Welche Wirkung haben unterschiedliche Kameraperspektiven?

Welche Wirkung haben unterschiedliche Kameraperspektiven?

Wer spektakuläre Bilder machen möchte, sollte mit der Perspektive spielen. Mit ihr verändert sich immer auch das Motiv. Drei Blickwinkel werden von Profis am häufigsten benutzt.

Normalsicht - Aufsicht - Untersicht

© dpa

Entscheidend für die Perspektive aus Sicht des Fotografen ist die Aufnahmehöhe.

Entscheidend für die Wirkung eines Fotos ist die Perspektive, also die Aufnahmehöhe aus Sicht des Fotografen. Die landläufige Ansicht, die Brennweite habe einen Einfluss auf die Perspektive, sei dagegen ein weit verbreiteter Irrtum, so der Photoindustrie-Verband in Frankfurt.
Normalsicht: Alltäglicher Blickwinkel mit wenig Abwechslung
© dpa

Touristen fotografieren in Berlin die eingezäunte East Side Gallery.

Normalsicht: Alltäglicher Blickwinkel mit wenig Abwechslung

Bei der sogenannten Normalsicht (kurz auch N-Sicht) befinden sich Kamera und Motiv auf einer Höhe. Bezogen auf die Porträtfotografie würde dies bedeuten, dass Gesicht und Kamera auf gleicher Höhe sind - man begegnet dem Motiv sozusagen auf Augenhöhe.

Mit der Normalsicht wird also die normale Perspektive des Menschen eingefangen. Da die Motive in dem für uns alltäglichen Blickwinkel eingefangen werden, wirken sie häufig auch eher schlicht. Für mehr Abwechslung und eindrucksvollere Bilder kann bereits eine leichte Ober- oder Untersicht sorgen
Aufsicht: Vogelperspektive vermittelt Unterlegenheit
© dpa

Die Berliner Museumsinsel in der Vogelperspektive

Aufsicht: Vogelperspektive vermittelt Unterlegenheit

Bei der Aufsicht, auch als Vogelperspektive bezeichnet, befindet sich die Kamera oberhalb des Motivs. Sowohl der Fotograf als auch der Bildbetrachter schauen auf das Motiv herab. Je größer der Höhenunterschied zwischen Fotograf und Motiv ausfällt, desto stärker wirkt sich dieser auf die Perspektive aus. Eine extreme Form ist die Vogelperspektive. Die Vogelperspektive bewirkt beispielsweise in der Porträtfotografie, dass das Motiv kleiner, unbedeutender, unterwürfiger und auch machtloser wirkt. Genauso werden aber auch Gebäude oder Objekte kleiner. Die Aufsicht eignet sich auch zur Darstellung gefährlicher Höhen.
Untersicht: Froschperspektive für mehr Dominanz
© dpa

Froschperspektive: Eine Statue steht zwischen Bäumen des Parks am Schloss Glienicke in Berlin.

Untersicht: Froschperspektive für mehr Dominanz

Im Gegensatz zur Aufsicht befindet sich bei der Untersicht - auch als Froschperspektive bezeichnet - die Kamera unterhalb des Motivs. Eine Person erscheint dann größer, dominanter und auch bedrohlicher. Vor dem Auslösen sollte man sich gedanklich mit der gewünschten Bildwirkung auseinandersetzen. Für Einsteiger empfiehlt es sich, mit der Perspektive zu spielen. Gerade ungewöhnliche Blickwinkel, die sich deutlich von der Normalsicht abgrenzen, garantieren neue Bilderlebnisse.

Mit der Kombination aus Weitwinkelobjektiv und Froschperspektive sind besondere Fotos garantiert. «Durch den Einsatz eines Weitwinkelobjektivs können Menschen und Tiere fotografisch zu Monstern und Riesen mutieren», so der Photoindustrie-Verband in Frankfurt.

Belichtung am besten über Kamera-Automatik

Dabei ist die Belichtungsmessung einfach: «Mit der Automatik der Kamera liegt man fast immer richtig.» Vorsicht sei lediglich geboten, wenn gegen den Himmel fotografiert wird. Die Belichtungsautomatik der Kamera registriere zu viel Helligkeit und gibt eine zu kurze Verschlusszeit vor. «Hier muss per Hand nachgebessert werden.» Je nach Kameratyp geschieht das den Experten zufolge durch den Druck auf die Gegenlichttaste oder durch manuelles Abblenden um ein bis zwei Werte beziehungsweise durch die Wahl einer längeren Belichtungszeit oder das Einstellen einer geringeren Empfindlichkeit.

Zu achten ist darauf, dass Sonnenstrahlen nicht direkt aufs Objektiv fallen, denn diese hinterlassen lästige Sechsecke. Mit der Sonne im Rücken oder von der Seite lässt sich das leicht vermeiden. «Man sollte sich einfach auf sein Augenmaß verlassen. Die Kamera in Richtung Motiv halten, der Automatik vertrauen, bei Kameras ohne Autofokus Entfernung schätzen und abdrücken.» Oft ergeben sich dabei auch ungewöhnliche Bildkompositionen.
Motiven einen Rahmen geben
© dpa

Damit die Kathedrale der Heiligen Familie in Barcelona besser auf einem Foto zur Geltung kommt, kann man ihr einen grünen Rahmen aus Kiefernnadeln und anderen umstehenden Pflanzen verpassen.

Motiven einen Rahmen geben

Wer dem Motiv einen Rahmen gibt, schafft mehr Tiefe im Bild, rät die Fachzeitschrift «c't Digitale Fotografie» (Extraausgabe Fotorezepte 2017). Ein solcher Rahmen können etwa Wände oder Fassaden anderer Gebäude sein oder das Blattwerk von Bäumen. Mit der richtigen Perspektive lenken Fotografen gezielt den Blick auf das Hauptmotiv.

Keine störenden Objekte im Blick

Immer wieder verstellen störende Objekte den freien Fotoblick auf schöne Motive. Etwa geparkte Lieferwagen, Baugerüste oder riesige Touristengruppen. Wer sie nicht bei der Nachbearbeitung mühsam aus dem Bild manipulieren möchte, dem raten die Fotoexperten zum Perspektivwechsel.

Mit der Belichtungszeit spielen

Große Menschenmengen können andere Motive stören. Etwa wenn ein größerer Platz oder eine Fußgängerzone abgelichtet werden soll. Wer nicht unzählige in der Bewegung eingefrorene Menschen im Bild haben will, kann mit der Belichtungszeit spielen. Mit einem geringen ISO-Wert, der richtigen Blende und einigen Sekunden Belichtung verschwimmen Menschenströme zu teiltransparenten Schemen.

Quelle: dpa / Berlin.de

| Aktualisierung: Dienstag, 1. August 2017 15:22 Uhr

Mehr zum Thema Motive

Weitere Meldungen