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Erfolgreicher Herbst für die Berliner Wissenschaft: Forscherinnen und Forscher werben über 110 Millionen Euro ein

Pressemitteilung vom 03.12.2020

Trotz Corona-bedingter Einschränkungen an Hochschulen und Forschungsinstituten konnten sich Berlins Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesem Herbst wieder mit ihren Forschungsideen in verschiedenen deutschen und internationalen Förderwettbewerben durchsetzen. Ihre erfolgreichen Spitzenforschungsvorhaben zu Künstlicher Intelligenz, in Medizin und Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften mit Partnereinrichtungen in Deutschland und Ländern wie Israel, Japan oder Frankreich werden vom Europäischen Forschungsrat (ERC) und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit insgesamt 110,6 Mio. Euro gefördert.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, hierzu: „Ich gratuliere allen beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und wünsche ihnen für die Umsetzung der Vorhaben viel Erfolg. Wir erleben derzeit vielleicht deutlicher denn je, wie viel Potenzial in einer international vernetzten Forschung steckt und ich freue mich sehr, dass Berlin dabei eine so aktive Rolle einnimmt. Diese ausgeprägte Kultur der Kooperation stärkt die Berliner Spitzenforschung und bringt unsere ganze Stadt voran.“

Internationale Kooperationen zu KI-Forschung, Medizin und Klimaschutz

In einem deutsch-japanisch-französischen Förderprogramm für Künstliche Intelligenz waren Teams der Freien Universität Berlin und der Technischen Universität Berlin erfolgreich, sie erhalten jeweils 2,4 Mio. Euro für ihre Projekte von der DFG. Den Zuschlag des renommierten Europäischen Forschungsrats für grenzüberschreitende Synergievorhaben erhielten gleich drei Verbünde mit Berliner Beteiligung, darunter ein Forschungsprojekt der Charité-Universitätsmedizin und der Tel Aviv University zu behandlungsresistenten Pilzinfektionen, sowie ein europäisches Netzwerk mit Biologen der Humboldt-Universität, das lichtgesteuerte molekulare Schalter erforscht und die Entwicklung von Gentherapeutika gegen menschliche Krankheiten entscheidend voranbringen will. Zusammen mit dem in Berlin-Mitte ansässigen Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change wird ein dritter europäischer Verbund gefördert, der sich interdisziplinär mit unkonventionellen Klimaschutzmaßnahmen kritisch auseinandersetzt. Die drei Verbünde werden mit insgesamt 28,9 Mio. Euro durch den ERC gefördert.

Förderung von fünf Sonderforschungsbereichen

Im DFG-Programm für Sonderforschungsbereiche, das zu den kompetitivsten Förderformaten gehört und die Bearbeitung besonders innovativer und aufwendiger Forschungsvorhaben ermöglicht, waren im November fünf Anträge aus Berlin erfolgreich, die zum Teil gemeinsam mit weiteren deutschen Universitäten eingereicht wurden. Dafür stellt die DFG insgesamt 66,4 Mio. Euro zur Verfügung. Neu bewilligt wurde der gemeinsame Sonderforschungsbereich von Charité und TU München „Gerichtete zelluläre Selbstorganisation zur Förderung der Knochenregeneration“, in dem zu Heilungsprozessen von Muskel-Skelett-Erkrankungen geforscht wird. Ebenfalls neu eingerichtet wird der Sonderforschungsbereich „Dynamische Hydrogele an Biogrenzflächen“ der Freien Universität, der die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien bei Lungen- und Magen-Darm-Erkrankungen zum Ziel hat.

Fortgesetzt wird ab Januar 2021 der transregionale Sonderforschungsbereich „NeuroMac“ der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit der Charité und weiteren Partner aus Freiburg und Israel, in dem Immunzellen im zentralen Nervensystem erforscht werden, was künftig eine verbesserte Behandlung von Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiples Sklerose oder Alzheimer ermöglichen könnte. Im ebenfalls zur Fortsetzung bewilligten SFB der Humboldt-Universität mit der LMU München „Rationalität und Wettbewerb” werden Verhalten und ökonomische Leistungsfähigkeit von Individuen und Unternehmen aus Perspektive der Verhaltensökonomie und der neoklassischen Wirtschaftswissenschaft untersucht. Fortgesetzt wird darüber hinaus an der Freien Universität der Sonderforschungsbereich „Proteinfunktion durch Protonierungsdynamik“, in dem Forschende Proteinfunktionen untersuchen.

Mit den neuen Bewilligungen steigt die Gesamtzahl der Sonderforschungsbereiche in Berlin auf nunmehr 35, davon sind 17 überregional ausgerichtet.

Im DFG-Programm für Graduiertenkollegs – das sind thematisch fokussierte Promotionsprogramme zur Nachwuchsförderung – wurden im November zwei Förderungen bewilligt. Im Oktober startet das neue Graduiertenkolleg der Freien Universität Berlin „Normativität, Kritik, Wandel“, ein weiteres an der Bauhaus-Universität Weimar mit der Technischen Universität Berlin „Identität und Erbe“ wird ab April 2021 fortgesetzt. Die Fördersumme beträgt insgesamt 10,5 Mio. Euro für einen Zeitraum von 4,5 Jahren. Damit werden aktuell 28 Kollegs in Berlin, davon 5 in Kooperation mit Universitäten im Ausland, gefördert.

