Audi e-tron: Alltagstaugliches Elektro-SUV mit Wumms

Audi e-tron: Alltagstaugliches Elektro-SUV mit Wumms

Endlich hat auch Audi sein erstes reines Elektroauto fertig: Ende des Jahres kommt der e-tron - und macht Jagd auf Tesla, Jaguar & Co.

  • Audi e-tron© dpa
    Audis erstes E-Auto beschleunigt in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, hat eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und eine Reichweite von über 400 km.
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    Der e-tron ist zum Jahreswechsel ab 79.900 Euro zu haben.
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    Kamera statt Außenspiegel: Das Kamerabild wird auf Displays in die Türen übertragen. Blickwinkel und Zoom-Faktor lassen sich nach Wunsch anpassen.
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    Der Kofferraum hat ein Fassungsvermögen von 600 Litern. Mit umgelegter Rückbank sind es bis zu 1725 Liter.
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    Innerhalb von 30 Minuten lässt sich der 95 kWh starke Akku an entsprechenden Säulen zu 80 Prozent aufladen.
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    Der e-tron wird von zwei E-Motoren angetrieben. Sie leisten zusammen 300 kW/408 PS.
Bislang war Tesla mit elektrischen Autos in der Oberklasse allein auf weiter Flur. Doch so langsam wird es eng in der Komfortzone für Firmenchef Elon Musk. Nicht nur Jaguar beginnt gerade mit der Auslieferung des i-Pace. Jetzt hat endlich auch Audi sein Akku-Auto fertig. Als erster deutscher Konkurrent schickt Audi zum Jahreswechsel 2018/2019 den e-tron gegen das Model X aus Kalifornien für Preise ab 79.900 Euro ins Rennen.
Angetrieben wird der Tesla-Herausforderer aus Deutschland von je einem E-Motor pro Achse. Zusammen leisten sie 300 kW/408 PS und gehen mit bis zu 664 Nm zu Werke. Obwohl der 4,90 Meter lange Wagen rund 2,5 Tonnen wiegt, beschleunigt er in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und wird von der Elektronik erst bei 200 Sachen eingebremst.

Audi e-tron auch fit in Kurven und Gelände

Lautlos aber spurtstark wie ein Sportwagen - das kennt man von anderen Elektroautos auch. Doch der e-tron ist nicht nur auf der Geraden schnell. Mehr als die Konkurrenz haben die Bayern Wert auf unterschiedliche Fahrsituationen gelegt und das Auto fürs Gelände genauso fit gemacht wie für die Kurvenfahrt.
Nicht umsonst lässt sich zum ersten Mal komplett das ESP ausschalten. Der Allradantrieb variiert seine Kraftverteilung je nach Untergrund und Fahrstil. Und die Luftfederung kann den Wagen im Gelände um fünf Zentimeter anheben oder um drei Zentimeter absenken - zugunsten des geringeren Luftwiderstandes und der höheren Reichweite auf der Autobahn sowie für einen niedrigeren Schwerpunkt auf einer kurvigen Straße.

Mehr als 400 Kilometer Reichweite

Gespeist werden die E-Motoren aus einem Akku mit einer Kapazität von stolzen 95 kWh, der sich dank 150 kW-Technik an entsprechenden Säulen binnen 30 Minuten zu 80 Prozent aufladen lässt. Damit der im strengen WLTP-Zyklus tatsächlich über 400 Kilometer Reichweite erzielt, zieht Audi alle Register: Der Wagen hat nicht nur eine ausgefeilte Aerodynamik und ein aufwendiges Thermo-Management. Er hat auch eine intelligente Bremsanlage. Sie setzt so lange wie möglich auf die Rückgewinnung der Energie durch den zum Generator umgepolten E-Motor («Rekuperation») und trägt damit rund ein Drittel zum Erzielen der Reichweite bei.
Nur das sogenannte One-Pedal-Fahren, bei dem schon das Lupfen des Gaspedals zum Bremsen reicht, beherrschen die Herren der Ringe nicht. Dafür sind die Rekuperationsstufen, die man mit den Wippen am Lenkrad einstellt, schlicht zu gering.

Auch der e-tron reitet die SUV-Welle

Verpackt ist die neue Antriebstechnik in einem SUV für die gehobene Mittelklasse, mit dem die Bayern kein Risiko eingehen. Denn erstens ist das weltweit gerade die erfolgreichste Fahrzeuggattung. Und zweitens erfordert das Design anders als etwa bei den BMW i-Modellen keine allzugroße Umgewöhnung. Man muss schon genau hinschauen, wenn man den e-tron am neuen, weitgehend geschlossenen Single-Frame-Grill und den angedeuteten Akku-Kühlrippen entlang des Wagenbodens als Elektro-Auto ausmachen will.
Innen macht der e-tron da schon ein bisschen mehr auf Zukunft - selbst wenn das Cockpit mit seinen digitalen Instrumenten, den wenigen Schaltern und den großen Touchscreens gefährlich nach Q8 & Co aussieht. Aber zum ersten mal in der Großserie ersetzen hier Kameras die Außenspiegel, weil die windschnittiger sind und so die Reichweite um bis zu 35 Kilometer erhöhen können. Sie spielen ihr Bild auf Displays in die Türen, auf denen man auf Fingerzeig sogar den Blickwinkel und den Zoom-Faktor ändern kann.

Mehr Platz als in einem normalen SUV

Der e-tron ist nicht nur moderner eingerichtet als ein konventioneller Geländewagen, er ist auch ein wenig praktischer. Weil er kein Getriebe mehr hat, ist vorn zwischen den Sitzen Platz für eine riesige Ablage. Weil es keine Kardanwelle mehr zur Hinterachse gibt, beeinträchtigt kein Mitteltunnel den Fußraum im Fond.
Und weil der Elektromotor samt Elektronik kleiner ist als jeder Verbrenner, hat der e-tron in der Front noch einmal ein Staufach von 60 Litern, in dem man zum Beispiel das Ladekabel transportieren kann. Hinten misst der Kofferraum 600 Liter und lässt sich mit dem Umlegen der Rückbank auf 1725 Liter erweitern.

Fazit: e-tron kommt spät, aber gewaltig

Elegant, dynamisch und in jeder Hinsicht alltagstauglich: Audi kommt mit dem e-tron spät, aber gewaltig. Zwar liegt der selbst proklamierte «Vorsprung durch Technik» diesmal nur in Details wie den gekühlten Motoren oder den intelligenten Bremsen. Doch immerhin fahren die Bayern mit ihrem SUV unter Strom aus dem Stand in der Spitzengruppe mit - und haben die deutschen Konkurrenten zum Teil deutlich hinter sich gelassen.

Quelle: dpa (Stand: Oktober 2018)

| Aktualisierung: Dienstag, 6. November 2018 11:38 Uhr