im Ausland eine lokale Prepaid-Karte zum Telefonieren und Surfen vor Ort einsetzen. Auch Pendlern zwischen zwei Ländern oder Menschen mit Verwandtschaft im Ausland empfiehlt Bettina Seute vom Telekommunikationsportal «Teltarif.de» ein Dual-SIM-Telefon. Pfennigfuchser nutzen eine SIM-Karte mit günstigem Datentarif für das Internet und telefonieren aber zu vorteilhafteren Konditionen mit einer zweiten Karte.

Was für Dual-SIM-Modelle gibt es?

Dual-SIM-Telefone gibt es sowohl als klassisches Mobiltelefon als auch als Smartphone. Viele Hersteller bieten günstige Telefone ohne sonderliche Funktionen auch in Dual-SIM-Varianten an, etwa Samsung oder Nokia. Dual-SIM-Smartphones gibt es überwiegend mit dem Betriebssystem Android, wenige aktuellere Modelle haben Windows Phone installiert. Apple bietet keine Dual-SIM-Geräte an. Der Markt für Dual-SIM-Modelle ist in Deutschland recht übersichtlich bestätigt Markus Eckstein von der Zeitschrift «Connect». «Wenige große Hersteller bieten Dual-SIM-Geräte an, in die Lücke stoßen eher kleinere Hersteller».

Wie sieht das im Alltag aus?

Das Betriebssystem des Dual-SIM-Geräts erlaubt Nutzern den schnellen Wechsel zwischen den beiden Anschlüssen. «Manche Modelle bieten die Möglichkeit, sich bei jeder SMS zu entscheiden, von welcher Nummer sie geschickt wird», erklärt Michael Peuckert von «Connect». Auch beim Telefonieren kann man auswählen, von welcher Nummer gewählt wird. Außerdem ist man unter beiden Nummern gleichzeitig erreichbar.

Gibt es Einschränkungen im Betrieb eines Dual-SIM-Geräts?

Je nach Modell müssen Dual-SIM-Nutzer mit technischen Grenzen ihrer Geräte leben. Denn die beiden SIM-Karten-Steckplätze haben in der Regel nicht die gleichen Funktionen. Schnelles Internet über LTE gibt es meist nur auf einem der beiden Steckplätze. «Bei der zweiten SIM-Karte ist es so, dass man nur über 2G oder 3G erreichbar ist», sagt Wolfgang Pauler, Leiter des Testzentrums beim Computermagazin «Chip». Datenübertragungen auf dem Zweitanschluss sind also deutlich langsamer.

Einige aktuelle Geräte, etwa das jüngst erschienene Huawei Mate 10, haben nach Herstellerangaben zwei LTE-fähige SIM-Steckplätze. Bis das in allen Preisklassen der Fall ist, wird es aber dauern.

Unabhängig von der Gerätewahl müssen Käufer vor allem auf einen leistungsfähigen Akku achten, rät Markus Eckstein: «Egal ob ein oder zwei Empfangsteile, beim Einsatz von zwei SIM-Karten ist der Stromverbrauch immer höher als beim normalen Handy.» Leicht kürzere Betriebszeiten sollten daher einkalkuliert werden.

Wie sieht es mit Messenger-Apps aus?

Messenger wie Whatsapp oder Signal identifizieren Nutzer über ihre Telefonnummer. Apps lassen sich aber nur einmal pro Telefon installieren. Um parallel unter zwei Nummern auch per Whatsapp erreichbar zu sein, müssen sich Dual-SIM-Nutzer behelfen. Neuere Huawei-Smartphones verfügen hier über die Apptwin-Funktion. Sie erstellt eine Kopie einer App, so dass ein zweites Konto angelegt werden kann. Bei Samsungs Note 8 heißt die Funktion Dual Messenger.

Eine andere Lösung ist auf neueren Android-Smartphones das Anlegen eines zweiten Nutzerkontos. Hier muss aber jeweils zwischen den Konten gewechselt werden, um die andere Telefonnummer zu nutzen.

Mein Gerät hat einen Hybrid-Slot. Was bedeutet das?

Gerade günstigere Geräte haben häufig einen sogenannten Hybrid-Slot für die zweite SIM-Karte. Sie können entweder eine SIM-Karte oder eine Micro-SD-Karte aufnehmen. Dann müssen Nutzer entscheiden: mehr Speicher oder eine zweite SIM-Karte.

Der Königsweg sei es, ein Gerät mit zwei SIM-Karten-Slots und einem für eine Speicherkarte zu kaufen, sagt Peuckert. Diese Geräte sind aber meistens teurer. Wer definitiv zwei SIM-Karten verwenden will, sollte deshalb darauf achten, dass der Gerätespeicher groß genug ist. Wer wenig Fotos macht, keine Musik runterlädt und nur wenige Apps auf seinem Telefon hat, dem reichen im Zweifel auch Modelle mit 16 Gigabyte (GB) Speicherplatz. Wer dagegen viele Daten auf sein Smartphone lädt, der braucht mehr Speicher: 32, 64 oder 128 GB.

Sind Dual-SIM-Adapter eine Alternative?

Wer eine zweite SIM-Karte mit seinem bisherigen Mobiltelefon kombinieren möchte, kann das eventuell auch ohne spezielles Telefon und mit einem Dual-SIM-Adapter tun. «Solche Adapter sorgen dafür, dass sich die Handys alle paar Sekunden in das jeweils andere Netz einbuchen», erklärt Redakteur Labs. Diese sind je nach Modell für etwa 30 bis 40 Euro erhältlich. Rafaela Möhl von «Teltarif.de» kritisiert allerdings die Handhabung der Stecker: «Das Umschalten zwischen beiden Karten gestaltet sich teilweise recht umständlich.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 10. Januar 2018 11:59 Uhr

Weitere Meldungen