Wie Autos Fußgänger schützen sollen

Wie Autos Fußgänger schützen sollen

Die Insassen moderner Autos werden unter anderem von stabilen Karosseriestrukturen, bis zu einem Dutzend Airbags und einem Heer elektronischer Helfer vor Schaden bewahrt.

  • Intelligente Technik passt auf Fußgänger auf© dpa
    Ich sehe was, was Du nicht siehst...und bremse: Intelligente Technik soll Unfälle vermeiden helfen wenn Fußgänger oder Autofahrer mal nicht aufpassen.
  • Fußgänger besser schützen© dpa
    Auffangstation: Um Fußgänger beim Aufprall besser zu schützen, kann sich diese Motorhaube im Ernstfall etwas anheben.
  • Airbag für Fußgänger von Volvo© dpa
    Auto mit Weichmacher: Hier zeigt der Volvo V40 seinen Airbag für Fußgänger.
  • Mehr Sicherheit für Fußgänger© dpa
    Hart im Nehmen: Autohersteller arbeiten stetig auch an mehr Sicherheit für die Menschen außerhalb ihrer Fahrzeuge.
  • Radarsensor am Auto© dpa
    Intelligente Aufpasser: Dieser Radarsensor dient der Bewegungserfassung.
  • Notbremsung durch Assistenten© dpa
    Dummy gelaufen: Hier hätte gar nichts passieren können, aber der aktive Assistent in diesem Modell soll im Ernstfall auch für Menschen eine Notbremsung einlegen, falls der Fahrer zu spät reagiert.
Fußgänger hingegen sind an und auf der Straße den Gefahren eines Unfalls nahezu ungeschützt ausgesetzt. Weil ihnen nichts als die eigene Vorsicht und Vernunft hilft, haben aber auch moderne Fahrzeuge ein Auge auf sie - und das kann man mittlerweile wörtlich nehmen.
Die Zeiten, in denen der sogenannte Fußgängerschutz ausschließlich passiv - also mit einer Art Knautschzone für die Knochen der Anderen - erfolgte, sind lange vorbei. Moderne Autos nutzen Kameras und Radarsensoren, um ihren Fahrer vor Passanten zu warnen, oder sie steigen bei drohenden Kollisionen sogar selbstständig in die Eisen.
«Fußgängererkennung mit Notbremsfunktion» heißt dieses System, das bei fast allen Neufahrzeugen zur Serienausstattung zählt. Denn ohne in dieses früher teuer verkaufte Extra fallen Neuwagen nach Angaben des ADAC heute im sogenannten Euro-NCAP-Test glatt durch und bekommen keinen der so begehrten fünf Sterne.
Weil sich damit aber vor allem bei höherer Geschwindigkeit nicht alle Unfälle vermeiden lassen, kombinieren viele Hersteller solche Systeme mit einem Ausweichassistenten. Erkennt dieser ein Objekt oder eine Person auf der Fahrbahn und befürchtet einen Crash, unterstützt er den Fahrer parallel zur Vollbremsung mit dem richtigen Lenkwinkel dabei, einen Haken um das Hindernis zu schlagen.
Weitere Assistenten zum Fußgängerschutz zielen vor allem auf eine bessere Sichtbarkeit bei Dunkelheit. So setzen etwa die französischen Marken Peugeot, Citroën und DS Infrarot-Kameras mit einer speziellen Bilderkennung ein und markieren gefährdete Kandidaten auf dem Display. Andere Hersteller wie Audi programmieren ihre intelligenten Scheinwerfer so, dass nachts Fußgänger am Fahrbahnrand gezielt angeleuchtet werden, um den Fahrer zu warnen.
Falls es der elektronischen Weitsicht und den Warnungen zum Trotz doch zum Kontakt zwischen Körper und Karosserie kommt, greift der passive Fußgängerschutz. Er ist tief in Design und Konstruktion der Fahrzeuge verankert, sagt Mercedes-Sprecher Koert Groeneveld und berichtet von weich hinterschäumten Kühlermasken, die im Industriejargon «Soft Nose» heißen. Zudem seien die Höhen der Hauben und die Kanten der Kotflügel so berechnet und mit Crashtest-Dummies erprobt, dass schwere Verletzungen bestmöglich vermieden werden und der Aufschlag auf die Karosserie so weich wie möglich erfolge.
Auch deshalb montieren Hersteller inzwischen Pyrotechnik unter der Motorhaube, um diese bei einem Fußgängeraufprall etwas anzuheben und so den Aufschlag auf den unnachgiebigen Motorblock zu verhindern. Alternativ dazu gibt es bei einigen Modellen auch Airbags, die sich etwa von außen auf die Motorhaube und vor die Frontscheibe legen, sagt Robert Buchmeier vom Zulieferer ZF.
Ein vergleichsweise neues Instrument im Fußgängerschutz ist der Soundgenerator, den die Behörden für Elektrofahrzeuge vorschreiben. Weil die Stromer still dahinsurren und von Fußgängern übersehen werden könnten, brauchen sie ein «Acoustic Vehicle Alerting System» (AVAS). Lautsprecher zum Beispiel im Unterboden oder in Radhäusern senden einen Warnton aus, der bis etwa Tempo 20 zu hören sein muss.
Die Intelligenz für den Fußgängerschutz muss aber nicht allein im Auto sitzen. So hat die koreanische Technologiefirma LG die Testversion einer Smartphone-App vorgestellt, die in Echtzeit Bewegungs- und Positionsdaten kontrolliert und Nutzer warnen kann, wenn sie auf Kollisionskurs sind.
Auch Forscher verschiedener Fraunhofer-Institute setzen auf externe Intelligenz und haben ein Radar-Sensorsystem entwickelt, das Fußgänger beobachten und Verkehrsteilnehmer warnen kann, bevor es zur Gefahr kommt: Die Elektronik erstellt Bewegungsprofile und -prognosen etwa von wartenden Personen an einer Bushaltestelle - und löst einen Alarm aus, wenn sich tatsächlich ein Passant der Fahrbahn nähert.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 13. August 2021 04:47 Uhr