Seniorenhandys: Was müssen sie können?

Große Tasten, große Schrift: Etliche Hersteller bieten spezielle Telefone, Handys und Smartphones für Senioren an. Doch was müssen solche Geräte eigentlich können - und braucht man sie überhaupt?
Älteres Paar mit Handy
Handys, die für Senioren konzipiert wurden, sind oft übersichtlicher. Modelle zum Aufklappen oder Aufschieben erlauben zudem größere Displays. © dpa

Wenn die Fingergelenke schmerzen und die kleine Schrift auf dem Display vor den Augen verschwimmt, kann die Smartphone-Nutzung schnell zur Qual werden. Deshalb ändern sich bei Älteren die Ansprüche an technische Geräte.

Was bislang hauptsächlich ein Nischenprodukt war, erobert nun immer mehr den Markt. «Das Angebot hat in den letzten Jahren zugenommen», erklärt der Handy-Experte Markus Eckstein von der Telekommunikationszeitschrift «connect» in Stuttgart.

Wichtig ist eine einfache Bedienung

Es geht nicht mehr unbedingt um die beste Kamera oder die längste Akkulaufzeit, sondern um eine möglichst leichte Bedienung. Allerdings altert nicht jeder auf die gleiche Weise: «Die Gruppe der Senioren ist sehr heterogen», sagt Nicola Röhricht von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). «Und genauso unterschiedlich sind auch die Bedürfnisse und Ansprüche an Handys, Telefone und Smartphones für Ältere.»

Anpassung an die individuellen Bedürfnisse

Und so gibt es nicht nur speziell für Senioren konstruierte Telefone oder Smartphones, sondern auch Optionen, um herkömmliche Mobilgeräte an die Bedürfnisse Älterer anzupassen. Insbesondere geht es dabei um die Dinge, die eben vielen Menschen mit dem Alter schwerfallen - tasten, sehen und hören etwa, aber auch das Verstehen von Menüstrukturen und Bedienungsanleitungen.

Großtastentelefone oder extra große Displays sind daher Schlagworte, mit denen Hersteller für spezielle Senioren-Geräte werben. Es gibt auch das Konzept eines Fünf-Tasten-Seniorenhandys. «Das Fünf-Tasten-Handy erfüllt Ansprüche der Älteren, die gerne analog und einfach bleiben wollen», erklärt Röhricht. «Nicht so viel Schnickschnack» sei dabei vielen wichtig. «Solche Seniorenhandys etwa sind einfach konzipiert und oft auch mit einer Notruf- und Ortungsfunktion ausgestattet, was den Älteren Sicherheit gibt.»

Testergebnisse der Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest vergleicht regelmäßig einfache Seniorenhandys. Neben diesen seien im jüngsten Test auch spezielle Smartphones für Ältere sowie Launcher-Apps, mit denen sich herkömmliche Smartphones einfacher bedienen lassen sollen, unter die Lupe genommen worden, sagt Projektleiter Dirk Lorenz.

Seniorenhandys
Große Tasten, übersichtliche Bedienung: Spezielle Handys sollen Senioren die Bedienung erleichtern. Ansonsten ist das Elektronikangebot für die ergraute Kundschaft schmal.

Große Tasten und einfaches Aufladen

Dabei gab es nicht nur Labor-, sondern auch Praxis-Tests mit älteren Menschen. «Besonders die großen, gut fühlbaren Tasten bei den einfachen Geräten, aber auch bei den speziellen Smartphones wurden dabei als gut empfunden», erzählt Lorenz. Auch Klapphandys und Ladeschalen statt fummeliger Ladekabel kämen bei Senioren gut an. Verbesserungsbedarf gebe es aber immer noch oft etwa bei der Menüführung oder der Verständlichkeit der Bedienungsanleitungen.

Notruf-Funktion für die eigenen Kontakte

Sehr wichtig ist für viele auch die Notruf-Funktion, sagt Lorenz. Oft handele es sich dabei um eine gesonderte Taste, die bei Druck Anrufe zu den voreingestellten Notfallkontakt-Nummern absetzt. Wichtig: Das Handy muss erkennen können, ob nur ein Anrufbeantworter oder eine Mailbox abnimmt, und dann gleich die nächste Notfall-Nummer aus der abgespeicherten Liste anwählen. Nur: Längst nicht jedes Gerät könne das, warnt Lorenz.

