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Baum des Jahres 2005: Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L)


Wie der Vorsitzende des Kuratoriums Baum des Jahres, Dr. Silvius Wodarz am 11.11.04 in Berlin bekannt gab, ist die Rosskastanie der Baum des Jahres 2005.
Schirmherrin ist Frau Prof. Dr. Däubler-Gmelin, MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages.

Mit der Rosskastanie, botanisch Aesculus hippocastanum L, steht eine der schönsten, bekanntesten und beliebtesten Stadt,- Park,- und Alleebaumarten für das Jahr 2005 im Mittelpunkt.

Selbst Kinder kennen und lieben diese Baumart schon - ebenso wie Erwachsene, denn sie macht uns viermal im Jahr Freude: im Winter mit ihren großen Knospen, im April beim Erscheinen der großen gefingerten Blätter, im Wonnemonat Mai mit ihrem orchideenhaften Blütenmeer und im Herbst mit goldfarbenen Blättern und vor allem den großen glänzenden Samen (bis zu 20 g !). Sie ist der ideale Schattenspender in den Straußwirtschaften und Biergärten. Schwarzer Schatten - leuchtende Kerzen -- aber braune Kronen, denn die Rosskastanie kämpft derzeit mit einem Schädling, der ihr Blätterkleid schon im Juli zerfrisst und verbräunt: die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella).
 
Durch Miniermotten geschädigte Kastanie
Durch Miniermotten geschädigte Kastanie

Blattfraß durch Miniermotten
Blattfraß durch Miniermotten

Früchte der Rosskastanie
Früchte der Rosskastanie
© www.baum-des-jahres.de
Die Rosskastanie ist nicht mit der Ess- oder Edelkastanie zu verwechseln - deren Früchte, die Maronen, sind für Menschen essbar, die Früchte der Rosskastanie aber nicht. "Sie hat das Wort Ross als Beinamen, weil sie erkrankten Pferden, besonders bei Husten und Wurmkrankheiten, Erleichterung verschafft." Das berichtete der Arzt Willem Quackelbeen 1557 aus der Hauptstadt des Osmanischen Reiches Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, seinem Kollegen Pier Andrea Mattioli Leibarzt am Prager Hof. 1576 pflanzte Carolus Clusius, kaiserlicher Direktor der botanischen Gärten in Wien, die ersten Rosskastanienbäume. Von dort war die rasch wüchsige Rosskastanie schließlich am Ende des siebzehnten Jahrhunderts in ganz Europa angekommen.

Die Heimat der Rosskastanie ist in den Mittelgebirgen Griechenlands, Albaniens und Mazedoniens zu finden. Dorthin hatte sie sich während der Eiszeiten zurückgezogen. Vorher war sie auch bei uns heimisch, hat aber die Rückwanderung nicht mehr geschafft - ebenso nicht wie die Esskastanie und die Walnuss. Erst der Mensch hat sie wieder nach Mitteleuropa gebracht. Inzwischen kommt sie bei uns sogar in Höhenlagen von über 1000 m vor. Sie wächst auch in Skandinavien.

Am Habitus der Rosskastanie fällt schon von weitem ihre wolkige, "unregelmäßige" Kronenstruktur auf. Sie bildet große, auf Grund von Harzausscheidung glänzende Knospen, die kleben. Die Blätter stehen gegenständig am Spross und sind gefingert - 5 bis 7 Fiederblättchen, die alle vom Ende des Blattstiels ausgehen. Die Rosskastanie ist der einzige hier heimisch gewordene Baum, der über solche gefingerten Blätter verfügt. Die Blätter sind an der Ansatzstelle der Fiederblätter beweglich. Die Rosskastanie vollzieht einen Tag-Nacht-Rhythmus der Blattstellung. Häufig erkennt man beim genauen Betrachten des Stammes mit seiner groben, grauen Schuppenborke, dass er drehwüchsig ist. Die Holstrukturen sind nicht senkrecht orientiert sondern "verdreht". Sie ist sehr empfindlich gegen Streusalz.
Rosskastanien können bis 2m dick, 25 - 30 m hoch, bis 300 Jahre alt werden. Das Holz ist fast bedeutungslos.
Die Blüten öffnen sich Ende April oder Anfang Mai. Sie tragen 5 auffällige kremig-weiße Kronblätter und sind zu Hunderten in verzweigten, großen, kerzenartigen, "leuchtenden" Blütenständen vereinigt. Der Baum präsentiert ein herrliches Blütenmeer. Die Blüten verdienen besondere Beachtung. Wenn sie sich öffnen, leuchtet ein gelbes Mal, das so genannte "Saftmal" an den beiden oberen Kronblättern. In den nächsten Tagen verändert sich die Farbe des Flecks in ein leuchtendes Rot. Dieser Wechsel ist nicht nur dekorativ sondern wirkt wie eine Ampel auf die bestäubenden Insekten, denn nur von den gelben Blüten wird Nektar produziert, sie werden von den Insekten angeflogen. Ist die "Ampel" auf rot geschaltet, ist die Nektarproduktion erloschen - der Besuch lohnt sich dann für Insekten nicht mehr. So stellt die Rosskastanie den gelenkten Besuch der bestäubungsbereiten bzw. Pollen spendenden Blüten sicher.

In Berlin ist die Rosskastanie insbesondere in Grünanlagen, Innenhöfen und als Straßenbaum verbreitet. Etwa 22.000 Exemplare säumen die Berliner Verkehrswege und machen sie zum fünfthäufigsten Straßenbaum - im Wald dagegen sind nur ungefähr 0,02 % aller Bäume Rosskastanien.

Die Kastanienminiermotte hinterlässt folglich vor allem im Stadtgebiet deutliche Spuren. Sie wurde erst 1984 in Mazedonien entdeckt. Die Ausbreitung erfolgte vor allem als "blinder Passgier" in Fahrzeugen. Es entwickelten sich zunächst in größeren Abständen Befallsinseln um Autobahnrastplätze und Bahnhöfe, bevor von dort die Flächenausbreitung über ganz Europa einsetzte. Ausführliche Informationen zur Miniermotte in Berlin finden sich unter

Es ist der Rosskastanie zu wünschen, dass in "ihrem" Jahr die Forschung Fortschritte macht.
Kaum eine andere Baumart bietet der Naturheilkunde so viel wie die Rosskastanie. Man verwendet Inhaltsstoffe von Rinde, Blättern, Blüten und Früchten für kosmetische Produkte, Farben und Schäume und vor allem auch für Medikamente - sehr bekannt und geschätzt die Durchblutung fördernde Wirkung bei Venenleiden.

Quelle: pfeil_rechts_3366cc www.baum-des-jahres.de.