Coronavirus
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    Verkehr  
 

Öffentlicher Personennahverkehr - Netzplanung

Verlängerung der S-Bahn über Spandau hinaus


Aufgabenstellung

Der Stadtentwicklungsplan Verkehr enthält in verschiedenen Planungskorridoren Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV-Angebotes, so auch die Verlängerung der S-Bahn über Spandau hinaus. Spandau ist derzeit über den Regionalverkehr sowie die S-Bahn ab Spandau (Altstadt) sowie teilweise über die U 2 (Ruhleben) an die Innenstadt angeschlossen. Die U-Bahnlinie U 7 erschließt weitere Stadtbereiche. Die innere Erschließung Spandaus erfolgt ausschließlich mit Bussen entweder zum S-Bahnhof Spandau oder in Richtung Bahnhof Zoologischer Garten.

Das Land Brandenburg hat im Landesnahverkehrsplan 2013-2017 die bisherigen Planungen für eine Verlängerung der S-Bahn vom Bahnhof Spandau nach Falkensee aufgegeben. Vor dem Hintergrund konnten und mussten die Überlegungen für eine Verlängerung der S-Bahn über den Bahnhof Spandau hinaus auf das Land Berlin beschränkt werden. So wurde betrachtet, welche Varianten vorstellbar wären und inwiefern diese baulich oder wirtschaftlich herstellbar wären.

Um zu klären, ob eine Verlängerung der S-Bahn auf Berliner Stadtgebiet erfolgen kann und soll, mussten die bisherigen Untersuchungen hinsichtlich des Nutzens einer solchen Maßnahme aktualisiert werden. Da für die Finanzierung auch Bundesfördergelder in Frage gekommen wären, wurde eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung des Bundesministeriums für Verkehr, der Deutschen Bahn AG und der Havelländischen Eisenbahn (HVLE) eingerichtet, die die Untersuchungen begleitet hat.

Das Vorhaben befindet sich derzeit in der Phase der planerischen Vorüberlegungen (Wirtschaftlichkeit und grundsätzliche Machbarkeit). Diese sind Grundlage für eine Entscheidung des Senats, ob weitere Finanzmittel zur Planungsvertiefung zum Einsatz kommen sollen. Die detaillierteren Planungen auf Basis der frühzeitigen Bürgerbeteiligung könnten später in ein Planfeststellungsverfahren münden.

Ziel

Ziel einer Verlängerung der S-Bahn über den Bahnhof Berlin-Spandau hinaus ist die Erschließung weiterer Siedlungsgebiete in Spandau mit einem attraktiven Schienenverkehrsmittel, die attraktivere Anbindung Spandaus an die Innenstadt und damit die Erhöhung des Anteils des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr in Berlin. Daraus würden Verbesserungen des Verkehrsflusses im Straßenverkehr und eine Verringerung der unerwünschten Folgen des Verkehrs (Lärm, Schadstoffe, Unfälle) möglich.

Darüber hinaus soll auch eine mögliche Weiterführung der S-Bahn bis Falkensee nicht ausgeschlossen werden.

Streckenführung

Um für spätere Fragestellungen in etwaigen Planfeststellungsverfahren rechtssicher zu sein, musste bei einer Aktualisierung der bisherigen Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen und mit Begrenzung auf das Berliner Stadtgebiet die Frage der möglichen und geeigneten Trassenführungen noch einmal ausgeweitet werden. Daher wurden vier alternative Trassenführungen auf Berliner Stadtgebiet betrachtet:
  • die direkte Weiterführung vom S-Bahnhof Spandau bis Albrechtshof mit Halt an der Nauener Straße und Hackbuschstraße (Variante 1a)
  • die direkte Weiterführung vom S-Bahnhof Spandau bis Albrechtshof mit Halt in Nauener Straße und Klosterbuschweg (Variante 1b)
  • die Verlängerung vom S-Bahnhof Spandau über Nauener Straße und unter Nutzung der Trasse der HVLE bis zur Falkenseer Chaussee mit optionalem Halt Seegefelder Straße (Variante 2a)
  • die Verlängerung vom S-Bahnhof Spandau über Nauener Straße und unter Nutzung der Trasse der HVLE bis nach Johannesstift mit Halt in Nauener Straße sowie Falkenseer Chaussee und mit optionalem Halt Seegefelder Straße (Variante 2b)


