Digitale Hauptstadt Berlin

Berlin Digital
Bild: SenBJW

Berlin wird 50 neue Professuren im Bereich Digitalisierung bekommen. Die Professuren sind Bestandteil des neuen Einstein Center Digital Future, das durch die Einstein Stiftung Berlin bewilligt wurde. In das neue Einstein Center sollen insgesamt 38,5 Millionen Euro innerhalb von sechs Jahren fließen. Möglich machen dieses bundesweit einmalige Projekt zahlreiche Partner aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik. Die Größenordnung dieser Allianz zwischen öffentlichen Körperschaften sowie Stiftern und Unterstützern ist für den Wissenschaftsstandort Berlin bisher einmalig.

Die Professuren

Die Professuren werden von den vier Berliner Universitäten berufen: der Technischen Universität Berlin, der Universität der Künste Berlin sowie der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin mit deren gemeinsamer medizinischer Fakultät, der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Auch die Beuth-Hochschule für Technik und die Hochschule für Technik und Wirtschaft werden Professuren einrichten.

Außerdem sind acht außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt: das Berlin Institute of Health, das Fraunhofer-Institut FOKUS, das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik – Heinrich-Hertz-Institut, das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, die Physikalisch Technische Bundesanstalt und das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin. Auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Bildung und Forschung beteiligen sich mit einer Professur.

20 Unternehmen engagieren sich in der Initiative. Von ihnen fließen insgesamt zwölf Millionen Euro in die Finanzierung der Professuren. Zu den Firmen gehören unter anderem die Berliner Wasserbetriebe, die Bundesdruckerei, Cornelsen, German-Turkish Advanced ICT Research Center, Intel, SAP, Telekom, Viessmann und Zalando. Auch das Land Berlin engagiert sich stark. Es gibt pro eingeworbenem Euro aus Unternehmen 50 Cent hinzu.

Einstein Center Digital Future

Im Einstein Center Digital Future wird in vier Wissenschaftsbereichen geforscht:

  • Digitale Infrastruktur, Methoden und Algorithmen
  • Digitale Industrie und Dienstleistungen
  • Digitale Gesellschaft und Geisteswissenschaften
  • Digitale Gesundheit

Interdisziplinär

Die Professuren sind ganz bewusst interdisziplinär angelegt und sollen an den Schnittstellen zu anderen Disziplinen forschen. Das Einstein Center Digital Future will ein hochschulübergreifender Nukleus für die Erforschung und Förderung digitaler Strukturen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft werden. Anstelle neuer Einzelinitiativen soll es mit dem Projekt in Berlin mehr Verknüpfungen geben, neue Formen der Zusammenarbeit, eine Konzentration auf innovative interdisziplinäre Spitzenforschung und exzellent ausgebildete junge wissenschaftliche Talente.

Das Einstein Center Digital Future hat eine geplante Laufzeit von sechs Jahren. Die erste Förderphase läuft vom 1. April 2017 bis 31. März 2020, die zweite – nach erfolgreicher Zwischenevaluation im Jahr 2018 – vom 1. April 2020 bis 31. März 2023.

Juniorprofessuren

Die meisten der 50 Professuren werden als Juniorprofessuren ausgeschrieben, die eine Laufzeit von sechs Jahren haben. Es werden auch W2/W3-Professuren sowie eine Gastprofessur eingerichtet. Zwei wichtige Anliegen bestehen darin, möglichst viele Wissenschaftlerinnen für die Professuren zu gewinnen und einen Teil der aus privaten und industriellen Mitteln finanzierten Professuren zu verlängern bzw. zu verstetigen.

Forschung

Die einzelnen Forschungsthemen der Professuren sind sehr vielseitig. Geforscht werden soll beispielsweise in den Bereichen

  • Smart Housing
  • Smart Cities
  • Smart Mobility
  • Digitale Bildung
  • Bioinformatik
  • Personalisierte Medizin
  • Digitale Diagnostik
  • Neue Methoden der Genomdatenanalyse
  • Biomedizinische Bildgebung und Semantische Datenintelligenz
  • Identitätsmanagement
  • Physikalische Grundlagen der IT-Sicherheit
  • Internet der Dinge
  • Wearable Technologies

Auch die Themengebiete Wasser- und Abwassersysteme 4.0, Digitalisierung und Arbeitswelt sowie Digitalisierung und multikulturelle Aspekte spielen eine Rolle.

Mit den Räumlichkeiten an der Wilhelmstraße direkt am Robert-Koch-Forum soll eine interdisziplinäre Forschungsumgebung geschaffen werden, in der die besten jungen „digitalen Köpfe“ aus der ganzen Welt mit den exzellenten Forscherinnen und Forschern der Berliner Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammenarbeiten und die Digitalisierung in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln, gestalten und vorantreiben. Somit bekommt das Einstein Center Digital Future mit seinen Professoren einen sichtbaren Ort im Zentrum der deutschen Hauptstadt. Der zentral gelegene Wissenschaftsstandort soll sich auch beständig zu einem öffentlichen Forum des Austausches zu wichtigen und aktuellen Fragen der Digitalisierung entwickeln.

Der IT- und Wissenschaftsstandort Berlin

Die vier wissenschaftlichen Kernbereiche des ECDF bauen auf der bereits bestehenden wissenschaftlichen Exzellenz Berlins auf. Dazu gehören neben den Universitäten – darunter die zwei Exzellenzuniversitäten Freie Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin – unter anderem

  • die universitären Cluster UniCat, Topoi, NeuroCure, „Bild.Wissen.Gestaltung.“, die durch die Exzellenzinitiative gefördert werden,
  • die an den Universitäten durch die Exzellenzinitiative geförderten Graduiertenschulen Berlin Mathematical School, Berlin-Brandenburg School for Regenerative Therapies, Berlin School of Mind and Brain und Berlin School of Integrative Oncology,
  • die drei Fraunhofer-Institute Heinrich-Hertz, FOKUS und IZM mit starkem IT-Bezug,
  • die drei von den Universitäten getragenen Einstein-Zentren für Katalyse, für Neurowissenschaften und für Mathematik sowie die neu bewilligten Zentren für Antik „Chronoi“ und Regenerative Therapien,
  • die 30 DFG-Sonderforschungsbereiche und 22 Graduiertenkollegs, die auch digitale Themen bearbeiten,
  • die 15 Einstein-Professuren und 24 Einstein Visiting Fellows
  • das bundesweite Big-Data-Kompetenzzentrum mit Sitz an der Technischen Universität Berlin.

Als 2014 die Gesellschaft für Informatik, die größte Vereinigung von Informatikerinnen und Informatikern im deutschsprachigen Raum, Deutschlands 40 digitale Köpfe wählte, waren zehn aus der Region Berlin/Brandenburg darunter.

  • 11300 Studierende waren im Wintersemester 2014/2015 in Berlin in IKT-affinen Studiengängen eingeschrieben.
  • 158 Informatik-Professorinnen und Professoren lehren derzeit in Berlin.
  • Rund 75 Millionen Euro an Fördermitteln fließen jedes Jahr an Unternehmen und Projekte der Informations- und Kommunikationstechnik, der Medien und der Kreativwirtschaft in Berlin.
  • In Berlin gab es 7300 Unternehmen der Digitalwirtschaft Berlin im Jahr 2013 und 75000 Erwerbstätige in der Digitalwirtschaft Berlin.
  • 11 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten die Berliner Unternehmen der Digitalwirtschaft im Jahr 2013. Das entspricht 5,5 Prozent des Gesamtumsatzes der Berliner Wirtschaft.