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Straßen und Brücken für Berlin

Archiv: Tunnel Tiergarten Spreebogen TTS - Der Ausbau und die Inbetriebnahme


Betonfertiger für die Notgehwege Abluftventilator Löschwasserentnahmestelle Aktuelles Baugeschehen

Straßenbau [Foto]

Der B96 Tunnel erhält eine Asphaltfahrbahn. Die Asphaltfahrbahnbreite beträgt 6 bis 11 m, sie wird beidseitig von den jeweils 1m breiten Notgehwegen [Foto] eingefasst. Der Notgehweg ist bewehrt und wird in einem Arbeitsgang mit einem Betonfertiger vor den Asphaltarbeiten hergestellt.

Die Asphaltbahn besteht im Wesentlichen aus drei Lagen.

Die Deckschicht ist ein Splittmastixasphalt 0/8 S mit 3,5 cm Dicke. Das Bindemittel Pmb45A nach TLPMB ist mit einem Kalkulationsbindemittelgehalt von 7 Gewichtsprozent eingebaut. Die Deckschicht wird aufgehellt, wobei die Polierresistenz der einzusetzenden Mineralstoffe besondere Beachtung fand. Die Aufhellung erfolgt im Interesse der Verkehrssicherheit und einer wirtschaftlichen Auslegung der Beleuchtungsanlage.

Die Zwischenschicht besteht aus Splittmastixasphalt 0/16 S. Sie wird in einer Stärke von 6,0 cm bis 7,5 cm eingebaut und enthält 6 Gewichtsprozent Bindemittel B 45.

Die untere Asphaltschicht, die Schutzschicht wird als Asphaltbeton 0/16 S mit einer Stärke von ca. 5,5 cm ausgeführt. Sie soll die Schubspannungen der Fahrbahn aufnehmen und Unebenheiten der Betonsohle ausgleichen.

Eine Besonderheit der Betonsohle ist die dynamisch gebettete Fahrbahn unter dem Potsdamer Platz. Die Fahrbahn ist hier auf "Gummipolstern" gelagert die Schwingungen von den darüber liegenden Bauwerken fernhalten sollen.

Der Schutz der Betonsohle vor den Einflüssen des Tausalzes erfordert unterschiedliche Abdichtungen. In Bereichen mit starkem Tausalzanfall wird die Betonsohle mit einer Epoxidharzdichtungsschicht versiegelt. In Bereichen mit weniger starkem Tausalzanfall reichen weniger aufwendige Standarddichtungen.

Sämtliche ca. 500 Blockfugen im Sohlbereich erhalten eine 0,50m breite Dichtung aus Gussasphalt und Epoxidharz.

Die Fahrbahn des B96 Tunnel erhält ca. 300 Straßeneinläufe. Die Straßeneinläufe sind über eine DN 300 Grundleitung an 3 Rückhaltebecken jeweils unterhalb der Betriebsgebäude angebunden. Die Rückhaltebecken werden mit einer Hebeanlage mit Anschluss an die öffentliche Kanalisation ausgestattet.

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Betriebstechnischer Ausbau / Verkehrstechnik

Ausstattung Straßentunnel [Foto]

Der Straßentunnel der B96 ist dadurch gekennzeichnet, dass er

  • auf einer Länge von ca. 2,5 km als innerstädtischer Richtungsverkehrstunnel geführt wird,
  • über mehrere Zu- und Abfahrten verfügt und private Anlieger erschließt,
  • sich automatisch den verschiedensten Verkehrszuständen anpassen muss.

Für den sicheren und ordnungsgemäßen Betrieb des Straßentunnels werden deshalb bauliche und verkehrstechnische, über die normale Ausstattung einer vergleichbaren Straße hinausgehende Einrichtungen erforderlich. Die Ausstattung erfüllt die, infolge der Brandkatastrophen in den Alpentunneln verschärften, Anforderungen der "Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT)" in der Fassung von 2003.

Es handelt sich dabei im Wesentlichen um folgende Einrichtungen:

Die Betriebsgebäude [Foto]

Die Einrichtungen der Betriebs- und Verkehrstechnik (z.B. Schalteinheiten für die Beleuchtung, Belüftung, Verkehrslenkung sowie Feuer- und Katastrophenschutz) sind in unterirdisch angeordneten Betriebsräumen untergebracht. Die drei Betriebsräume für den Straßentunnel liegen südlich des Hauptbahnhofs, am Kemperplatz und Reichpietschufer. Sie nehmen auch die Regenwasserpumpwerke und die Energieversorgungszentralen auf.