Fallsensor wählt automatisch Notruf

Ideal sei es, wenn auch ein Fallsensor im Mobiltelefon steckt, damit es automatisch einen Notruf absetzen kann, wenn der Besitzer des Gerätes gestürzt ist, erklärt Röhricht. «Und eine einfach zu bedienende Taschenlampe ist eine weitere nützliche Funktion an den Geräten.»

Auf Hörgeräte ausgerichtete Lautsprecher

Der österreichische Hersteller Emporia setzt auf spezielle Lautsprecher für Hörgeschädigte. Sie haben eine niedrige Resonanzfrequenz. Rückkoppelungen wie Pfeifen oder Rauschen werden reduziert. Außerdem können die Sprachsignale mit Hilfe von magnetischer Induktion direkt aufs Hörgerät übertragen werden. Die Tasten sind nicht nur größer, sondern geben beim Drücken auch ein lautes Klicken von sich. Die Lautstärke des Klingeltons ist höher. Durch Blinken macht das Handy zusätzlich auf einen Anruf aufmerksam.

Klapphandy als preiswerte Alternative

Laut Markus Eckstein sind Mobiltelefone für Senioren oder «besondere Zielgruppen» verhältnismäßig teuer, was mit den geringen Produktionszahlen zusammenhängt. «Gemessen an dem, was sie können, werden sie tendenziell aber immer ein bisschen teurer sein.» Deshalb empfiehlt er älteren Menschen, die einfach nur Schwierigkeiten mit der kleinen Schrift normaler Handys haben, sich mit Klappmodellen zu behelfen. Diese hätten ein größeres Display und größere Tasten bei besserer Bildqualität und zusätzlichen Funktionen.

Senioren wollen am digitalen Leben teilhaben

Zwar gebe es eine große Gruppe Älterer, die das Handy vor allem zum Telefonieren oder maximal noch zum Versenden von SMS verwenden und daher einfache Geräte bevorzugen, sagt Erhard Hackler von der Deutschen Seniorenliga. Trotzdem nutzten immer mehr Senioren Smartphones: «Der Wunsch von Senioren, am digitalen Leben teilzunehmen, wird vielfach unterschätzt.»

Und wo Computer viele Ältere eher abschrecken, seien speziell entwickelte Smartphones mit großen Displays und intuitiver Bedienung ideal für Senioren, sagt Hackler. «Diese Geräte haben Sprachein- und -ausgabe sowie Bildschirmvergrößerung bereits in den Betriebssystemen integriert.» Das mache vieles leichter.

Senior mit Handy
Wenn im Alter die Augen schlechter werden, ist zwar einfache Bedienbarkeit wichtig. Senioren wollen aber kein «Rentner-Telefon».

Auch das Aussehen der Seniorenhandys spielt eine Rolle

Nach Ansicht von Eckstein ergeben viele dieser Funktionen durchaus einen Sinn. Dennoch würden die Geräte optisch und haptisch oft billig wirken. «Die großen Tasten sind häufig wackelig und bieten keinen guten Druckpunkt. Die Displays sind sehr grobpixelig.» Dadurch passten lange Wörter nicht immer auf den Bildschirm. Das mache das SMS schreiben kompliziert und unübersichtlich, da die Anwender viel scrollen müssten. «Generell sind Senioren-Handys besser zum Telefonieren als für SMS geeignet.» Auch Menü-Einträge seien oft nur unvollständig zu sehen.

Nicht nur das Marketing, sondern auch das Design ist eine Herausforderung für die Hersteller. «Das Gerät muss schick aussehen und gleichzeitig einfach zu bedienen sein», sagt Ullrich. Auf den ersten Blick dürfe nicht zu sehen sein, dass es ein spezielles Telefon ist. «Wenn 'Senioren-Handy' draufsteht, wollen es fitte Ältere gar nicht erst haben.» Gerade weil auch Kranke oder Behinderte zu den Nutzern gehörten, wollten sich rüstige Rentner damit nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Das Design müsse also zeitgemäß sein, und das Handy dürfe nicht als anders auffallen.

Benutzeroberfläche lässt sich auch mit Apps anpassen

Aber auch herkömmliche Smartphone könnten durchaus eine Alternative sein, meint Warentester Lorenz. Bei vielen seien Funktionen wie Notruftaste und Taschenlampe ebenfalls vorhanden oder zumindest über Apps oder Bluetooth-Zubehör nachrüstbar. Und: Mit sogenannten Launcher-Apps lässt sich die Bedienoberfläche jedes Smartphones anpassen.

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Quelle: dpa
Aktualisierung: Mittwoch, 10. Januar 2018 16:05 Uhr
(Bilder: dpa; Dash - Fotolia.com)