II. Wirtschaft, Forschung und Technologie in Berlin

II.2 Industrie und Industriepolitik

Die Industriestadt Berlin ist auf Wachstumskurs. Eine moderne und stabile Industrie ist angesichts des zunehmenden Wettbewerbs eine wichtige Basis. So greifen erfolgreiche Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer neue Entwicklungen offensiv auf, nutzen die Potenziale der starken Forschungs- und Wissenschaftslandschaft, schaffen Innovationen auf Weltniveau und gestalten den industriellen Strukturwandel mit.

Die Industriestadt Berlin präsentiert sich heute hoch innovativ und international wettbewerbsfähig. Nach einem erheblichen Strukturwandel in den 90´er Jahren ist die Stadt heute ein moderner Industriestandort mit einem Mix aus Zukunftstechnologien und Traditionsbranchen. Neben einigen großen Unternehmen wird die Berliner Industrie insbesondere durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt.

Verglichen mit anderen Regionen weist die Berliner Industrie eine relativ gleichmäßige Branchenstruktur auf. Den höchsten Beschäftigtenanteil hatten 2012 die Branchen Metall, Maschinen- und Fahrzeugbau (mit 28 % der Beschäftigten). Knapp ein Viertel der Industriebeschäftigten (24 %) sind in der Elektroindustrie tätig. Weitere Kernbranchen der Berliner Industrie sind die Pharmaindustrie / Chemische Industrie (10 Prozent (8 % / 2 %)), Ernährungswirtschaft (10 Prozent) sowie Druck und Papier (7 Prozent). Die größten industriellen Arbeitgeber in Berlin sind die Siemens AG (rd. 13.400 Beschäftigte in Berlin), die Daimler AG (rd. 6.000), Vattenfall Europe (5.400), die BMW Group (2.400) und die Osram AG (rd. 1.600).

Die gleichmäßige Branchenstruktur ist auch anhand der Umsätze erkennbar. Im Jahr 2012 entfiel ein Großteil des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe auf vier Branchen: Pharmaindustrie / Chemische Industrie (28 Prozent (26 % / 2 %)), Metall, Maschinen- und Fahrzeugbau (20 Prozent), Elektroindustrie (18 Prozent) sowie die Ernährungswirtschaft (10 Prozent).

Die einzelnen Kernbranchen zeichnen sich durch innovative industrielle Schwerpunktsegmente aus. So sind Elektroindustrie und Maschinenbau stark von Umwelt- und Energietechnologien geprägt. Und die chemische Industrie in Berlin erwirtschaftet rund 90 Prozent des Gesamtumsatzes im Bereich Pharma.

2012 hat sich die Berliner Industrie trotz eines schwierigeren konjunkturellen Umfeldes insgesamt als stabil erwiesen. Dies zeigt sich an der realen Bruttowertschöpfung, die nach starken Anstiegen in den beiden vorangegangenen Jahren mit einem Plus von 0,1 % abschloss.

Ein Zeichen industrieller Stabilität ist die gefestigte Zahl der Industriearbeitsplätze. 2012 gab es in der gesamten Berliner Industrie im Jahresdurchschnitt rund 106.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, das waren etwa 1.000 mehr als 2011. Trotz einer schwächeren Entwicklung zum Jahresende hin, fiel auch im Dezember 2012 das Beschäftigungsniveau noch etwas höher aus als im Vorjahresmonat.

Mitentscheidend hierfür war, dass die Umsätze (Betriebe ab 50 Beschäftigten) in wichtigen Industriezweigen 2012 über dem Vorjahresniveau lagen, etwa in der Elektroindustrie, bei Pharma und Maschinenbau. Zudem konnte sich die Berliner Industrie insgesamt gut auf den internationalen Märkten behaupten. Die industriellen Auslandsumsätze bewegten sich 2012 um 10,8 % über dem Niveau von 2011. Mehr als die Hälfte ihres Umsatzes erzielte die Berliner Industrie 2012 auf ausländischen Märkten.

Dass die Industrieumsätze 2012 insgesamt trotzdem um 5,9 % gesunken sind, liegt an den um rund ein Fünftel geringeren Inlandsumsätzen. Hier wirkte sich ein Struktureffekt in der umsatzintensiven Tabakindustrie stark aus. Zudem gab es 2011 teils äußerst hohe Umsätze bei der Reparatur / Installation von Maschinen / Ausrüstungen. Beide Effekte führten dazu, dass die Umsatzentwicklung 2012 die konjunkturelle Grunddynamik unterzeichnete.

Aufgrund der überwiegend positiven Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung in den vergangenen Jahren hat die Industrie in Berlin und mit ihr das Thema Industriepolitik deutlich an Dynamik gewonnen.

Nach drei Jahren Arbeit im Masterplan Industrie Berlin 2010 – 2020 sind wichtige Projekte umgesetzt und eine Vielzahl von Meilensteinen erreicht worden. Der Masterplan Industrie hat dazu beigetragen, dass Berlin wieder als attraktiver Standort für moderne und wissensbasierte Industrie in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelangt ist und Industriepolitik als wichtige Querschnittsaufgabe wahrgenommen wird.

Die lebendige und kreative Industrie Berlins steht im Mittelpunkt des Industrieblogs berlindustrie.de, der Kommunikationsplattform für Menschen, die sich zu Fakten, Visionen und Geschichten aus der Industriestadt Berlin austauschen.

Das haben sowohl die 6. Berliner Wirtschaftskonferenz im November 2012 als auch die 2. Lange Nacht der Industrie im Mai 2013 bestätigt. Im Berliner Rathaus diskutierten prominente Gäste und Unternehmerinnen und Unternehmer über Zukunftsfragen der Industrie, wie z.B. das Thema „Industrie 4.0“, den Einzug der netzbasierten Kommunikations- und Informationstechnik in die Produktionsstätten und die damit verbundene Auflösung der klassischen Produktionshierarchie von zentraler Steuerung hin zur dezentralen Selbstorganisation. Beim Industriedinner am Vorabend der Wirtschaftskonferenz tauschten sich Unternehmen, die Wirtschaftssenatorin und der französische Botschafter zum Thema deutsch-französische Wirtschaftsbeziehungen aus.

In der „Langen Nacht der Industrie“ im Mai 2013 öffneten zum zweiten Mal Industriebetriebe – vom Mittelständler bis zum Weltkonzern, von der bekannten Marke bis zum „Hidden Champion“ – ihre Tore und präsentierten sich, ihre Technologien, Arbeitsprozesse und Produkte. Rund 1.400 Berlinerinnen und Berliner lernten spannende Produktionsstätten und Arbeitsplätze in der Industrie näher kennen. Die 33 an der Aktion beteiligten Unternehmen präsentierten sich der Öffentlichkeit als wichtige Bestandteile der Region und als attraktive Arbeitgeber und Ausbilder.