Zahl des Monats November: 60.000

29.11.2019 12:00

Berliner Mauer mit Graffitti
Bild: Kalle Kolodziej - Fotolia.com

An Berliner Hochschulen gibt es heute rund 60.000 Studierende mehr als vor 30 Jahren zur Zeit des Mauerfalls.

Die Teilung der Stadt bedeutete auch eine Teilung der Wissenschaft und Forschung in Berlin. Im Jahr des Mauerfalls zählte Berlin rund 133.000 Studierende, davon waren 108.000 an Hochschulen im Westteil und 25.000 im Ostteil der Stadt eingeschrieben. Heute hat Berlin mit 193.600 Studierenden rund 60.000 mehr als noch vor 30 Jahren.

Aber wie sah die Wissenschaft und Forschung in Berlin vor 30 Jahren aus?

1989 gab es in Ost-Berlin insgesamt sieben Hochschulen: Die Humboldt-Universität zu Berlin, die die größte Universität sowohl im Ostteil der Stadt war, als auch in der gesamten ehemaligen DDR, drei Fachhochschulen und drei künstlerische Hochschulen. Im Westen der Stadt waren zehn Hochschulen angesiedelt. Zwei Universitäten mit der Freien Universität Berlin – damals mit fast 60.000 Studierenden eine der größten Volluniversitäten Deutschlands – und der Technischen Universität Berlin, fünf Fachhochschulen sowie eine Kunsthochschule, eine theologische Hochschule und eine Verwaltungsfachhochschule.

Die Universitätsmedizin war ebenfalls zweigeteilt: Im Osten der Stadt war die Charité Teil der Humboldt-Universität, im Westen Berlins war das mit US-Unterstützung aufgebaute Universitätsklinikum Benjamin Franklin Teil der Freien Universität.

Wie die Hochschuleinrichtungen war auch die außeruniversitäre Forschung in Ost und West geteilt. In Ostberlin gab es zahlreiche Forschungseinrichtungen, die teilweise der Akademie der Wissenschaften zugeordnet waren und teilweise den Kombinaten (Zusammenschluss von Industriebetrieben mit Produktion, Forschung, Entwicklung und Absatz in einer Branche). In Adlershof waren zum Beispiel Forschungseinrichtungen der Akademie gebündelt, wie das Zentralinstitut für Optik und Spektroskopie oder das Zentralinstitut für physikalische Chemie. In Buch gab es zudem einen großen medizinischen Forschungskomplex der Akademie, zu welchem das Zentralinstitut für Molekularbiologie, das Zentralinstitut für Krebsforschung und das Zentralinstitut für Herz-Kreislaufforschung gehörten. In West-Berlin war die außeruniversitäre Forschung an Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und der sogenannten „Blauen Liste“ organisiert. Dabei handelte es sich um von Bund und Ländern auf Grundlage des seit 1969 existierenden Artikels 91b GG geförderte Einrichtungen mit überregionaler und gesamtstaatlicher Bedeutung. Ein Beispiel hierfür ist das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, das in diesem Jahr seine Gründung vor 50 Jahren feierte, und heute Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft ist.

Heute – 30 Jahre später – ist die Berliner Wissenschaft zu einem Hochschul- und Forschungsstandort zusammengewachsen. Sie steht für eine Wissenschaft, die Grenzen überwindet, auf Austausch und internationale Kooperationen setzt und sich über fachliche, institutionelle und nationale Grenzen hinweg vernetzt. Diese Kultur der Kooperation zeigt sich z.B. in der „Berlin University Alliance“, in der die drei großen Berliner Universitäten und die Charité – Universitätsmedizin Berlin eine Allianz für innovative Forschung und Lehre bilden. Zusammen gehören sie zu den elf Gewinnerinnen im Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern. Im Verbund „BIT6 Berlin Innovation Transfer“ arbeiten die vier staatlichen Fachhochschulen Alice Salomon Hochschule Berlin, Beuth-Hochschule für Technik Berlin, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und die zwei konfessionellen Hochschulen Evangelischen Hochschule Berlin und Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin zusammen, um ihr forschungsbasiertes Wissen, anwendungsorientierte Ideen und neue Technologien in gebündelter Form zur Verfügung zu stellen. Seit 2009 fördert Berlin zudem mit dem Institut für angewandte Forschung Berlin, kurz IFAF Berlin, die hochschulübergreifende, praxisnahe Forschung an den vier staatlichen Berliner Fachhochschulen zusammen mit Praxispartnern aus Wirtschaft und Gesellschaft. Besondere Forschungsvorhaben, Professuren und Netzwerke fördert das Land Berlin auch über die Einstein Stiftung. Sie wurde im Jahr 2009 vom Land Berlin initiiert, um exzellente Wissenschaft in Berlin zu fördern.