Bauen  
 

Straßen und Brücken für Berlin

Mühlendamm/ Molkenmarkt/ Grunerstraße/ Klosterviertel - Die Planung


Voruntersuchungen

Im Vorfeld wurden umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt, um eine vollständige, eindeutige Planung für den reibungslosen Bauablauf zu schaffen.

Im Rahmen der Bebauungsplanbearbeitung wurde bereits eine Umweltprüfung vorgenommen, die im B-Plan 1-14 in Kapitel II – Umweltbericht – vollständig eingearbeitet ist. In dieser werden unter anderem die Schwerpunkte des Schallschutzes, der Schadstoffbelastung und der Vegetationsflächen behandelt. Relevante Ergebnisse sind zum einen die schallschutztechnischen Anforderungen, die durch ergänzende Maßnahmen an Bestandsgebäuden im Einflussbereich der Hauptverkehrsstraßen erreicht werden sollen, als auch die Maßnahmen zur Einhaltung der Immissionsgrenzwerte an der zukünftigen Gebäudeecke Molkenmarkt / Grunerstraße. Außerdem kommt es während der Baumaßnahme zu erheblichen Änderungen und Verlust von Vegetationsflächen. Diese werden im Zuge des Baus entlang der neuen Straßenzüge durch Ersatzpflanzungen und neue Grünflächen ausgeglichen. Insgesamt werden ca. 140 Straßenbäume neu gepflanzt.

Lageplan
Die neuen Verkehrsführungen wurden unter Berücksichtigung der Strategien des "Stadtentwicklungsplans Verkehr und den Verkehrsprognosedaten des Landes Berlin 2025" geplant. Die verkehrliche Leistungsfähigkeit wurde durch Gutachten im Zuge der Aufstellung des Bebauungsplans 1-14 nachgewiesen.

Planungsstand

Durch den B-Plan 1-14 wurde das Erfordernis eines Planfeststellungsverfahrens für den Hauptstraßenzug aufgehoben (Kapitel V.6). Die planfeststellungs­ersetzenden Inhalte für die Bundesstraße wurden dem B-Plan als Plan 2 beigefügt.

Bereits im Jahre 2007 wurde für den Hauptstraßenzug eine Vorplanung für die Festlegung des räumlichen Umfangs der Planfeststellungsersetzung durchgeführt. In ihr wurden die notwendigen verkehrstechnischen Anforderungen untersucht und aufgestellt. Im Jahre 2015 wurde diese Planung auf Grund neuer Randbedingungen angepasst. Hauptaugenmerk lag dabei auf der Verbesserung der Radwegführung.

Der neue Hauptstraßenzug, im Lageplan als Mühlendamm, Molkenmarkt und Grunerstraße (neu) bezeichnet, wird auch in Zukunft sehr stark befahren sein. Daher werden die Querschnitte und die Gestaltung weiterhin die Charakteristika einer großstädtischen Hauptstraße aufweisen. Es erfolgt eine dreistreifige Ausbildung der Fahrbahnen je Fahrtrichtung mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h. Durch die Umverlegung der Grunerstraße in den Verlauf der Gustav-Böß-Straße werden Kreuzungspunkte neu strukturiert. Die Verkehrsknoten Grunerstraße-Stralauer Straße und Grunerstraße-Mühlendamm-Spandauer Straße werden zukünftig durch eine Kurve verbunden und mittels Lichtsignalanlagen geregelt. So soll ein zügiger Verkehrsfluss für den motorisierten Individualverkehr sichergestellt werden. Um die Anbindungen an das umliegende Straßennetz zu gewährleisten, werden die Jüdenstraße, die Klosterstraße und die Parochialstraße bis zum neuen Hauptstraßenzug unter Berücksichtigung historischer Fluchten verlängert. In der Stralauer Straße wird die bisherige Querschnittsbreite beibehalten. Auf Grund des zukünftig geringeren Verkehrsaufkommens vom Mühlendamm in die Stralauer Straße (Linksabbieger Verbot) wird zu Gunsten breiterer Radschutzstreifen im Abschnitt bis zur Jüdenstraße nur eine Fahrspur angeboten. Auf der Gegenfahrbahn bleibt die zweistreifige Führung erhalten.

