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Baum des Jahres 2011: Die Elsbeere
Wertvoll, aber kaum bekannt


Vom Kaukasus bis nach Südengland, von Marokko bis nach Polen reicht das Verbreitungsgebiet der Elsbeere (Sorbus torminalis). Schwerpunkte des natürlichen Vorkommens finden sich in Frankreich und auf dem Balkan. Diese Verbreitung der Elsbeere zeigt, dass sie wärmeliebend, ja sogar hitzeverträglich ist. Deshalb wächst sie bei uns weitgehend auf südexponierten, gerne auch steilen Hängen mit starker Sonneneinstrahlung. Die benötigte Wärme begrenzt auch ihre Höhenverbreitung: An Standorten mit mehr als 700 m Höhe wächst sie kaum noch.
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Blüten der Elsbeere
Blüten der Elsbeere
© Prof. Dr. A. Roloff
www.baum-des-jahres.de

Elsbeere im Sommer
Elsbeere im Sommer
© Prof. Dr. A. Roloff
www.baum-des-jahres.de

In den ersten Lebensjahren verträgt die Elsbeere Schatten. Dann benötigt sie viel Licht. Deshalb wächst sie eher an Waldrändern oder in der freien Landschaft als mitten im Wald. Ohne massives Eingreifen der Förster hat die Elsbeere im Wald keine Chance. Sie wird kaum über 25 Meter hoch. Wachsen Nachbarbäume wie Ahorn und Eiche ihr über die Krone, ist es um sie geschehen.

In Deutschland ist die Elsbeere selten geworden, dafür aber fast überall vertreten. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Elsbeere als Brennholzspender große wirtschaftliche Bedeutung. Die Elsbeeren wurden gehauen, wenn sie etwa bierdeckeldick waren, und schlugen dann wieder aus dem Stock aus. Das nannte man "Niederwaldwirtschaft". Da die Elsbeere zusätzlich Wurzelbrut bildet, deren Triebe nach einem Jahr bereits einen Meter lang sein können, hatte sie hierbei gute Startchancen.

Wollte man Bauholz erzielen oder Bäume mit speziellen Holzeigenschaften fördern - das Holz der Elsbeere ist besonders hart - so ließ man diese Bäume in "Mittelwaldwirtschaft" länger stehen. Hier bekam die Elsbeere durch die Freistellung mehr Licht und konnte Wurzelbrut entwickeln, sich also die Konkurrenz der Stockausschläge anderer Bäume "vom Stamm halten". Seit Brennholz nicht mehr die Rolle spielt und der heute allgemein übliche "Hochwald" die Schattenbaumarten fördert, wurden Lichtbaumarten, wie die Elsbeere, zurückgedrängt. Auch deshalb sind diese Bäume heute so selten geworden.

Auf optimalen Standorten kann die Elsbeere Stammdurchmesser von über einem Meter erreichen. Elsbeerenholz ähnelt mit seinem leicht ins rötliche gehenden Farbton der Birne, ist aber strukturreicher. Zäh und elastisch, fest und gut polierbar, ist es gleichzeitig hart und schwer. Die Preise für das Holz der Elsbeere liegen oft über denen von Bergahorn und Nussbaum. Der Klimawandel könnte nun dazu führen, die Elsbeere wieder konkurrenzkräftiger wird, denn sie verträgt Trockenheit im Sommer besser als die auf ähnlichen Böden wachsende Buche und auch Stürme werfen sie kaum um. Damit hat die sie ihre Chance für die Zukunft. Es könnte sich bald wieder lohnen, Elsbeeren zu pflanzen! Im Berliner Revier Hermsdorf stehen seit kurzem fünf junge Elsbeeren am dortigen Wildgehege - schauen Sie doch mal vorbei!

Quelle und weitere Informationen: pfeil_rechts_3366cc www.baum-des-jahres.de.