Das Auto wird zum Abo-Modell

Das Auto wird zum Abo-Modell

Kaufen war gestern und selbst finanzieren oder leasen erscheint mittlerweile ziemlich altmodisch. So ist das mit Autos zumindest in der Vorstellung einiger neuer Unternehmen.

  • Ohne Eigentum glücklicher?© dpa
    Abo-Modelle wollen eine Alternative zum klassischen Autokauf und auch Leasing sein.
  • Flexibel bleiben© dpa
    Wer sich nicht auf ein einziges Automodell festlegen will, könnte über ein Abo nachdenken.
  • In Ruhe verschiedene Automodelle studieren© dpa
    Mittlerweile wollen mehrere Anbieter den Kunden Abo-Modelle schmackhaft machen.
  • Moderne Autozeiten© dpa
    Eigene Autos flexibel nutzen, ohne sie zu besitzen.
  • Prof. Ferdinand Dudenhöffer© dpa
    Prof. Ferdinand Dudenhöffer forscht und lehrt an der Universität Duisburg-Essen zu Automobilthemen.
  • Hans-Georg Marmit© dpa
    Hans-Georg Marmit ist Pressesprecher der Sachverständigen-Vereinigung KÜS.
  • Öfter mal was Neues© dpa
    Wer nur eine Zeit lang Kombi fahren will, kann per Abo für Abwechslung sorgen.
  • Jonas Wagner© dpa
    Jonas Wagner ist Strategieberater bei Berylls.
So wie das Streaming die Musik- und Filmwelt auf den Kopf gestellt und die Flatrate den Mobilfunk revolutioniert hat, wollen diese Firmen die Mobilität umkrempeln - und bieten Autos deshalb im Abo an.
«Mittlerweile konkurrieren allein auf dem deutschen Markt eine ganze Reihe von Anbietern», sagt Jonas Wagner vom Strategieberater Berylls. Dazu gehören Carminga, Carship, Cluno, Faaren, Finn, Like2drive, Sixt und 12Neuwagen. «Und es kommen ständig weitere Start-ups dazu.»
Neben diesen Anbietern sind auch die ersten Hersteller wie Porsche, Cadillac oder Audi auf den Trend aufgesprungen und haben - bislang aber meist nur als regional begrenzter Versuchsballon - Aboprogramme gestartet. Nur Volvo ist damit im großen Stil schon bundesweit aktiv.
Viele Kosten sind in der Rate drin
Egal bei welchem Anbieter man sein Abo abschließt: Der Kunde hat einen einfachen Zugang zum Auto. Alle Kosten für Nutzung, Unterhalt, Verschleißteile und Service werden in der Monatsrate verrechnet. Man muss nur noch selbst tanken, erklärt der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer. «Das ist wie Full-Service-Leasing für Privatkunden», sagt der Professor an der Universität Duisburg-Essen.
In vielen Fällen könne man sogar während der Laufzeit das Fahrzeug wechseln. Im Sommer ein Cabrio, für den Urlaub einen Kombi und im Winter ein SUV - damit werben viele Anbieter, erläutert Wagner. Er warnt aber vor allzu großen Hoffnungen: Häufig seien die Flotten noch zu klein, um echte Flexibilität zu bieten.
Was kosten die Autos im Abo?
Die Kosten für die Abos hängen von der Fahrzeugklasse und von der Laufzeit des Vertrags ab. Diese ist in der Regel sehr viel kürzer als beim klassischen Leasing und beträgt bisweilen nur wenige Monate, erklärt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenvereinigung KÜS.
Entsprechend unterschiedlich können die Tarife sein. «Während es einen Kleinwagen schon für 250 Euro im Monat gibt, kann man für einen Luxus-Geländewagen auch 1700 Euro ausgeben.» Meist sei das Abo auch etwas teurer als das Leasing, hat Wagner beobachtet - «denn die Flexibilität lassen sich die Anbieter bezahlen.» Doch anders als beim Leasing gibt es Abo-Angebote auch für junge Gebrauchtwagen, die dann entsprechend günstiger zu haben seien.
Für wen lohnt sich das?
Geeignet seien Abos vor allem für Kunden, die flexibel bei der Wahl ihres Wagens sein wollen, die ihr Nutzungsverhalten gut abschätzen und planen können und für die ein Kauf - aus welchem Grund auch immer - nicht in Frage kommt, lautet die Einschätzung von Wagner und Marmit. Ein Abo kann sich auch für Neuwagenkäufer lohnen, die mit dem Auto ihrer Wahl erst über einen längeren Zeitraum fahren möchten, bevor sie sich für ein Langzeit-Leasing oder einen Kauf entscheiden.
Außerdem kann das Abo eine Übergangslösung sein, falls das Wunschauto zu lange Lieferfristen hat. Und es eignet sich für Menschen, die es gerne einfach, kalkulierbar und bequem haben, ergänzt Dudenhöffer: «Damit wird Autofahren so einfach wie das Einkaufen bei Amazon. Ein paar Klicks, und man sitzt im Wunschwagen und muss sich weder Gedanken machen über den späteren Gebrauchtwagenverkauf noch über unvorhergesehene Reparaturen.»
Wer sich für ein Auto-Abo entscheidet, sollte den Vertrag genau studieren und sich nicht hetzen lassen vom «schnellen Service» auf irgendeinem Online-Portal, warnt Marmit. Vor allem eine mögliche Startgebühr im Kleingedruckten und die Freikilometer-Anzahl könnten sich als Fallstricke erweisen, ebenso die Kosten für eine Überführung oder Abholung des Wagens zu Beginn und zum Ende des Vertrages.
«Auch der Versicherungsumfang muss genau geprüft werden. Und es gilt die Frage zu stellen, wer alles mit dem Auto fahren darf», ergänzt Wagner: «Dürfen auch Führerscheinneulinge ans Steuer oder braucht man Fahrpraxis, sind Fahrten ins Ausland erlaubt oder wird dafür eine Zusatzversicherung verlangt? Das sind die Fragen, die man vor Vertragsabschluss klären muss.»
Das klingt kompliziert, doch Experten wie Dudenhöffer sind überzeugt, dass dem Abo die Zukunft gehört: «Was heute noch finanziert wird, und das sind immerhin zwei Drittel aller Neuwagenkäufe, das wird in zehn Jahren weitgehend abonniert sein. Der Markt geht ab.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 6. Dezember 2019 07:02 Uhr