Tunnelleitzentrale Berlin (TLZ)

Die gesamten betriebstechnischen Anlagen des Tunnels und der Betriebsgebäude werden von der ständig besetzten Tunnelleitzentrale Berlin Tegel über ein betriebstechnisches Leitsystem gesteuert, optimiert und überwacht.

Tunnelbe- und –entlüftung [Foto]

Der erforderliche Frischluftbedarf für einen Straßentunnel richtet sich nach der Verkehrsdichte und den momentanen Fahrgeschwindigkeiten im Tunnel.

Im Normalfall sorgt die Kolbenwirkung des Verkehrs für eine ausreichende Frischluftzufuhr in den Straßentunnel. Bei zähfließendem Verkehr oder Stausituationen ist der Luftaustausch jedoch nicht mehr ausreichend. In diesen Fällen werden die in den Deckennischen eingebauten Strahlventilatoren automatisch in Betrieb genommen und die Tunnelluftgeschwindigkeit auf das erforderliche Maß gebracht.

Kurz vor den Portalen an der Invalidenstraße und am Reichpietschufer wird die ankommende Luft durch Abluftventilatoren seitlich aus den Tunnelröhren abgesaugt und durch Abluftkamine oberhalb der Umgebungsbebauung vertikal in die freie Atmosphäre ausgestoßen. Durch diese Maßnahmen wird die unzulässige Konzentration von Schadstoffen in den anliegenden Wohn- und Bürozonen und den Erholungsgebieten vermieden.

Lüftung Brandfall [Foto]

Die Längslüftung ist für eine Brandleistung von 50 MW und einer Längsgeschwindigkeit von 4 m pro Sekunde ausgelegt. Jede Tunnelröhre ist in vier Brandabschnitte untergliedert, wobei die Lüftungsgeschwindigkeiten in einer Selbstrettungsphase bei 2 m pro Sekunde gehalten werden. Das Abtreiben des Rauches erfolgt mittels kontrollierter Luftströmung auf eine Seite des Brandortes.

Sicherheitseinrichtungen für den Verkehr [Foto]

Im gesamten Tunnelbereich ist aufgrund des zu erwartenden Verkehrsaufkommens je Fahrtrichtung ein seitlicher Nothaltestreifen vorgesehen, der auch den Einsatzfahrzeugen in Notfällen eine freie Zufahrt zum Einsatzort bietet und bei Wartungsarbeiten als Ersatzfahrbahn mitgenutzt werden kann. Beidseitig der Fahrbahn bzw. des Nothaltestreifens sind Notgehwege vorgesehen.

Die Tunnelmittelwand erhält etwa alle 150 m Türen, durch die Fluchtwege in die benachbarte Röhre führen. Beleuchtete Piktogramme und Markierungen auf den Tunnelwänden weisen auf die Fluchttüren hin. Jeweils gegenüber den Fluchttüren werden in seitlichen Nischen Notrufstationen eingerichtet. Die Nischen werden mit Notrufmeldern und Trockenfeuerlöschern ausgerüstet.

Zusätzlich zu den Tunnelportalen und den Ausfahrtsrampen sind je Tunnelröhre drei Notausstiege [Foto] zur Geländeoberfläche vorgesehen.

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Videoüberwachung [Foto]

Zur Überwachung der Verkehrssituation im Tunnel und im Tunnelvorfeld sind feststehende und fernsteuerbare Videokameras in einem Abstand zwischen 75 bis 150 m vorhanden. Die lückenlose Videoüberwachung erfolgt ereignisorientiert und programmgesteuert.

In der Leitzentrale des Tunnels im Hauptbahnhof sind insgesamt 10 Farbvideomonitore installiert, über die sämtliche Kamerabilder angewählt und manuell oder automatisch auf die Monitore geschaltet werden können.

