E-Scooter fahren in Berlin

E-Scooter fahren in Berlin

Auch in Berlin ist das Fahren der batteriegetriebenen Stehroller nun erlaubt. Mindestalter, Regeln, Sicherheitstipps: Was E-Scooter-Nutzer wissen müssen.

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Tretroller mit Elektroantrieb können im Berufsverkehr in Großstädten eine Alternative zu Auto und Bussen sein.

Vor allem in den Metropolen der USA gehören E-Scooter längst zum Straßenbild. Auch in Europa - etwa in Österreich und in der Schweiz - sausen sie zunehmend am Stau vorbei. Dass sie in Deutschland bisher kaum zu sehen waren, lag daran, dass sie kaum zugelassen wurden. Und wer sie auf der Straße nutzte, dem drohten eine Geldbuße und ein Punkt in Flensburg. Mit der Anpassung des Verkehrsrechts hat sich das geändert.
Die Gesetzesänderung sieht eine neue Fahrzeugkategorie für Elektrokleinstfahrzeuge mit Tempo 12 bis 20 vor. Sie bietet die straßenverkehrsrechtlichen Voraussetzungen für die Scooternutzung auch in Deutschland. Die Länderkammer hat der neuen Verordnung über Elektrokleinstfahrzeuge am 17. Mai 2019 zugestimmt. Am 15. Juni dieses Jahres ist sie in Kraft getreten. Tatsächlich auf den Straßen unterwegs sind die Gefährte in größeren Zahlen seit Anfang Juli.
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Keine E-Tretroller auf Gehwegen

In einem Punkt haben sich die Bundesländer gegen das Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer jedoch durchgesetzt: Der Gehweg und Fußgängerzonen bleiben für die Tretroller tabu. Lediglich Radwege und Radfahrstreifen dürfen mit den Scootern befahren werden, das Tempo spielt hier keine Rolle. Der ursprüngliche Entwurf des Ministeriums sah vor, dass langsame E-Scooter, die höchstens 12 km/h fahren, auch Gehwege nutzen dürfen. Gibt es weder Radwege noch Radfahrstreifen, muss die Fahrbahn genutzt werden.
Wer einen E-Scooter fahren will, braucht eine Zulassung für das Gefährt. Nur Elektrokleinstfahrzeuge, die über eine Lenk- oder Haltestange verfügen, sowie E-Tretroller oder Segways entsprechen der neuen Verordnung. Und die gilt nur für Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h. Elektrische Fahrzeuge ohne die Haltestange, etwa sogenannte Hoverboards, Monowheels oder E-Skateboards, dürfen auch weiterhin nicht in den Straßenverkehr.

E-Scooter-Fahrer müssen mindestens 14 sein

Hersteller müssen die Roller mit entsprechenden Papieren ausliefern. Darauf sind unter anderem die Genehmigungsnummer der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) und die Fahrzeug-Identifizierungsnummer vermerkt. Die Papiere muss man nicht wie beim Mofa unterwegs immer dabeihaben, aber sicher verwahren. Ein Fabrikschild am Gefährt muss die Daten zudem anzeigen.
Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein. Nur eine Person darf mit dem Roller fahren. Weitere Mitfahrer - auch Kinder - sind nicht erlaubt. Anhänger sind ebenfalls verboten. Wer einen E-Scooter kauft, muss das Gefährt bei der Versicherung anmelden und auch jedes Jahr ein neues Versicherungskennzeichen besorgen. Den Aufkleber gibt es in den Geschäftsstellen der Versicherungen oder per Online-Bestellung. Es kostet rund 40 Euro.

Tretroller in der Bahn mitnehmen?

In ICEs und Intercitys dürfen die Gefährte nach Angaben der Bahn als Handgepäck kostenlos an Bord - aber nur zusammengeklappt unter oder über dem Sitz. Der Akku muss im Roller bleiben. Ersatzakkus gelten als Gefahrengut und dürfen nicht im Zug transportiert werden. Im Zug aufgeladen werden dürfen E-Scooter auf keinen Fall. Die Leistung der Steckdosen im Zug reicht dafür nicht aus.
Im Zug lassen sich die teuren Gefährte - sie kosten zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Euro - am besten mit einer Tasche vor Schäden schützen. Diebstahl ist ein weiterer Punkt. Je nach Modell bieten sich Schlösser wie bei Fahrrädern an, etwa ein ausziehbares Stahlkabel mit Zahlenschloss, ein Bremsscheibenschloss mit Stahldraht oder Diebstahlsicherungen in O-Form für das jeweilige Rad. Teilweise lassen sich die Roller per App elektronisch sichern und eventuell auch per GPS orten.
Ist der Roller nicht klappbar, ist für den öffentlichen Nahverkehr in Bus und Bahn in der Regel ein Fahrschein notwendig - also auch in der S-Bahn. Dann nämlich wird der E-Scooter wie ein Fahrrad statt wie eine Sache behandelt und die Beförderung ist kostenpflichtig. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) teilte dies auf Anfrage am Mittwoch, den 17. Juli 2019 mit.

Diese Bußgelder drohen bei Verstößen

Wer ohne allgemeine Betriebserlaubnis im Verkehr fährt, muss mit einem Bußgeld von 70 Euro rechnen. Wer auf dem Gehweg rollert, riskiert zwischen 15 und 30 Euro. Fehlen erforderliche technische Teile wie das Licht, können 20 Euro Bußgeld folgen. Und wer ohne den nötigen Aufkleber der Versicherung unterwegs ist, muss mit 40 Euro rechnen.
Zum Problem wird auch vorhergehender Alkoholkonsum. Die Promillegrenze liegt für Fahrer ab 21 Jahren bei 0,5 Promille. Wer mit 0,5 bis 1,09 Promille fährt und keine alkoholbedingte Auffälligkeit zeigt, bekommt einen Bußgeldbescheid. Das bedeutet regelmäßig 500 Euro sowie einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Wer mit mindestens 1,1 Promille unterwegs ist, begeht eine Straftat. Das kann aber auch schon ab 0,3 Promille bei alkoholbedingten Ausfallerscheinungen der Fall sein.
Bei jüngeren Fahrern bis einschließlich 20 Jahr gilt die Null-Promille-Grenze. Zwar reguliert die Kfz-Haftpflichtversicherung grundsätzlich Schäden Dritter, auch wenn der Fahrer etwas getrunken hatte. Unter Umständen und je nach Einzelfall kann der Versicherer den Fahrer in Regress nehmen, das ist sogar schon ab 0,3 Promille möglich.

E-Scooter-Verleih hat begonnen

Inzwischen ist auch der Verleih gestartet. Mehrere Firmen, die sich auf die Herstellung und das Verleihen von E-Scootern spezialisiert haben, haben ihre Roller bereits verteilt. Die Firma Lime, deren limettengrüne E-Bikes über die Berliner Innenstadt verteilt stehen, vermietet nun auch Scooter. Ihnen zuvor kam der Anbieter Circ. Auch Tier und Voi bieten Roller minutenweise an.
Und so funktioniert das Verleihsystem: Wer einen E-Scooter mieten will, muss eine App des jeweiligen Rolleranbieters auf das Smartphone herunterladen. Abgerechnet wird in der Regel nach Fahrtzeit über die Kreditkarte. Zehn Minuten kosten meist zwischen zwei und drei Euro. Um zu starten, stößt man sich zwei bis drei Mal ab. Der Rest funktioniert mit einem Hebel am Lenker. Bei fast allen gibt es auch eine Handbremse und einen Ständer zum Abstellen.
E-Scooter richtig abstellen - Nutzer müssen auch das wissen. Die Gefährte dürfen bisher grundsätzlich am Straßenrand, auf Bürgersteigen und Grünstreifen oder in Fußgängerzonen parken. Sie dürfen dabei andere Verkehrsteilnehmer aber nicht behindern. Zum Beispiel dürfen sie keine Rettungswege für die Feuerwehr blockieren. An Kreuzungen dürfen sie die Sicht anderer nicht stören. In Berlin ist es seit Anfang August 2019 verboten, E-Scooter rund das Brandenburger Tor und das Holocaust-Mahnmal abzustellen. Ab 2020 soll auch das Parken auf sämtlichen Gehwegen der Hauptstadt tabu sein.

Tretroller werden kontrovers diskutiert

Trotz des schnellen Aufstiegs der zehn bis 20 Kilo schweren Scooter sind nicht alle glücklich über deren Erfolg. In San Francisco wurden die Motorroller in Bäumen oder gar im Wasser der Bucht gefunden. Probleme gibt es auch, weil man die Scooter überall parken kann. Sie stehen mitten auf Gehwegen und blockieren Einfahrten. Auch das schnelle Fahren auf Bürgersteigen löst Unruhe aus und nervt die Fußgänger. Wie gut das Miteinander auf Straße und Radweg gelingt, wird sich zeigen.

Tipps: Sicher unterwegs mit dem E-Scooter

Man gewöhnt sich schnell an Beschleunigung und Geschwindigkeit auf dem E-Scooter. Damit steigen aber auch die Gefahren. Bei 20 km/h sind etwa im Falle eines Sturzes oder einer Kollision schwere Verletzungen möglich. Fahrer sollten unbedingt einen Helm tragen, da Kopfverletzungen bei derartigen Unfällen sehr häufig sind.
Generell sollte defensiv und rücksichtsvoll gefahren werden, um sich selbst und andere nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Das gilt allerdings für alle Verkehrsteilnehmer. Gut zu wissen: Je stabiler der E-Scooter und je größer der Raddurchmesser, desto sicherer fährt man. Bei kleinen Rädern lässt sich das Fahrzeug durch Hindernisse schneller aus der Balance bringen.
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Quelle: BerlinOnline/dpa/Süddeutsche Zeitung

| Aktualisierung: Mittwoch, 4. September 2019 09:01 Uhr