Übersicht aller geförderten Projekte

Förderinitiative zu Künstlicher Intelligenz der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Agence Nationale de la Recherche (ANR, Frankreich) und der Japan Science and Technology Agency (JST, Japan)

1) Trilaterales Projekt „Forschung an Echtzeit-Compliance-Mechanismen für die KI“, Projektleitung: Professor Dr. Adrian Paschke, Freie Universität Berlin; Professor Dr. Jean-Gabriel Ganascia, Universität Sorbonne; Professor Dr. Ken Satoh, National Institute of Informatics, Tokyo

2) Trilaterales Projekt „Mehrsprachige wissensverbesserte Informationsextraktion für die Pharmakovigilanz“, Projektleitung: Professor Dr.-Ing. Sebastian Möller, Technische Universität Berlin; Dr. Pierre Zweigenbaum, Laboratoire d’Informatique pour la Mécanique et les Sciences de l’Ingénieur (LIMSI), Universitaire d’Orsay; Professor Dr. Yuji Matsumoto, Nara Institute of Science and Technology, Ikoma

Beide Projekte werden von den beteiligten Institutionen mit insgesamt rund 7 Millionen Euro drei Jahre lang gefördert. Dabei finanziert die DFG nur die Projektkosten, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland benötigt werden, also rund 2,4 Millionen Euro. Ebenso verfahren ANR und JST.

Synergy Grants des European Research Council ERC

1) “FungalTolerance: Unraveling the complexity of fungal drug tolerance at multiple scales of biology”
Prof. Dr. Judith Berman, Israel, Tel Aviv University
Prof. Dr. Markus Ralser, Deutschland, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Fördersumme: rund 9,7 Mio. Euro

2) “GENIE: GeoEngineering and NegatIve Emissions pathways in Europe”
Prof. Dr. Benjamin Sovacool, Dänemark, Aarhus Universitet
Prof. Dr. Jan Christoph Minx, Deutschland, Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), Berlin
Dr. Keywan Riahi, Österreich, Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse
Fördersumme: rund 9,2 Mio. Euro

3) “SOL: Switchable rhodOpsins in Life Sciences”
Prof. Dr. Gebhard Schertler, Schweiz, Paul Scherrer Institut
Prof. Dr. Peter Hegemann, Deutschland, Humboldt-Universität zu Berlin
Dr. Sonja Kleinlogel, Schweiz, Universität Bern
Prof. Dr. Robert Lucas, Großbritannien, The University of Manchester
Fördersumme: rund 10 Mio. Euro

Sonderforschungsbereiche, Deutsche Forschungsgemeinschaft

1) Sonderforschungsbereich (neu) „Gerichtete zelluläre Selbstorganisation zur Förderung der Knochenregeneration“, antragstellende Hochschulen: Charité – Universitätsmedizin Berlin (gemeinsam getragen durch Freie Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin), Technische Universität München (TUM) München, beteiligte Hochschule: Freie Universität Berlin, beteiligte Institutionen: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke Nuthetal, Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin Berlin, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Potsdam, Fördersumme: 14,5 Mio. Euro, inkl. 22-prozentige Programmpauschale

2) Sonderforschungsbereich (neu) „Dynamische Hydrogele an Biogrenzflächen“, antragstellende Hochschulen: Freie Universität Berlin, Technische Universität München (TUM) München, beteiligte Hochschulen: Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin, beteiligte Institutionen: Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) im Forschungsverbund Berlin e.V. Berlin, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Wissenschaftspark Potsdam-Golm Potsdam, Fördersumme: 13,6 Mio. Euro, inkl. 22-prozentige Programmpauschale

3) Sonderforschungsbereich/Transregio (2. Förderperiode) „Entwicklung, Funktion und Potential von myeloiden Zellen im zentralen Nervensystem (NeuroMac)“, antragstellende Hochschulen: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Charité – Universitätsmedizin Berlin (gemeinsam getragen durch Freie Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin), beteiligte Institutionen: Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik Freiburg, Weizmann Institute of Science Rehovot Israel, Fördersumme: 12,1 Mio. Euro, inkl. 22-prozentige Programmpauschale

4) Sonderforschungsbereich/Transregio (2. Förderperiode) „Rationalität und Wettbewerb: Die ökonomische Leistungsfähigkeit von Individuen und Unternehmen“, antragstellende Hochschulen: Humboldt-Universität zu Berlin, Ludwig-Maximilians-Universität München, beteiligte Hochschule: Technische Universität Berlin, beteiligte Institutionen: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. München, Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb München, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH (WZB) Berlin, Fördersumme: 14,3 Mio. Euro, inkl. 22-prozentige Programmpauschale

5) Sonderforschungsbereich (3. Förderperiode) „Proteinfunktion durch Protonierungsdynamik“, antragstellende Hochschule: Freie Universität Berlin, beteiligte Hochschulen: Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Justus-Liebig-Universität Gießen, Technische Universität Dresden
Hebrew University of Jerusalem, The Paul Baerwald School of Social Work & Social Welfare Jerusalem, beteiligte Institution: Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) Berlin, Fördersumme: 11,9 Mio. Euro, inkl. 22-prozentige Programmpauschale

Graduiertenkollegs, Deutsche Forschungsgemeinschaft

1) Graduiertenkolleg „Normativität, Kritik, Wandel“ (Einrichtungsantrag), antragstellende Hochschule: Freie Universität Berlin; Fördersumme: 5,3 Mio. Euro (darin enthalten ist eine 22-prozentige Programmpauschale)

2) Graduiertenkolleg „Identität und Erbe“ (Fortsetzung), antragstellende Hochschulen: Bauhaus-Universität Weimar (mittelverwaltend), Technische Universität Berlin; beteiligte Institutionen: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Klassik Stiftung Weimar, Landesdenkmalamt Berlin, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie; Fördersumme: 5,2 Mio. Euro (darin enthalten ist eine 22-prozentige Programmpauschale)