Die vier Varianten zeichnen sich durch unterschiedliche Randbedingungen und damit Vorteile sowie Angebotskonzepte aus:
  • Bei einer Verlängerung bis Albrechtshof würden die Wohn- und Siedlungsgebiete entlang der Hamburger Bahn direkt an das ÖPNV-Netz im Land Berlin angebunden werden. Hierbei ist bis Hackbuschstr. ganztägig ein 10-Minuten-Takt unterstellt, bis Albrechtshof ein 20-Minuten-Takt.
  • Bei einer Führung zur Falkenseer Chaussee würden die Siedlungen des Falkenhagener Felds direkt an die S-Bahn angebunden werden. Hieraus ergeben sich deutlich höhere Potenziale für eine Verkehrsnachfrage. In der Hauptverkehrszeit ist ein 10-Minuten-Takt und in der Nebenverkehrszeit ist ein 20-Minuten-Takt unterstellt.
  • Bei einer weitergehenden Führung bis Johannesstift würden weitere Siedlungsflächen an die S-Bahn angebunden. Dabei ist in der Haupt- und Nebenverkehrszeit ein 10-Minuten-Takt bis Falkenseer Chaussee unterstellt; in der SVZ und weiter bis Johannesstift ganztägig ein 20-Minuten-Takt


Sachstand

Zum jetzigen Zeitpunkt liegt eine Machbarkeitsstudie der DB AG vor, die die grundsätzliche Realisierbarkeit der Planungen bestätigt. Hieraus lassen sich folgende grundsätzliche Aussagen und weitergehenden Untersuchungsbedarfe ableiten:
  • Aufgrund der Bebauung zwischen Spandau und Nauener Straße ist eine Zweigleisigkeit in diesem Abschnitt nicht möglich.
  • Auf der Grundlage der vorliegenden Machbarkeitsstudie müssen keine Wohngebäude abgerissen werden.
  • Bei einer Variante nach Albrechtshof wäre im Abschnitt Hackbuschstr. eine Zweigleisigkeit unterstellt.
  • Auf der Strecke der HVLE ist Mischbetrieb mit Güterverkehr zu beachten.
  • In der Variante Richtung Falkenseer Chaussee sind für eine optimale Fahrplangestaltung und einen stabilen Betriebsablauf eine Zweigleisigkeit auf einer längeren Teilstrecke sowie eine niveaufreie Kreuzung mit der Seegefelder Straße anzustreben.
  • Ein Halt in Seegefelder Straße ist wegen der angestrebten niveaufreien Kreuzung nicht möglich.


Im weiteren Verfahren müssen hinsichtlich der tatsächlichen Realisierbarkeit der verschiedenen Varianten die unterschiedlichsten Fragen einer Klärung zugeführt werden.

Die vorliegenden Nutzen-Kosten-Untersuchungen konnten für drei der vier Varianten einen volkswirtschaftlichen Nutzen (Nutzen-Kosten-Indikator über 1,0) nachweisen, so dass diese drei Varianten für die Umsetzung grundsätzlich geeignet wären:
  • Verlängerung vom S-Bahnhof Spandau bis Albrechtshof mit den Haltestellen Nauener Straße und Hackbuschstraße,
  • Verlängerung vom S-Bahnhof Spandau mit der Haltestelle Nauener Straße unter Nutzung der Trasse der HVLE bis zur Endhaltestelle Falkenseer Chaussee sowie
  • Verlängerung vom S-Bahnhof Spandau mit den Haltestellen Nauener Straße und Falkenseer Chaussee unter Nutzung der Trasse der HVLE bis Endhaltestelle Johannesstift.


Damit wurde nachgewiesen, dass eine wirtschaftliche Verlängerung der S-Bahn möglich wäre und aufgrund der Randbedingungen der Standardisierten Bewertung eine Vorzugstrasse definierbar wäre. Dies ist eine Voraussetzung
  • um über den Landeshaushalt Mittel für die sukzessive Weiterführung der Untersuchungen bereitstellen zu können und
  • um beim Bund entsprechende Fördermittel beantragen zu können.


Im Rahmen einer vom VBB im Auftrag der Länder Brandenburg und Berlin durchgeführten Stadtumlanduntersuchung in 2016 wurde für die Strecke entlang der Hamburger Bahn neben einer S-Bahn-Verlängerung bis nach Falkensee oder Nauen – teilweise als Express-S-Bahn – auch eine Regionalverkehrslösung mit einbezogen. Eine weiter zu verfolgende Vorzugsvariante kann erst nach Abschluss weiterer Abstimmungen zwischen Brandenburg, Berlin, DB AG, Bundesregierung und weiteren Akteuren sowie vertiefender Untersuchungen erfolgen.