Hochtechnologie gibt Impulse für Berliner Wirtschaft

Pressemitteilung vom 16.03.2018

Auch 2017 wieder überdurchschnittliches Wachstum in Berlin Adlershof / Umsätze überschreiten Marke von zwei Mrd. Euro / Über 40 Marktführer im Technologiepark
Das überdurchschnittliche Wachstum des Hochtechnologiestandorts Berlin Adlershof setzte sich 2017 auf eindrucksvolle Weise fort. Ende des vergangenen Jahres zählte dieser 1.088 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen (2016: 1.041), in denen knapp 18.000 Menschen tätig waren (2016: rund 17.000). Hinzu kamen rund 6.700 Studenten und ca. 780 (2016: 870) Auszubildende. Die Umsätze und Haushaltsmittel lagen mit 2,07 Mrd. Euro um 6,6 % über denen des Vorjahres. Rechnet man noch die Fördermittel in Höhe von 109,2 Mio. Euro hinzu, steigt der Betrag auf 2,18 Mrd. Euro.

Im Kerngebiet, dem Wissenschafts- und Technologiepark, legten die Umsätze der Unternehmen um 7,5 % (2016: 9,7 %) auf 904,1 Mio. Euro zu. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 6,8 % (2016: 5,4 %) auf 6.870. Hinzu kamen 200 Auszubildende (2016: 246). Die Auslastung der Technologiezentren lag mit 93 % etwas über der des Vorjahres.

Der Förder- bzw. Drittmittelanteil am Budget der sechs Institute der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) betrug 31,3 Mio. Euro (2016: 31,2 Mio. Euro), die Grundfinanzierung belief sich auf 51 Mio. Euro (2016: 49 Mio. Euro). Bei den zehn außeruniversitären Instituten lagen die Haushaltsmittel mit 139,1 Mio. Euro (2016: 138,2 Mio. Euro) etwas höher als im Vorjahr. Die Drittmittel legten auf 64,6 Mio. Euro zu (2016: 48,9 Mio. Euro). Die Zahl der Beschäftigten entsprach mit 2.711 nahezu der des Vorjahres. In den HU-Instituten waren 2017 wie schon 2016 rund 6.700 Studenten eingeschrieben.

Die Medienstadt hatte 2016 einen deutlichen Wachstumsschub erlebt, der sich 2017 nicht fortsetzte. Die Zahl der Unternehmen blieb mit 147 zwar gleich, ihre Umsätze gingen allerdings um 10,7 % (2016: plus 7,3 %) auf 213,7 Mio. Euro zurück. Die Zahl der fest angestellten Mitarbeiter blieb mit 1.380 nahezu gleich, die der freien Mitarbeiter stieg um 12,7 % auf über 980. Hinzu kamen 94 Auszubildende (2016: 106).

Die Umsätze und Haushaltsmittel der 418 Unternehmen und Einrichtungen im übrigen Entwicklungsgebiet legten 2017 um 10,4 % (2016: 8,3 %) auf 763,8 Mio. Euro zu. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 12,5 % (2016: 2,6 %) auf rund 6.000. Hinzu kamen 432 (2016: 470) Auszubildende (u. a. bei mehreren Trägern überbetrieblicher Ausbildung).

Die Geschäftsentwicklung für das Jahr 2018 schätzen die Unternehmen im Wissenschafts- und Technologiepark ähnlich positiv wie im Vorjahr ein: 59 % (2016: 61 %) gehen von einer Steigerung des Umsatzes aus. Lediglich 3 % (2016: 2 %) befürchten einen Umsatzrückgang, rund 44 % (2016: 43 %) der befragten Unternehmer erwarten eine steigende, ca. 55 % (2016: 54 %) eine konstante Beschäftigtenzahl.

Das ohnehin hoch eingeschätzte Image des Hochtechnologiestandorts Adlershof erzielte 2017 bei der Beurteilung wichtiger Standortbedingungen wieder einen Spitzenwert. Auch ist die Zufriedenheit der Mieter mit den Verhältnissen am Standort unverändert hoch. Kritische Stimmen betreffen nach wie vor die Parkplatzknappheit, neuerdings jedoch auch den ÖPNV (u. a. Zugausfälle bei der S-Bahn) und Staufallen (z. B. auf der Rudower Chaussee).

Technologie- und Marktführer geben Takt vor
In Berlin Adlershof ist ein Hochtechnologiestandort. Der Anteil an technologieorientierten Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen bzw. solchen, die ingenieurtechnische oder IT-Dienstleistungen erbringen, ist – bezogen auf das Kerngebiet – mit 51 % sehr hoch. In der Jahresumfrage 2017 sind diese Angaben erstmals konkret hinterfragt worden – mit beeindruckenden Ergebnissen:
Im Wissenschafts- und Technologiepark mit seinen 523 Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen schätzen sich über 200 (knapp 40 ) der Unternehmen als hochspezialisierte Nischenanbieter ein, rund 140 (ca. 28 %) beanspruchen für sich die Technologieführerschaft, über 40 (8 %) bezeichnen sich als Marktführer. Eine hohe Spezialisierung charakterisiert übrigens auch die Medienunternehmen (19 %) sowie die Firmen im übrigen Entwicklungsgebiet (rund 31). Dort gibt es mit über 40 Firmen (10 %) auch einen hohen Anteil an Marktführern.

