HDR-Fotografie: Unglaubliche Kontraste

HDR-Fotografie: Unglaubliche Kontraste

Beeindruckend: Mit dem HDR-Verfahren lassen sich auch bei schwachem Licht Kontraste wie in der Realität erreichen.

HDR-Fotografie

© dpa

So funktioniert HDR: Vom selben Motiv werden mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtung gemacht und später am Rechner «in Deckung» gebracht.

Irgendwann machen wohl jedem Hobbyfotografen die Lichtverhältnisse einen Strich durch die Rechnung. Das Motiv scheint perfekt, doch leider ist das Licht so funzelig, dass auf der Aufnahme ein Großteil der Details im Dunkeln verschwindet.

Abhilfe schaffen könnte die sogenannte HDR-Fotografie. Mit diesem Verfahren lassen sich auch bei schwachem Licht auf Fotos Kontraste wie in der Realität darstellen. HDR steht für «High Dynamic Range» und bedeutet so viel wie hoher Kontrastumfang. Hintergrund ist, dass die meisten Digitalkameras die tatsächlichen Helligkeitsunterschiede gar nicht darstellen können. In vielen Situationen reicht das eingeschränkte Kontrastspektrum des Sensors zwar völlig aus, um vernünftige Fotos zu machen. Bei Aufnahmen in der Dämmerung, bei Nacht oder Gegenlicht ist die Kamera jedoch überfordert: Wird zum Beispiel auf die hellen Stellen belichtet, «saufen die dunklen Bereiche ab», wie Fotografen sagen - werden also pechschwarz.

Nachgearbeitet wird am PC

Beim HDR-Verfahren werden diese Einschränkungen ausgeglichen, indem vom selben Motiv mehrere Aufnahmen gemacht werden, und zwar mit unterschiedlicher Belichtung: unterbelichtet, normal belichtet und überbelichtet - je nach Aufnahmesituation, Kamera und Qualitätsanspruch drei bis acht Aufnahmen, erläutert Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband in Frankfurt. «Im Zweifelsfall lieber eine Aufnahme mehr als zu wenig machen.» Die Aufnahmen werden später am Rechner per Software «in Deckung» gebracht, so dass jeder Bereich des Motivs optimal belichtet ist. Das Ergebnis dieser Bildbearbeitung sind «Aufnahmen, die dem Sinneseindruck entsprechen», sagt Clauß.
Sinnvoll ist das HDR-Verfahren bei «problematischen Szenen», erläutert Stefan Gross, Fotograf und Fachbuchautor aus Hamburg. «Sobald direkte Lichtquellen eine Rolle spielen, sollte man an einen Kontrastausgleich denken.» Das lasse sich zwar auch durch Aufhell- oder Gegenblitzen erreichen - oft liefere HDR aber bessere Resultate.

Eher ruhige Motive geeignet

Um keine «Geisterbilder» zu erhalten, empfiehlt Constanze Clauß HDR-Aufnahmen nur für «ruhende Motive». Außerdem sollte immer ein Stativ und bei digitalen Spiegelreflexkameras die Spiegelvorauslösung verwendet werden. Das schützt vor Verwacklungen. Weil selbst das Durchdrücken des Auslösers am Kameragehäuse für Unruhe sorgt, empfiehlt sich außerdem ein Fernauslöser - oder der Selbstauslöser der Kamera, ergänzt Ron Vollrath, Dozent für Fotografie an der Volkshochschule Hamburg.

Nichts für Hobby-Knipser

Dass es ohne aufwendige Nachbearbeitungsschritte nicht geht, sollte jedem klar sein, der sich am HDR-Verfahren versucht, meint Constanze Clauß: «Das muss man mögen. Es ist eher etwas für ambitionierte Fotografen - nichts für jemanden, der nur gerne knipst.» Damit die Bildverarbeitung leichter vonstatten geht, sollte der Rechner leistungsstark genug sein, rät Ron Vollrath. Wem der Aufwand nichts ausmacht, der hält sich mit HDR jedenfalls viele Optionen offen, findet Stefan Gross: «Für mich als Profi-Fotograf ist HDR eine schöne Möglichkeit, nachträglich am Rechner noch mehr am Bild 'herumzutunen' als es bei einer Einzelaufnahme möglich ist.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 4. Januar 2010 10:41 Uhr

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