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Internationaler Frauentag – Wissenschaftlerinnen machen die Brain City Berlin stark

08.03.2021 09:00

Der Internationale Frauentag am 8. März bietet Anlass Berlins Wissenschaftlerinnen zu feiern und an Pionierinnen der Berliner Wissenschaftsgeschichte zu erinnern.

Blick in die Geschichte: Erste Berliner Professorinnen 1912 und 1913

Lydia Rabinowitsch-Kempner
Bild: gemeinfrei

Im Jahr 1912, erhielt die Mikrobiologin Lydia Rabinowitsch-Kempner als zweite Frau in Preußen und erste in Berlin an der damaligen Berliner Universität einen Professorinnentitel. Sie bekam jedoch keine Lehrerlaubnis, da eine Habilitation von Frauen per Gesetz (noch bis 1920) verboten war. Rabinowitsch-Kempner (geboren 1871 in Litauen) forschte zur Tuberkuloseerkrankung und wies die Übertragung der Tuberkelbazillen durch infizierte Kuhmilch nach. Sie kam 1894 nach Berlin, um bei Robert Koch in der Bakteriologie zu arbeiten und gab als erste Frau eine Fachzeitschrift zu Tuberkulose heraus.

Bildvergrößerung: Rahel Hirsch
Bild: Charité-Album, Bildarchiv des Instituts für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Ihr folgte die Medizinerin Rahel Hirsch (geboren 1870 in Frankfurt am Main), die 1913 den Titel Professorin erhielt, ebenfalls ohne Lehrerlaubnis. Rahel Hirsch zählt zu den Pionierinnen der Medizin in Deutschland und war die erste Frau, die im Königreich Preußen zur Professorin für Medizin ernannt wurde. Sie war auch die zweite Ärztin in der Geschichte der Charité, an der sie 1903 ihre Tätigkeit als Internistin und Assistentin von Friedrich Kraus begann. Heute erinnern der Rahel-Hirsch-Weg sowie eine Bronzebüste am Campus Charité Mitte an die Medizin-Pionierin. Die Charité vergibt heute im Namen von Hirsch und Rabinowitsch Stipendien an Wissenschaftlerinnen.

Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurden beide Frauen von den Nazis verfolgt, was auch das Ende ihrer wissenschaftlichen Karrieren bedeutete. Rabinowitsch-Kempner wurde 1934 zwangspensioniert, Hirsch emigrierte 1938 nach England, wo sie in bescheidenen Verhältnissen lebte.

Herausragende Forscherinnen prägen die Brain City Berlin

Bildvergrößerung: Nobelpreisträgerin Prof. Dr. Emmanuelle Charpentier
Bild: Landesarchiv Berlin/Platow

In den vergangenen über 100 Jahren hat sich vieles verändert. Berlin hat sich zur bundesweiten Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen entwickelt. Das hat im vergangenen Jahr die Vergabe des Nobelpreises für Chemie an Prof. Emmanuelle Charpentier, Leiterin der Berliner Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene, eindrucksvoll unterstrichen. Sie wurde gemeinsam mit ihrer Kollegin Jennifer A. Doudna für die Entwicklung der Genschere Crispr geehrt. Bei einem Empfang im Roten Rathaus unterstrich die Spitzenforscherin selbst: „Das bedeutet eine Menge für die jungen Mädchen, die gerne später forschen möchten oder, die darüber nachdenken, ob sie eine Wissenschaftskarriere starten sollen. Sie sehen, dass zwei Frauen mit dem Preis ausgezeichnet worden sind.“

Prof. Jutta Allmendinger
Bild: WZB/David Ausserhofer

Und in diesem Jahr wurde das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) und unter Leitung der renommierten Soziologin Prof. Jutta Allmendinger mit dem „Public Women on Board Award“ ausgezeichnet, verliehen vom Verein „Frauen in die Aufsichtsräte e.V. (FidAR)“. Der Preis würdigt Unternehmen, die gleichberechtigte Teilhabe vorbildlich umsetzen. Die exzellente Soziologin Jutta Allmendinger forscht zu Themen wie Arbeitsmarkt, Sozialpolitik und sozialer Ungleichheit, im Fokus ihrer Arbeit stehen auch Fragen der Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt und innerhalb der Familie. Anfang dieses Jahres ist sie zudem in den wissenschaftlichen Berater*innenkreis des Heiligen Stuhls im Vatikan berufen worden.

Berliner Wissenschaft ist bundesweit Vorreiterin

Inzwischen ist der Frauenanteil an allen Professuren in Berlin auf rund ein Drittel gestiegen. Über 1.200 Professorinnen forschen und lehren an den hiesigen Wissenschaftseinrichtungen. Damit liegt die Hauptstadt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 25,6 Prozent. Und ihr Anteil steigt weiter an. Im vergangen Jahr 2020 gingen 46 Prozent der Rufe auf Professuren an Berliner Hochschulen an Wissenschaftlerinnen. Viele Hochschulen und Forschungsinstitute in Berlin werden heute von Frauen geleitet und ziehen herausragende Wissenschaftlerinnen aus der ganzen Welt an, wovon der gesamte Innovationsstandort Berlin profitiert.

Berlin ist stolz auf diese Entwicklung, dennoch sind Frauen im Wissenschaftssystem noch immer mit Hürden und Nachteilen konfrontiert und in Führungspositionen unterrepräsentiert. Ein wichtiges Instrument der Hochschulgleichstellungspolitik ist das Berliner Chancengleichheitsprogramm, das 2001 vom Berliner Senat eingerichtet wurde und die Repräsentanz von Frauen auf allen wissenschaftlichen Qualifikationsstufen sowie in Führungspositionen gezielt fördert. Es bleibt noch viel zu tun, um Gleichstellung und echte Chancengleichheit zu erreichen.