Hohe Qualifikation und enge Vernetzung
Ebenfalls zum ersten Mal wurde nach dem Anteil hochqualifizierter Mitarbeiter sowie nach dem Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung gefragt. Nach Auskunft der Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen liegen deren Anteile im Wissenschafts- und Technologiepark bei ca. 42 % bzw. rund 18 %. Bei den Medienunternehmen sind es rund 25 % bzw. 5,4 %, bei Gewerbe und Dienstleistungen rund 15 % bzw. 3 %.

Schließlich spielt die Vernetzung von Unternehmen und Wissenschaft
in Berlin Adlershof eine große Rolle: Rund 78 % (2016: 76 %) der Unternehmen im Wissenschafts- und Technologiepark kooperieren mit mindestens einem anderen Standortunternehmen, ca. 43 % (2016: 44 %) arbeiten mit mindestens einer außeruniversitären Forschungseinrichtung zusammen. Rund 35 % kooperieren mit einer der Berliner Universitäten, rund 25 % (2016: 30 %) mit einem Institut der Humboldt-Universität. Auch ist die Vernetzung am Standort bei den Unternehmen der Medienstadt mit rund 76 % (2016: 55 %) sowie bei Gewerbe und Dienstleistungen mit ca. 60 % (2016: rund 53 %) außerordentlich hoch. Auffallend ist, dass die dort ansässigen Unternehmen in zunehmendem Maße Waren und Dienstleistungen an den Wissenschafts- und Technologiepark liefern.

Erfolgsfaktoren für überdurchschnittliches Wachstum
„Seit 15 Jahren meldet Adlershof überdurchschnittliches Wachstum. Von 2003 bis 2017 sind die Umsätze und Haushaltsmittel von 978 Mio. Euro auf über zwei Mrd. Euro gestiegen; die Zahl der Beschäftigten kletterte von 10.500 auf rund 18.000“, kommentierte Roland Sillmann, Geschäftsführer der Standort-Betreibergesellschaft WISTA-MANAGEMENT GMBH (WISTA) anlässlich der Adlershofer Jahrespressekonferenz die vorliegenden Zahlen. Sillmann weiter: „Natürlich profitieren auch wir von der gegenwärtig guten konjunkturellen Lage, davon, dass das Wirtschaftswachstum in Berlin im vergangenen Jahr mit 2,7 % über dem Bundesdurchschnitt (2,2 %) lag. Aber es kommen noch weitere wichtige Faktoren hinzu: In Adlershof ziehen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft an einem Strang und sorgen so dafür, dass sich der Standort langfristig entwickeln kann.“

Besonderes Augenmerk richtete Sillmann auf die Innovationsstärke der Adlershofer Unternehmen: „Was wir salpp als ‚Nischenanbieter’ bezeichnen, sind in Wirklichkeit hochspezialisierte Unternehmen. Sie planen langfristig; ihr Ziel ist die Technologieführerschaft. Allein bei uns im Technologiepark nehmen diese 140 Unternehmen und Einrichtungen für sich in Anspruch – über 40 rechnen sich sogar zu den Marktführern. Das sind Zahlen, auf die wir stolz sein können. Sie zeigen einmal mehr, welche Qualität dieser Standort in Forschung, Entwicklung und Produktion auch dank der klugen Köpfe, die hier tätig sind, erreicht hat.“

Henner Bunde, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin, hob in seinem Statement das Engagement der WISTA an weiteren Berliner Standorten hervor: „Die WISTA vernetzt in Adlershof erfolgreich Wissenschaft und Wirtschaft. Unser Ziel ist es, dieses Know-how auch für andere Standorte in Berlin zu nutzen, um jungen und etablierten Unternehmen Zugang zu dem breiten Wissen und zahllosen Ideen unserer Berliner Forscher*innen zu verschaffen. Das Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC) beweist bereits, dass die WISTA nicht nur Adlershof kann. Das Technologie- und Gründungszentrum FUBIC in Dahlem, aber auch Buch, Marzahn und die weiteren Zukunftsorte werden zukünftig vom Know-how der WISTA profitieren können, denn die Geschäftsstelle für die ‚Zukunftsorte‘ Berlins wird von der WISTA gemanagt. Die Zukunftsorte stärken nachhaltig Berlins Wirtschaftskraft und ich freue mich, dass die WISTA hierzu einen bedeutenden Beitrag leistet.”

Professor Günther Tränkle, Direktor des Ferdinand-Braun-Instituts, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH), betont die Sonderstellung des Technologieparks Adlershof, in dem die starken wissenschaftlichen Einrichtungen und die vielfältigen Kooperationen das hervorragende Wachstum der Unternehmen mit ermöglicht haben. Zur Vernetzung trägt seit über 20 Jahren die Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof e.V. bei, die Forschende in Instituten, Universitäten und Unternehmen vor Ort vernetzt. Starke Impulse verspricht sich Tränkle von der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland. „Mit dieser einzigartigen Initiative bündeln elf Fraunhofer- und die beiden Leibniz-Institute FBH und IHP (Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik) ihre Ausstattung und ihr Know-how in einem gemeinsamen Technologiepool. Sie schaffen damit eine neue Qualität der Elektronikforschung am Standort Deutschland und bieten Forschungsdienstleistungen entlang der kompletten Innovationskette aus einer Hand an.“ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert die Erneuerung der technologischen Ausstattung mit rund 350 Mio. Euro – 34 Mio. Euro davon fließen an das FBH in Adlershof, das hier einen neuen Reinraum für III/V-Halbleiter aufbaut.