Rechner gekapert: Vorsicht bei Anruf von Microsoft-Technikern

Auch über Telefon können Rechner gekapert werden. Wie gehen die Betrüger vor und wie kann man sich schützen?
telefonierende Person
Hilfe, die keine ist: Internet-Betrüger geben sich am Telefon mit Vorliebe als Microsoft-Techniker aus. © dpa

Telefonbetrüger geben sich mit Vorliebe als Microsoft-Techniker aus. Tatsächlich wollen sie aber Daten abgreifen und Geld erpressen. Jeder Windows-Nutzer ist ein potenzielles Opfer. Man ist den Kriminellen aber nicht schutzlos ausgeliefert.

Anrufer geben sich als Microsoft-Mitarbeiter aus

Das Telefon klingelt. Der Anrufer stellt sich als Microsoft-Mitarbeiter vor, spricht von einem Virus auf dem Computer des Angerufenen und bietet an, die Schadsoftware zu entfernen. In Wahrheit handelt es sich um einen Betrüger.

Betrüger kapern Rechner über "Fernwartungssoftware"

Der falsche Microsoft-Mitarbeiter überredet sein Opfer als nächstes, eine Fernwartungssoftware aus dem Internet zu installieren. Danach hat der Kriminelle volle Kontrolle über den Rechner, kann sensible Daten abgreifen oder Schadsoftware wie Trojaner installieren.

Diebstahl von Kontodaten und Sperrung des Rechners

Meist haben es die Betrüger auf Bank- und Kontodaten abgesehen. Manchmal wird der Computer aber auch gesperrt. «Die Entsperrung wird dann gegen eine Gebühr angeboten», erklärt Hans Retter vom Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen.

Microsoft ruft Kunden nicht ungefragt an

Die Masche ist nicht neu, trotzdem kommen die Betrüger damit immer wieder an sensible Daten und Geld. Dabei sieht echter Service von Microsoft ganz anders aus. « Microsoft ruft nie ungefragt Kunden an», erklärt Unternehmenssprecherin Irene Nadler. Auch persönliche Daten würden nicht telefonisch abgefragt. Selbst wer Microsoft kontaktiert, bekomme meist zunächst erst eine Rückmeldung per Mail.

Auch Brief- und Mailverkehr werden genutzt

Nach diesem Prinzip verfahren auch andere Soft- und Hardwarefirmen. Trotzdem wirken die Betrüger oft sehr authentisch - und variieren ihre Strategie: Inzwischen kontaktieren die Betrüger die Kunden auch schriftlich oder per Mail. Ein Warnsignal: Sie sprechen bei den Anrufen hauptsächlich Englisch.

Betrugsmasche auch bei jungen Menschen erfolgreich

Auch wenn viele bei so einer Masche zuerst an Senioren denken mögen. Laut Microsoft ist der Betrug insbesondere bei Menschen zwischen 18 und 34 Jahren erfolgreich. Nach einer Untersuchung des Unternehmens liegt die Hälfte der Betroffenen in dieser Altersklasse.

Bei auffälligen Anrufen am besten sofort auflegen

«Solchen Anrufen sollte man grundsätzlich mit Skepsis begegnen», rät deshalb Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern. Wer merkt, dass es sich um einen betrügerischen Anruf handelt, sollte sich nicht in ein Gespräch verwickeln lassen und sofort auflegen: «Auf keinen Fall dürfen die Kunden telefonisch Daten preisgeben.»

Wenn es bereits zu spät: Passwörter schnellst möglich sichern

Wer bereits die Software der Betrüger installiert hat, sollte schnell handeln. Grasl empfiehlt, den Computer dann sofort vom Internet zu trennen und von einem anderen Rechner aus alle wichtigen Passwörter zu ändern. «Ist bereits Geld geflossen, sollten die Angerufenen versuchen, die Zahlung durch sofortigen Kontakt zur eigenen Bank zu stoppen», rät Retter.

Betroffene sollten Strafanzeige stellen

Anschließend sollten Betroffene bei der zuständigen Polizeistelle eine Strafanzeige stellen und die Schadsoftware vom Computer entfernen - im Zweifel mit Expertenhilfe. «Die Nutzer müssen ein gesundes Misstrauen entwickeln», sagt Grasl.

Auch Microsoft unternimmt etwas gegen die Betrugsversuche

Microsoft nimmt die Betrugsversuche sehr ernst, hat eigene Ermittler und geht in enger Zusammenarbeit mit der Polizei weltweit gegen die Betrügereien vor. Zudem bittet das Unternehmen Betroffene, Vorfälle zu melden. Dazu hat das Unternehmen ein Formular online gestellt.

Masche ist auch in anderen Branchen verbreitet

Microsoft ist aber längst nicht das einzige Unternehmen, das mit solchen Betrügern zu kämpfen hat. «Es wurden auch Anrufe festgestellt, bei denen sich die Anrufer als Mitarbeiter von namhaften Firmen aus der Telekommunikationsbranche oder Computerherstellern ausgeben», erklärt Retter.

Kriminelle sind online nur schwer zu ermitteln

Internetkriminalität ist ein ernstes Problem. 2015 verursachte sie hierzulande laut Bundeskriminalamt einen bekannten Schaden von 40,5 Millionen Euro. Die Chancen, Daten oder Geld wiederzubekommen, sind gering, weil die Betrüger kaum Spuren hinterlassen. «Die Verursacher lassen sich deshalb in den meisten Fällen nicht ermitteln», weiß Grasl.

Allgemeine Vorsicht hilft am besten

Mit einigen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich das Risiko senken, den Betrügern am Ende womöglich ganz ausgeliefert zu sein. «Grundsätzlich sollte man keine E-Mails oder Anhänge von unbekannten Versendern öffnen», erklärt Retter. Und: «Ein Virenschutzprogramm bietet außerdem gute Voraussetzungen, um seinen Computer zu schützen.»

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Quelle: dpa
Aktualisierung: Donnerstag, 13. Juli 2017 17:42 Uhr

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(Bilder: dpa; Dash - Fotolia.com; picture-alliance/ dpa/dpaweb; www.enrico-verworner.de)