Lada Vesta SW: Keine Schönheit, aber billig

Lada Vesta SW: Keine Schönheit, aber billig

Der Lada Vesta ist einer der billigsten Kombis am Markt. Wirklich hübsch ist er nicht. Und steht er länger in der Sonne, riecht es nach Kleber. Doch nicht alles am Vesta ist schlecht.

  • Lada Vesta SW© dpa
    Billiges Auto mit viel Platz: der Lada Vesta SW.
  • Lada Vesta SW© dpa
    Die Instrumente im Cockpit sind schlicht, die Schalter sind grob. Gearbeitet wurde mit viel Plastik.
  • Lada Vesta SW© dpa
    Lada scheint den lustlosen und langweiligen Zeiten ein Ende setzen zu wollen: Auch auf den Stoffbezügen findet sich Dekor.
  • Lada Vesta SW© dpa
    Etwas behäbig: Der Vesta SW schafft den Sprint von 0 auf 100 km/h nicht in weniger als 12,4 Sekunden.
  • Lada Vesta SW© dpa
    Der Lada Vesta SW ist 4,41 Meter lang und kostet 1000 Euro mehr als die Limousine.
  • Lada Vesta SW© dpa
    Der Kofferraum ist mit 480 Litern Fassungsvermögen recht geräumig.
Wladimir Putin hat sich bislang am liebsten in der gestreckten S-Klasse durch Moskau chauffieren lassen und zum Start seiner neuen Präsidentschaft eine Luxuslimousine aus eigenen Landen entwickeln lassen. Doch wer an die Autoindustrie in Russland denkt, dem kommt nur Lada in den Sinn. Nicht umsonst stehen die Autos aus Togliatti seit Jahrzehnten für einfache aber unverwüstliche Mobilität.
Und der Geländewagen Nova ist nicht minder legendär als eine G-Klasse oder ein Defender. Aber auf diesem rustikalen Ruhm wollen sich die Russen nicht ausruhen und sind deshalb mit einer großen Produktoffensive in die Moderne aufgebrochen. Die größten Hoffnungen ruhen dabei auf den kompakten Vesta, der bei uns gegen Autos wie den Skoda Rapid, den Dacia Sandero oder den Fiat Tipo antritt und nun für Preise ab 12.990 Euro auch als Kombi angeboten wird.

Lada Vesta SW ist keine Schönheit

Zwar ist der 4,41 Meter lange Wagen, der exakt 1000 Euro mehr kostet als die Limousine, keine Schönheit. Erst recht nicht, wenn man ihn mit Designer-Modellen wie dem Seat Ibiza oder dem Peugeot 208 vergleicht. Doch waren Ladas früher nur konstruiert, ist der Vesta tatsächlich konturiert und zeugt mit einem stolzen Gesicht und markanten Formen auf der Flanke von der Arbeit eines Designers.
Die Designarbeit hat auch innen ihre Spuren hinterlassen: Nach wie vor ist das Cockpit eine Wüste aus hartem Plastik. Die Instrumente sind schlicht, die Schalter grob, die Sitze dünn und wenn man den Wagen länger in die Sonne stellt, dann riecht er streng nach Klebstoffen und Lösungsmitteln. Doch es gibt ein paar Dekorstreifen und eine schmucke Narbung auf den Kunststoffen, die Ziffernblätter haben ein paar Farbkleckse und die Stoffbezüge ein schmuckes Muster. Die lustlosen und langweiligen Zeiten bei Lada sind vorbei, so lautet hier die Botschaft und der Kunde hört sie wohl.

Ausstattung kann locker mithalten

Mehr noch als das Ambiente überrascht allerdings die Ausstattung. Denn zumindest gegen Aufpreis gibt es fast nichts mehr, was es nicht gibt im Lada. Nein, Assistenzsysteme wie eine Abstandsregelung oder den elektronischen Blick in den toten Winkel haben die Russen nicht zu bieten. Aber das bestellen auch bei uns fast nur die Dienstwagenfahrer und kaum je die Privatkunden.
Dinge, die wirklich wichtig und hilfreich sind, wie zum Beispiel die Klimaanlage, die Rückfahrkamera oder die Sitzheizung sind selbstredend erhältlich. Genauso übrigens wie eine für das frostige Russland sicher hilfreiche Frontscheibenheizung sowie Navigationstasten - selbst wenn das auf kyrillisch programmiert ist und man erst einmal auf die lateinischen Lettern wechseln muss.

Lada Vesta SW: Platz statt Prestige

Was dem Lada an Prestige fehlt, das macht er mit Platz zumindest teilweise wett. So kann man bei 2,64 Metern Radstand auch in der zweiten Reihe noch überraschend gut sitzen. Und wenn man - natürlich von Hand und ohne Gestensteuerung - die große Heckklappe öffnet, schaut man in einen Kofferraum mit ebenem Boden, glatten Seitenwänden und soliden 480 Litern Fassungsvermögen. Wenn das nicht reicht, kann man natürlich wie bei jedem Kombi die Rückbank umlegen.
Wenig Ansprüche darf man an den Antrieb stellen. Lada bestückt den Vesta ausschließlich mit einem antiquierten 1,6-Liter-Benziner und selbst von dessen 78 kW/106 PS kommt auf der Straße nicht viel an. Genauso wenig wie von den 148 Nm. Man muss deshalb schon oft und schnell die leider nur fünf Gänge wechseln, wenn man auch nur halbwegs flott vorankommen will.

Vesta schafft 180 Kilometer pro Stunde

Wobei flott in diesem Fall relativ ist. Denn in weniger als 12,4 Sekunden ist der Sprint von 0 auf 100 km/h nicht zu schaffen und mehr als 180 km/h sind auch mit dem längsten Anlauf nicht drin. Aber das stört nur auf den ersten Kilometern.
Denn sobald man mal etwas schneller in eine Kurve gefahren ist oder etwas stärker gebremst hat, freundet man sich wie von selbst mit der gemütlichen Gangart an. Zu lästig ist die Abstimmung und zu groß der Nervenkitzel, wenn man es anders probiert. Und nachdem schon der Normverbrauch bei 6,9 Litern (CO2-Ausstoß 157 g/km) liegt, verliert man erst recht die Lust am Rasen.

Fazit: Vesta bietet automobile Grundsicherung

Schlicht und schnörkellos, preiswert und praktisch - wer mit seinem Auto den Nachbarn imponieren will, der ist mit Putins Preisbrecher schlecht bedient. Doch wer ein billiges Auto mit viel Platz sucht und sein Geld lieber für etwas anderes ausgibt, der trifft mit dem Lada eine überraschend gute Wahl. Man muss, so die Quintessenz dieser Ausfahrt, kein Präsident sein und sich keine eigene Luxuslimousine bauen lassen, wenn man ein Auto aus Russland fahren will.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 27. Juni 2018 09:57 Uhr