Für Fußgänger und Radfahrende werden attraktive Räume im Straßenland geschaffen und deren Verkehrssicherheit erhöht. Neben 2 Meter breiten gesonderten Radverkehrsanlagen – entweder als Radwege hinter den straßenbegleitenden Baumreihen oder als Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, werden zusätzliche Querungsmöglichkeiten getrennt für Fußgänger und Radfahrende angeordnet. Bushaltestellen werden barrierefrei ausgebaut. Der im Zuge der Errichtung des Parkhauses der Rathauspassagen hergestellte Geh- und Radweg im Bereich nordwestlich der Grunerstraße bleibt erhalten und wird in die neue Planung integriert.

Durch die Baumaßnahme werden die bisherigen Parkmöglichkeiten am Roten Rathaus entfallen. Alternativ stehen Parkplätze im Parkhaus an der Grunerstraße bzw. in der Tiefgarage unter der Alexanderstraße zur Verfügung.

Entsprechend der historischen Bedeutung des Areals und der gewünschten gestalterischen Aufwertung des gemäß den B-Planfestsetzungen geplanten Stadtquartiers werden hochwertige Materialien verbaut, welche zudem wesentlich robuster und dauerhaft haltbarer sind.
  • Im Straßenzug Mühlendamm-Molkenmarkt-Grunerstraße werden die Anlagen der Straßenbeleuchtung grundlegend mit LED-Leuchtmitteln neu konzipiert. Dabei wird das bestehende Beleuchtungskonzept im Umfeld des Alexanderplatzes mit Typ Urbi 3-Leuchten aufgegriffen und doppelarmige Leuchten, teils mit einer zusätzlichen Gehwegausleuchtung, errichtet.
  • Die Gehwege werden mit vergüteten, geschliffenen Berliner Platten mit typischen Bischofsmützen im Diagonalverband ausgestattet.
  • Die Fahrbahnen werden mit Natursteinborden aus Granit eingefasst.
  • Im Bereich des Molkenmarktes entstehen attraktiv gestaltete Platzflächen mit Baum- und Bankstandorten, die zum Verweilen einladen. Die Befestigung greift die Thematik der Alten Münze auf: Natursteine werden kreisrund in Anlehnung an Münzen gepflastert.
  • Die artenreichen Baumpflanzungen mit Amberbäumen, Gledisien, Ulmen und Japanischen Schnurbäumen erfolgen in einem hochwertigen Pflanzsubstrat. Daran schließt ein mit Lava angereicherter Boden an, der Wasser speichern kann und somit auch im Innenstadtbereich gute Wachstumsbedingungen schafft.
  • Die Baumscheiben entlang des Straßenzuges Mühlendamm-Molkenmarkt-Grunerstraße und im Bereich zusätzlicher Bushaltestellen werden mit einer wasser- und luftdurchlässigen gebundenen Abdeckung versehen, welche betretbar und leicht zu reinigen sind.
  • Hochwertige Strauchpflanzungen erfolgen in Grünbeeten zwischen Gehweg und Radweg in der Innenkurve des Molkenmarktes direkt neben dem Nikolaiviertel. Zum Schutz dieser Flächen wird ein Tiergartenband angebracht.
  • Die Mittelstreifen werden mit Rasen begrünt, um neben Versickerungspotentialen auch optisch und naturräumlich einen Akzent zu setzen.
  • Ausreichend stabile Fahrradabstellmöglichkeiten - Typ Kreuzberger Bügel - werden angeboten.
Im Bereich des Mühlendamms und im neuen Straßenabschnitt Molkenmarkt wird zwischen den Fahrtrichtungen eine Trasse für eine zukünftige Straßenbahnlinie freigehalten. Die BVG wird hierfür ein gesondertes Planfeststellungsverfahren durchführen. Die Vorbereitungen für das Planfeststellungs­verfahren laufen.

Die Ausführungsplanung und Vergabe der Bauleistungen für den Hauptstraßenzug wird im dritten Quartal 2019 abgeschlossen, sodass der Bau anschließend beginnen kann.

Parallel zu den Bautätigkeiten des Straßenbaus werden Versorgungsunternehmen sämtliche Leitungen an die neuen Straßenquerschnitte gemäß den Anforderungen an eine moderne Infrastruktur anpassen.

Voraussetzung sämtlicher baulicher Aktivitäten ist die Genehmigung der Verkehrsführung während der Bauzeit durch die Verkehrslenkung Berlin (VLB).

Zu den Quartierstraßen zählen die Klosterstraße von der neuen Grunerstraße bis zur Parochialstraße, die Jüdenstraße von der neuen Grunerstraße bis zur Stralauer Straße und die Parochialstraße sowie deren Verlängerung Richtung Nikolaiviertel in Form eines Fußgängerbereiches. Die Straßenzüge Klosterstraße, Jüdenstraße und Parochialstraße bleiben mit einem Fahrstreifen je Richtung erhalten und entsprechen damit gebietsinternen Erschließungsstraßen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Die Jüdenstraße vor dem Alten Stadthaus wird gemäß dem B-Plan 1-14 als verkehrsberuhigter Bereich konzipiert, der keinen Durchgangsverkehr zulässt. Dennoch hält die Gestaltung an der historischen Straßenführung der Jüdenstraße als sogenannte Radialstraße fest. Die Parochialstraße von Jüdenstraße bis Waisenstraße wurde nachträglich auf Grund ihres baulichen Zustandes Bestandteil der Straßenbaumaßnahme. Hiermit wird erreicht, dass sämtliche Quartierstraßen im Klosterviertel in einem einheitlichen Erscheinungsbild umgestaltet werden.

Alle Straßen im Baubereich werden mit einer neuen, energetisch effizienten Straßenbeleuchtung ausgestattet. Dem Quartiersstraßen­charakter entsprechend wurde ein LED-Nachbau der Gas-Hängeleuchte gewählt, die im Quartier bereits die Littenstraße ausleuchtet. Eine Anpassung der Versorgungsleitungen an die veränderte Straßenaufteilung und an die Nutzungsanforderungen der künftigen Häuser wird im Zuge der Baumaßnahme realisiert.

Die Konzeption der Quartiersstraßen befindet sich derzeit in der Vorplanung.

Wissenswertes

Während der gesamten Planung wurde eine enge Zusammenarbeit mit tangierenden Behörden, Versorgungsunternehmen, Stiftungen und künftigen Bauherren angestrebt. Vor allem das Landesdenkmalamt wurde für die archäologischen Erkundungen einbezogen. Auf diese Weise konnten die Grabungen der historischen Überreste mit dem Straßenbau vereint werden, um Kosten und Zeit zu sparen.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger werden über die weiteren Planungsaktivitäten mit Pressemitteilungen und Aktualisierungen im Internet auf dem Laufenden gehalten.
Die erforderlichen passiven schallschutztechnischen Maßnahmen an Bestandsgebäuden können auf Kosten des Vorhabenträgers (Land Berlin) von den Grundstückseigentümern vorgenommen werden. Die Kostenerstattung wird vertraglich mit den einzelnen Eigentümern geregelt.

Weitere tangierende Maßnahmen

Neben den archäologischen Grabungen wird durch die BVG die Tunnelabdichtung des U2-Tunnels in Höhe der Grunerstraße als vorgezogene Maßnahme zum Hauptstraßenzug erneuert. Die Leistungen sollen bis zum Beginn des Straßenbaus abgeschlossen sein. Die Tunneldeckensanierung des über 100 Jahre alten Tunnels wird anschließend in die Klosterstraße fortgesetzt. Der U2-Tunnel verläuft auf ganzer Länge unterhalb der Klosterstraße. Dies beeinflusst die Bauausführung der Quartiersstraßen. Beide Maßnahmen stehen daher im bauablaufmäßigen Zusammenhang.

Weitere Informationen