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Tunnelfunk

Der Tunnel wird mit einer Funkanlage ausgestattet, die die Funkkanäle nach RABT 2003 gewährleistet. Zusätzlich ist optional folgende Einspreisung möglich:

  • Funktelefonnetz C, D1 und D2, E Plus
  • Funkdienste im 70 cm Band (z. B. regionaler Bündelfunk, Modacom, TETRA u. a.)
  • Funkdienste im 2- und 4 m Band, z. B. ERMES
  • Funkdienste im UKW-Bereich

Aus Sicherheitsgründen wird die im Tunnel installierte Funkanlage beidseitig eingespeist, so dass bei Ausfall einer Einspeisequelle der Betrieb weiter aufrechterhalten bleibt.

Außerdem können im Tunnel bis zu 20 Radiosender ausgestrahlt werden. Auch in diese Sender kann im Notfall eingesprochen werden.

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Lautsprecheranlagen

Neben der Videoüberwachung ist der Tunnel mit einer Lautsprecheranlage ausgerüstet, mit deren Hilfe der Tunnelinnenraum sowie die Portalbereiche beschallt werden können. Einsprechmöglichkeiten sind in der Tunnelleitzentrale Berlin und in der Betriebszentrale Hauptbahnhof vorhanden.

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Manuelle Brandmeldeanlage

Im Bereich der Notrufstationen befinden sich Druckknopfmelder, über die eine manuelle Brandmeldung ausgelöst werden kann.

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Automatische Brandmeldeanlage

Zur Detektion möglicher Tunnelbrände ist an der Tunneldecke ein Sensorkabel angeordnet. Zusätzlich werden die Aufweitungsbereiche sowie Nebenbereiche mit Sensorkabeln ausgerüstet. Die Steuer- und Auswertgeräte befinden sich in den Betriebsgebäuden. Das Sensorkabel weist Sensoren im Abstand von 8 m auf, wobei der Temperaturmessbereich zwischen – 40 bis + 85 ° C und die Temperaturauflösung bei 0,1 ° C liegt.

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Brandnotbeleuchtung und Fluchtwegkennzeichnung [Foto]

Auf Fluchtweg- und Notausgänge wird durch Piktogramme im Abstand von 20 m hingewiesen. Neben der Fluchtwegkennzeichnung sind im Tunnel auch Brandnotleuchten vorhanden, wobei diese ebenfalls in einem Abstand von 20 m in einer Höhe von 90 cm über der Fahrbahn angeordnet sind.

Fluchtwegkennzeichnung und Brandnotbeleuchtung sind an die unterbrechungsfreie Stromversorgung angeschlossen.

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Löschwasserversorgung [Foto]

Die Löschwasserversorgung erfolgt mit einer Nassleitung über 2 getrennte Einspeisungen, wobei die Leitung durch den gesamten Tunnel geführt wird. Die Entnahmestellen mit je 2 B-Anschlusskupplungen befinden sich jeweils in den Tunnelmittelwänden in einer beidseitig erreichbaren Nische in Abständen von 120 m.

In den Betriebsgebäuden Hauptbahnhof und Kemperplatz sind jeweils eine Druckerhöhungsanlage angeordnet, über die ein Löschwasserdruck von 3 bis 10 bar bei einer Entnahmemenge von 40 l pro Sekunde über einen Zeitraum von 2 Stunden gewährleistet ist.

Verkehrstechnik

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Verkehrsleitkonzept

Neben dem Tunnelbauwerk werden die 4 oberirdischen Knotenpunkte Heidestraße, Invalidenstraße, Kemperplatz und Kanaluferstraße mit dem Tunnelbauwerk verknüpft.

Zusätzlich entstehen Anschlüsse aus dem Tunnel heraus an die Tiefgeschosse der Bauten von Daimler Chrysler und SONY. Weiterhin erfolgt mit direkter Ein- und Ausfahrt aus dem Straßentunnel ein Anschluss an die Tiefgarage Hauptbahnhof.

Für den zukünftigen Betrieb des Straßentunnels mit seinen Anschlussstellen ist eine Verkehrsbeeinflussungsanlage vorhanden. Diese besteht aus drei Maßnahmen:

1. Netzbeeinflussung

Für den gesamten Bereich des Straßentunnels einschließlich der Anschlussstelle ist eine Netzbeeinflussungsanlage errichtet. Sie soll mit Hilfe additiver Wechselwegweiser, Absperrschranken und unmittelbar über Kopf installierten Fahrstreifensignale die Verkehrsströme je nach Wahl eines Betriebszustandes umlenken.

