Mercedes A-Klasse: Golf der Generation Smartphone

Mit der vierten Generation der Mercedes A-Klasse beginnt beinahe eine neue Auto-Ära. Doch mit dem Fahren hat der Fortschritt nur noch wenig zu tun.
Mercedes-AMG A-Klasse
Neues Design, neue Motoren, neues digitales Bediensystem: So geht die Mercedes A-Klasse in die vierte Runde. © dpa

Wenn Mercedes im Mai 2018 ab zunächst 30.232 Euro die vierte Generation der A-Klasse an den Start bringt, lassen die Schwaben nicht nur Konkurrenten wie den Audi A3 oder den VW Golf alt aussehen. Dagegen verblassen auch die eigenen Autos. Der kleinste Mercedes soll zum großen Helden der Generation Smartphone werden. Möglich wird das mit einem neuen Infotainment- und Bediensystem.

Cinemascope mit Fingerspitzengefühl

Dafür montiert Mercedes im Cockpit unter dem ersten Head-Up-Display für die A-Klasse eine freistehende Digital-Konsole, die sich über die halbe Wagenbreite erstreckt. Sie birgt neben den animierten Instrumenten mit noch mehr individuellem Gestaltungsspielraum einen zweiten großen Monitor für Navi und Co, der jedes iPad in den Schatten stellt.

Nicht nur die Grafiken sind schärfer als auf einem Tablet und die Menüs verständlicher. Zum ersten Mal in einem Mercedes kann man den Bildschirm endlich auch mit den Fingern bedienen und durch die Anzeigen swipen und scrollen wie bei einem Smartphone. Spätestens wenn man zum ersten Mal die aus Karten, Livebildern und Abbiege-Hinweisen generierten Navigationsanzeigen sieht, wähnt man sich endgültig in der virtuellen Realität.

Mercedes A-Klasse hört aufs Wort

Zwar ist die Bedienung damit so einfach wie nie zuvor und es braucht weniger Schalter und Tasten denn je. Doch kommt der Touchscreen eigentlich zu spät. Denn Kernelement dieser im Slang der Generation Smartphone «User Experience» genannten Bedienphilosophie ist eine Sprachsteuerung, die jede andere Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine überflüssig macht.

Wie mit Apples Siri oder Amazons Alexa pflegt man den freien Dialog: Egal, ob man nun einen Song abspielen, die Sitzheizung aktivieren oder ein Sonderziel suchen möchte - man sagt einfach «Hallo Mercedes» und redet darauf los. Statt dass man dafür mühsam Befehle büffeln muss, lernt lieber das Auto, merkt sich die Vorlieben des Fahrers und nimmt immer öfter automatisch die passenden Einstellungen vor.

Neue Ansichten, neue Aussichten

Zwar definiert Mercedes diese User-Experience vor allem über Bits und Bytes. Doch auch sonst macht man in der neuen A-Klasse neue Erfahrungen. Zum Beispiel, weil es jetzt eine schmucke Ambientebeleuchtung bis in die Ausströmer der Klimaanlage gibt, weil die Übersicht durch schmalere Blechstege und größere Fenster besser geworden ist und weil sie auch ein bisschen mehr Platz bietet. Vor allem der Kofferraum legt zu und fasst jetzt 370 Liter.

So revolutionär das Innenleben auch sein mag, so evolutionär ist das Design. Nachdem sie Schwaben beim letzten Modellwechsel eine Kultur-Revolution angestoßen und die A-Klasse radikal verjüngt haben, rudern sie jetzt fast wieder ein wenig zurück. Ja, die Flächen sind noch stärker skulpturiert und die Linien sind weniger geworden, und wie der neue CLS trägt die neue A-Klasse eine Haifischnase. Doch gemessen am Interieur sieht das Auto von außen ziemlich alt aus.

Die Ingenieure geben nicht klein bei

Zwar bietet die A-Klasse tatsächlich vor allem digitalen Fortschritt und das Fahren selbst war in einem Auto selten so nebensächlich. Zumal einem auch noch nahezu alle Assistenzsysteme aus der S-Klasse die Arbeit am Lenkrad beinahe komplett abnehmen.

Doch so ganz geben sich die Ingenieure den Programmierern noch nicht geschlagen. Sie haben deshalb das Fahrwerk überarbeitet, die Lenkung verfeinert und für die Startaufstellung drei neue Motoren ausgewählt.

Mercedes A-Klasse: Die Motoren

Vorläufiges Basistriebwerk ist ein nur noch 1,3 Liter großer Vierzylinder mit 120 kW/163 PS für den A200, der sportlich und sparsam zugleich sein will. Denn wenn man es drauf anlegt, geht er mit bis zu 250 Newtonmeter zu Werke, beschleunigt in 8,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht bei Vollgas 225 km/h. Und wenn man es locker angehen lässt, legt er zwei Zylinder still und kommt so auf einen Normverbrauch von bestenfalls 5,2 Litern (CO2-Ausstoß 120 g/km).

Neben diesen Motor gibt es zunächst noch einen 2,0 Liter-Benziner mit 165 kW/224 PS für den A250 und als einzigen Diesel den A180d mit 1,5 Litern Hubraum und 85 kW/116 PS. Später allerdings folgen weitere Varianten, mit denen die Leistung steigt oder der Preis fällt. Außerdem gibt es dann auf breiter Front auch Allradantrieb.

Fazit: Auf dem Datenhighway vorn

Design, Antrieb, Ausstattung und Assistenzsysteme - bis dahin ist die neue A-Klasse nur ein sehr ordentlicher Kompakter. Doch mit dem neuen Infotainment-System fährt Mercedes auf dem Datenhighway in die Pole Position und lässt nicht nur die Konkurrenz alt aussehen, sondern zieht endlich gleich mit Elektronik-Riesen wie Apple und Co. Das macht die A-Klasse zum Golf der Generation Smartphone.

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Quelle: dpa
Aktualisierung: Mittwoch, 25. April 2018 11:04 Uhr

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