2. Streckenbeeinflussung

Für den gesamten Verlauf des Straßentunnels einschließlich der Knotenpunktarme, die den Straßentunnel mit dem oberirdischen Straßennetz verknüpfen, ist eine Streckenbeeinflussung eingerichtet, wobei über Wechselverkehrszeichen auf Gefahrenstellen hingewiesen wird.

3. Knotenpunktbeeinflussung

Eine Knotenpunktbeeinflussung erfolgt an allen vier oberirdischen Anschlussstellen des Straßentunnels mit Hilfe von Lichtsignalanlagen und einer Wechselwegweisung. Zusätzlich sind die Knotenpunktsarme der Tunnelzufahrten mit Absperrschranken ausgerüstet.

Im Katastrophenfall (Brand) ist an den Ausfahrtsknotenpunkten Dauergrün vorzusehen, um den Tunnel schnellstmöglich zu räumen.

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Betrieb der Verkehrsbeeinflussungsanlage

Der Betrieb der Verkehrsbeeinflussungsanlage unterliegt dem Kompetenzbereich der Polizei und wird von der neuen Verkehrsregelungszentrale (VKRZ der Polizei) am Platz der Luftbrücke sowie einer neuen Unterzentrale (UZ) in dem Betriebsgebäude Hauptbahnhof betrieben.

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Verkehrsregelnde Maßnahmen im Tunnel

Im Tunnel sind Wechselvorwegweiser und 7 Wechselwegweiser in Prismentechnik vorhanden, wobei die Wechselwegweiser in Nischen an der Tunneldecke angeordnet sind. Die Wechselverkehrszeichen haben folgende Inhalte:

Oberer Anzeigequerschnitt:
- zulässige Höchstgeschwindigkeit 30 km/h und 50 km/h.

Für den unteren Anzeigequerschnitt:
- Gefahrenstelle
- Stau
- Überholverbot für Kfz. aller Art
- Ende des Überholverbotes für Kfz. aller Art.

Zur Sperrung des Tunnels bzw. von Teilabschnitten sind an den Tunnelzufahrten im Bereich der Verzweigungsstellen und an den Überleitbereichen Absperrschranken angeordnet, die horizontal in den Fahrbahnquerschnitt eingeschwenkt werden können.

Die Fahrstreifensignalisierung erfolgt mit faseroptischen Dauerlichtzeichen, wobei diese mittig über den Fahrstreifen an der Tunneldecke installiert sind.

Beleuchtung [Foto]

In den Tunneleinfahrtsbereichen wird die erforderliche erhöhte Lichtintensität durch die Verringerung des Leuchtenabstandes und durch Einzelleuchten erreicht (Anpassungsbeleuchtung). Die Leuchtdichte im Tunnel wird stufenlos, in Abhängigkeit von der Außenhelligkeit gesteuert.

Durch einen Anstrich der Wände mit einem hellen Farbton wird die Sicherheit erhöht.

Um bei einem Ausfall der Stromversorgung den Verkehr weiter aufrecht zu erhalten (u. U. bis zur Räumung des Tunnels), wird die Tunnelbeleuchtung teilweise an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung angeschlossen Für den Brandfall ist darüber hinaus eine Notbeleuchtung vorgesehen.

Schall- und Erschütterungsschutz

Die Tieferlegung der Entlastungsstraße ist nicht zuletzt auch eine Schallschutzmaßnahme, insbesondere für das Erholungsgebiet Tiergarten.

Zur Verhinderung von Mehrfachreflexionen an den Tunnel- und Trogwänden werden diese in den Portalbereichen mit einer hochabsorbierenden Auskleidung versehen.

Zur Beherrschung der Schallemissionen und der Erschütterungen, wurden im Bereich der LKW-Andienung von Daimler-Chrysler abgefederte Fahrbahnplatten eingesetzt.

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Probebetrieb

Das gesamte Sicherheitskonzept wurde in einer aufwändigen Probebetriebsphase in allen denkbaren Schaltkombinationen getestet. Brand- und Rauchversuche rundeten den wirklichkeitsnahen Test aller Komponenten ab.

Inbetriebnahme

Nach erfolgreichem Abschluss der Notfallübungen der Feuerwehr erfolgte die Verkehrsfreigabe am 26.03.2006.

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Baugeschehen (April 2005) [Foto]

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Baugeschehen: